Photovoltaikmodule mit integrierten Mustern
PV-Folien mit photonischen Nanostrukturen und Laserzuschnitt
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) präsentierte im April 2026 sogenannte ShadeCut-Folien mit transparenten Aussparungen als Bestandteil von Photovoltaikmodulen. Sie ermöglichen es, unterschiedliche Farben, Muster und Motive auf Solarmodule aufzubringen, ohne die üblichen großen Wirkungsverluste, die normalerweise mit Beschichtungen einhergehen.
Die Folien basieren auf der vom Fraunhofer entwickelten MorphoColor-Technologie. Diese erzeugt Farbe durch photonische Nanostrukturen, die in das Deckglas von Photovoltaikmodulen eingebracht werden und über Interferenzeffekte einen Farbeindruck erzeugen. Vorbild ist der Morpho-Schmetterling, dessen Flügeloberflächen winzige, aufrechte Zapfen ausweisen, in denen sich die Lichtwellen so überlagern, dass ein blauer Schimmer entsteht; Interferenz heißt dieser physikalische Effekt. Weil nicht Pigmente, sondern Oberflächenstrukturen für die Farbwirkung verantwortlich sind, entsteht ein intensiver, winkelstabiler Farbeindruck. Für PV-Module hat die Technik einen Vorteil: Üblicherweise haben pigmentierte PV-Flächen niedrigere Wirkungsgrade, weil weniger Licht zur Solarzelle gelangt. Mit photonisch strukturierter Oberfläche hingegen erreichen die Module rund 90 bis 95 % des Wirkungsgrades von Standardmodulen.
Ursprünglich wurde die Technik entwickelt, um PV-Module unauffälliger in den denkmalgeschützten Bestand integrieren zu können. BauNetz Wissen berichtete über die Integration der MorphoColor-Technik in einem historischen Gebäude in Eppingen im Rahmen des Forschungsprojekts PVHide. Für die Umsetzung und Verbreitung in der Praxis setzten die Forschenden auf industrielle Partnerschaften: Interpane realisierte die MorphoColor-Beschichtung im industriellen Maßstab auf großen Anlagen, AxSun fertigte daraus farbige Module für die Dachintegration – sowohl für Aufdach- als auch Indachlösungen.
Im September 2025 machte das Fußballstadion von Sankt Pauli Schlagzeilen, als die Schweizer Firma Lichtblick zusammen mit dem Hersteller Megasol Energie Solarmodule mit MorphoColor-Technologie auf dem Stadiondach installierte: Aus über tausend Modulen in den Farben des Regenbogens entstand eine 1.800 Quadratmeter große Pride-Flagge, die jährlich etwa 285.000 Kilowattstunden Strom erzeugt, der fast ganz vom Stadionbetrieb selbst verbraucht wird.
Neu ist nun, dass sich die photonischen Nanostrukturen nicht nur in Glas, sondern auch in Folien einarbeiten lassen. Diese Folien können mithilfe von Laser- oder CAD-basierten Verfahren gezielt mit Aussparungen versehen werden, sodass sich transparente, energieaktive Bereiche und farbige Flächen in einer frei gestaltbaren Oberfläche kombinieren lassen. Dadurch entstehen Muster, Materialanmutungen oder grafische Motive direkt im Modul. Das erweitert den gestalterischen Spielraum der Architekt*innen: Photovoltaik kann entweder unauffällig integriert oder bewusst als Gestaltungselement eingesetzt werden.
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