Pier 22 in Wien
Konsumfreie Freizeitoase mitten in der Stadt
Auf der Wiener Donauinsel am rechten Ufer der Neuen Donau befand sich lange die sogenannte „Sunken City“. Über vier Jahrzehnte prägte die Freizeitmeile die Flusspromenade und besetzte an vielen Stellen den Wasserzugang. Nach einem Brand galt die in die Jahre gekommene Infrastruktur als sanierungsbedürftig und sollte neu gestaltet werden. Den Realisierungswettbewerb gewann das Wiener Architekturbüro Mostlikely Architecture in Architecture in einem interdisziplinären Team. In zwei Bauphasen entsteht mit Pier 22 eine neue öffentliche Promenade mit konsumfreien Aufenthaltsflächen, Grünflächen und direktem Zugang zum Wasser.
Die Neue Donau, ein künstlicher Seitenarm der Wiener Donau, entstand in den 1970er- bis 1980er-Jahren als Teil eines Hochwasserschutzprogramms. Der geradlinige, 200 Meter breite Flusslauf dient als Entlastungsgewässer. Die Donauinsel trennt die beiden Gewässer und ist ein beliebtes Freizeitgelände, das Badende und Schwimmbegeisterte anzieht, auch dank der ausgezeichneten Wasserqualität. Daher lag ein Fokus der Umgestaltung des Areals am nördlichen Ufer der Donauinsel auf dem Wasserzugang. In einem ersten Bauabschnitt plante das Team um Mostlikely Architecture und Quirin Krumbholz eine neue Uferpromenade sowie eine Infrastruktur für „Park-Working“. Über den Namen des Projekts wurde in einer Online-Umfrage abgestimmt: Die Wahl fiel auf Pier 22, angelehnt an die Lage im 22. Wiener Bezirk.
Öffentliches „Park-Working“
Entlang des durchgehenden Uferwegs gruppieren sich neue Aufenthaltsbereiche. Eine Struktur aus Beton und weiß lackiertem Stahl schmiegt sich an die Böschung. Die geschwungene Sichtbetonfläche dient auf der Promenade als Überdachung für Sitz- und Liegebereiche und bildet auf der höher gelegenen Ebene eine Terrasse. Von dort bietet sich ein weiter Blick auf die Neue Donau und das gegenüberliegende Ufer. Dank der filigranen Brüstung aus Drahtnetzen scheint man hier über dem Wasser zu schweben. Pergolen mit Holzlamellen überdachen Sitzbereiche, und spenden tagsüber Schatten, nachts künstliches Licht. Fest installierte Tische, Bänke und Drehstühle sollen zum „Park-Working“ unter freiem Himmel einladen – öffentliches WLAN macht es möglich. Glatte Oberflächen und Pastelltöne prägen das Erscheinungsbild dieses Aufenthaltsbereichs. In der zweiten Bauphase sollen Schließfächer hinzukommen, öffentliche Toiletten sind bereits vorhanden.
Badeplattform mit Liegenetzen
Neben dieser offen und frei zugänglichen Infrastruktur schmiegen sich einzelne mit Liegeplattformen in den Hang: die gelb lackierten Stahlstrukturen mit hölzernen Liegeflächen setzen bunte Akzente in der grünen Wiese. Holz prägt auch den Uferbereich direkt am Wasser. Ein langer, breiter Steg aus Lärchenholz schmiegt sich als Badeplattform an die Wasserkante. Von hier aus führen Leitern in das Wasser, einzeln verteilte Pflanztröge und Bänke begrenzen die Liegefläche zum Uferweg. In einem Bereich hängen schwarze Netze in einer gelben Stahlstruktur – ideal für alle, die wortwörtlich am Wasser abhängen wollen. Neben der Badeplattform liegt ein flacher, mit Steinen abgetrennter Badebereich im Fluss für Kinder, der über breite Treppenstufen zugänglich ist.
Die Böschung wurde im Rahmen der Umgestaltung neu bepflanzt. Ganzjährige Gräser und heimische Staudengewächse erinnern an eine Auenlandschaft, während Bäume Schatten spenden und die Luft kühlen. In der zweiten Bauphase wird die Uferzone um Sportmöglichkeiten und ein Café ergänzt. Pier 22 bleibt das ganze Jahr über zugänglich – im Sommer zum Planschen, im Winter zum Eisbaden. Mit der U-Bahn, deren nächste Haltestelle nur 400 Meter entfernt liegt, ist dieser vielseitige Treffpunkt mitten in der Stadt gut erreichbar. -hs
Bautafel
Architektur: Mostlikely Architecture ZT, Wien
Projektbeteiligte: Quirin Krumbholz, Wien (Designkonsulent); AXIS (Tragwerksplanung Freiraum, Verkehrsplanung); DnD (Landschaftsplanung); Bollinger+Grohmann (Tragwerksplanung Gebäude); Bauklimatik (Bauphysik, HKLS); Allplan (Elektroplanung); Sarah Holzer (Küchenplanung); Porr (Generalunternehmer Ausführung)
Bauherrschaft: Stadt Wien
Standort: Donauinsel 19, 1220 Wien, Österreich
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Mostlikely Architecture, Wien
Fachwissen zum Thema
Bauwerke zum Thema
BauNetz Wissen Wasserkreislauf sponsored by:
ACO GmbH
Am Ahlmannkai
24782 Büdelsdorf
Tel. +49 4331 354-700
www.aco.de