Pavillon Qianhai Floating City in Shenzhen

Landmarke auf Zeit

Der Qianhai New District ist ein aufstrebender Bezirk in der chinesischen Metropole Shenzhen, der als Freihandelszone von speziellen Steuervorteilen profitiert. Nach Vorbild des Silicon Valley in den USA soll sich der neue Bezirk zu einem „Innovation-Hub“ entwickeln und dadurch nicht zuletzt ein Pilotgebiet für eine engere Zusammenarbeit zwischen Festlandchina und Hongkong werden. Ähnlich dem nur wenige Kilometer südlich gelegenen Flughafen von Hongkong wurde das Areal durch Aufschüttung der Qianhai Bay abgewonnen und innerhalb der letzten zehn Jahre zu einem Geschäftszentrum ausgebaut. Hier fand 2020 im Zuge der achten Bi-City Biennale of Urbanism/Architecture die „Qianhai Future Urbanism/Architecture Exhibition 2020“ statt. Nach Plänen des Pekinger Architekturbüros People’s Architecture Office entstand im Rahmen der Ausstellung die Qianhai Floating City: ein scheinbar schwebender Pavillon mit einem Baugerüst als Tragwerk und Membranen in Bonbonfarben als Bedachung und Sonnenschutz.

Zwar dienten die bunten Membrandächer des Qinhai-Floating-City-Pavillons vor allem dem Schutz vor Sonnenlicht, ihre schönste Wirkung jedoch entfalteten sie bei Nacht.
Der temporäre Pavillon wurde im Rahmen der Ausstellung Qianhai Future Urbanism/Architecture Exhibition 2020 in Shenzhen errichtet.
Sonnensegel und großdimensionierte Luftkissen vermittelten den Eindruck von Leichtigkeit.

Mehr Bottom-up, weniger Top-down

Mehrere namhafte europäische Architekturbüros, etwa OMA, MVRDV, Foster + Partners und gmp steuerten Entwürfe für Hochhäuser des Qianhai New District bei, in denen Banken, Finanzzentren und Büroflächen für Startups untergebracht sind. Für die Ausstellung wurden die Architekturschaffenden gebeten, neue Modelle der Stadtplanung zu untersuchen, die auf Bürgerbeteiligung und Bottom-up-Praktiken basieren. Solche Ansätze stehen im Gegensatz zu der in Shenzhen üblichen Top-down-Stadtplanung. Für die Ausstellung diente der Pavillon als Außenposten und Landmarke, die Aufmerksamkeit erzeugen und die Stadt einbinden sollte.

Architektur für unsichere Zeiten

So wurde mit der „schwebenden Stadt“ durch den Einsatz eines offenen räumlichen Rahmens ein zuvor karger Ort aktiviert. Konzipiert und realisiert während der Covid-19-Pandemie, einer Zeit erhöhter Unsicherheit, sollte das Projekt zudem Ausdruck dafür sein, wie sich der urbane Raum schnell an veränderte Bedürfnisse anpassen kann: Die Struktur wurde von einem flexiblen Rahmen aus gemieteten Gerüsten getragen – ein System, das leicht konstruiert, geändert und demontiert werden kann, um es an anderer Stelle wiederzuverwenden. Sonnensegel und großdimensionierte Luftkissen vermitteln den Eindruck von Leichtigkeit.

Der Pavillon beherbergte auf einer Grundfläche von 600 Quadratmetern eine Reihe von wechselnden Programmen, darunter Filmvorführungen, Vorträge, Workshops und andere öffentliche Veranstaltungen. Besuchende konnten die farbenfrohen Wege und Treppen mit Absturzsicherungen aus transparentem Plexiglas erklimmen und durchqueren, um verschiedene, in die Struktur eingebettete Kunstwerke zu erkunden oder einen Panoramablick auf den neuen Stadtteil zu genießen. -sr

Bautafel

Architektur: People’s Architecture Office, Peking
Projektbeteiligte: Wang He, Gao Pengfei, Li Zhenghua, Xu Jiaqi (Projektteam People’s Architecture Office); Dongxiying Studio CCDI, Shenzhen (Beratung Design)
Bauherr/in: 2020 Qianhai Future Urbanism/Architecture Exhibition
Fertigstellung: 2020
Standort: Shenzhen, China
Bildnachweis: Zhang Chao

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