Piano del Verde in Mantua

Ein Städtischer Grünplan von Openfabric in der Renaissance-Stadt Mantua

Die norditalienische Stadt Mantua, Mantova auf Italienisch, hat ihren Piano del Verde (Städtischer Grünplan) vorgestellt. Der Plan soll die ökologische Transformation der Stadt vorantreiben, auf aktuelle Umwelt- und Klimaherausforderungen reagieren, die Lebensqualität der Bürger*innen verbessern und zugleich Mantuas Rolle als ökologischer Korridor entlang des Flusses Mincio stärken.

Mantua aus der Luft mit erkennbarer Insellage.
Blick auf den See Lago Superior.
Struktur des Städtischen Grünplans in Mantua, der die ökologischen, städtischen Flussufer-, Landwirtschafts- und Infrastrukturkorridore integriert.

Der Piano del Verde ist das bislang umfassendste Planungsinstrument der Stadtverwaltung, um die Diskussionen und Impulse weiterzuführen, die beim FAO World Forum on Urban Forests im Jahr 2018 in Mantua angestoßen wurden. In den kommenden Jahren soll der von Openfabric – einem auf Landschaftsarchitektur und Städtebau spezialisierten Büro mit Standorten in Rotterdam, Mailand und Genua – entwickelte Grünplan schrittweise umgesetzt werden.

UNESCO Weltkulturerbe

In Mantua sind seit Jahrhunderten kulturelle und landschaftliche Werte eng miteinander verflochten. Neben seinem reichen historischen und architektonischen Erbe, das der Stadt den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes eingebracht hat, prägt vor allem ein hochwertiges Naturgefüge das Stadtbild: drei charakteristische Seen sowie ausgedehnte Feuchtgebiete umgeben den historischen Stadtkern und bilden ein einzigartiges ökologisches System.

Im Jahr 2008 wurde Mantua aufgrund seiner bedeutenden städtebaulichen, architektonischen und künstlerischen Zeugnisse der Renaissance in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Die Ursprünge der Stadt reichen bis in die römische Zeit zurück, doch vor allem im 15. und 16. Jahrhundert erlebte Mantua eine umfassende städtebauliche und architektonische Erneuerung. Dazu gehörten auch weitreichende hydrotechnische Maßnahmen, die das Zusammenspiel von Stadt und Wasser neu ordneten. Bedeutende Architekten wie Leon Battista Alberti und Giulio Romano sowie Künstler wie Andrea Mantegna prägten diese Entwicklung und machten Mantua zu einem der wichtigsten Zentren der Renaissance in Italien.

Vor dem Hintergrund dieser traditionsreichen Stadtgeschichte, hat Mantua nun ein neues ambitioniertes stadtplanerisches Projekt begonnen.

Naturnahe Planung

Mit dem Piano del Verde verfolgt Mantua eine langfristige Strategie für eine klimaresiliente, zugängliche und ökologisch orientierte Stadtentwicklung. Der städtische Grünplan basiert auf fünf zentralen Bausteinen: Ökosysteme, Ökologische Korridore, Grüne Straßen, Aufforstungsflächen sowie Hochwasserrückhaltebecken. Gemeinsam bilden diese Elemente, unterstützt durch naturbasierte Lösungen und klare Gestaltungsprinzipien, ein zusammenhängendes Netz ökologischer und landschaftlicher Verbindungen innerhalb der Stadt und ihres Umlands.

Der Grünplan strukturiert das Stadtgebiet in drei übergeordnete Ökosysteme, die unterschiedliche ökologische Identitäten repräsentieren und als Leitbild für zukünftige Eingriffe dienen: ein urbanes, ein fluviales und ein landwirtschaftliches Ökosystem. Ökologische Korridore bilden laut den Gestalter*innen, ein zusammenhängendes grünes Netz aus linearen Verbindungen, das Mantua und das Umland räumlich stärker verknüpft und durchlässiger macht.

Am südlichen Stadtrand wird beispielsweise die Anlage eines solchen Korridors durch einen neuen 115 Hektar großen Park umgesetzt. Dieser soll den See Lago Superiore wieder mit den Vallazza-Feuchtgebieten verbinden, indem das historische Becken des einstigen vierten Sees, des Lago Paiolo rekonstruiert wird. Darüber hinaus plant die Stadt ein Netz aus sogenannten Grüne Straßen: Über 100 Kilometer baumgesäumter Straßenräume sollen künftig Schatten spenden, das Stadtklima verbessern und als zentrale Struktur des städtischen Grün- und Ökosystemnetzes fungieren. Ergänzend sieht der Plan 274 Hektar neue Waldflächen vor, die sich entlang landwirtschaftlicher Randbereiche, in peri-urbanen Zonen und an strategischen innerstädtischen Standorten entwickeln sollen. Auch Hochwasserrückhaltebecken sind Teil des Konzepts. Sie dienen als wichtige wasserwirtschaftliche Infrastruktur, um Hochwasserspitzen abzufangen und die Auswirkungen zunehmend intensiver Starkregenereignisse abzumildern.

Architektur: Openfabric, Mailand (Projektteam: Francesco Garofalo, Ludovica Barcucci, Konstantinos Venis, Jacopo Gennari Feslikenian, Laura Parra, Edoardo Bracchi, Ishaani Shah); Bauherr*in: Stadt Mantua (Abteilung für Umwelt und Raumplanung); Bildrechte: Openfabric; Comune di Mantova

Fachwissen zum Thema

Regenwasserbewirtschaftung und -rückhaltebecken auf dem Gelände der Atelier Gardens in Berlin, Planung: MVRDV und Hirschmüller Schindele Architekten

Regenwasserbewirtschaftung und -rückhaltebecken auf dem Gelände der Atelier Gardens in Berlin, Planung: MVRDV und Hirschmüller Schindele Architekten

Urban Green

Die Schwammstadt

Neben den Schloss-, Volksparks, wissenschaftlich-botanischen und privaten Gärten sind in den letzten Jahren neue Formen entstanden, wie z. B. urban farming, urban gardening, guerilla gardening, Agritecture (im Bild: Vertikaler Garten von Patrick Blanc, Rue d'Aboukir, Paris).

Neben den Schloss-, Volksparks, wissenschaftlich-botanischen und privaten Gärten sind in den letzten Jahren neue Formen entstanden, wie z. B. urban farming, urban gardening, guerilla gardening, Agritecture (im Bild: Vertikaler Garten von Patrick Blanc, Rue d'Aboukir, Paris).

Urban Green

Grün als urbaner Faktor

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Stadt- und Dachbegrünung sponsored by:
Optigrün international AG | Kontakt +49 7576 772-0 | www.optigruen.de