Pavillon „One Water“ auf der Expo 2025 in Osaka

Öffentliche Sanitäranlage mit geschlossenem Wasserkreislauf

Alle fünf Jahre wird die Weltausstellung Expo zum internationalen Schaufenster für Innovationen in Architektur, Technik und Gesellschaft. Mit dem von Sou Fujimoto entworfenen Grand Ring zog die Expo 2025 in Osaka abermals weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Die monumentale Holzkonstruktion auf der künstlichen Insel Yumeshima umschloss das Ausstellungsgelände, auf dem die teilnehmenden Nationen in Pavillons ihre Zukunftsvisionen präsentierten. Für die Versorgung und den Aufenthalt der Besucher*innen wurden auf dem Areal verschiedene Infrastrukturbauten realisiert. Dazu zählt auch der vom Planungsbüro Kuma & Elsa entworfene Pavillon One Water – eine öffentliche Sanitäranlage, die Aufenthaltsqualität und Ressourcenschonung in einer Holzarchitektur vereinte.

Der vollständig aus Zedernholz errichtete, keilförmige Baukörper erhob sich aus dem Gelände und bildete mit seiner diagonal ansteigenden, begehbaren Dachfläche zugleich eine Sitzlandschaft mit Blick über das Ausstellungsgelände.
Entlang der südlichen Gebäudelängsseite waren vier barrierefreie Sanitärbereiche mit Wickel- und Versorgungsmöglichkeit sowie vier weitere Einzelkabinen angeordnet.
Blaue Sonnenschirme und Verschattungselemente sowie Kieselsteine auf der Dachlandschaft nahmen Bezug auf die Thematik „Wasser“.

Ein temporärer Baukörper aus Holz

Wie viele Expo-Pavillons war auch der One-Water-Pavillon für eine temporäre Nutzung über die sechsmonatige Laufzeit der Ausstellung ausgelegt. Zwischen den Pavillons von Aserbaidschan und Korea gelegen, befand er sich am nordöstlichen Randbereich des Grand Rings. Der vollständig aus japanischem Zedernholz errichtete, keilförmige Baukörper erhob sich aus dem Gelände und bildete mit seiner diagonal ansteigenden, begehbaren Dachfläche zugleich eine Sitzlandschaft mit Blick über das Ausstellungsgelände. Über Stahlpfähle war die Konstruktion im Fundament verankert.

Räumliche Organisation und Belüftungskonzept

Der Grundriss der Anlage ähnelte der Form eines langgestreckten Parallelogramms. Entlang der südlichen Gebäudelängsseite waren vier barrierefreie Sanitärbereiche mit Wickel- und Versorgungsmöglichkeit sowie vier weitere Einzelkabinen angeordnet. Der Haupt-Sanitärbereich befand sich unterhalb der begehbaren Treppenlandschaft im Inneren des Baukörpers. Der Zugang erfolgte am östlichen Ende der südlichen Gebäudelängsseite.

Der Innenraum war offen und übersichtlich organisiert. Eine mittig angeordnete Waschtischreihe strukturierte den Raum und trennte die gegenüberliegenden Kabinenreihen voneinander. Die Urinale befanden sich auf der nördlichen Seite hinter den Kabinen. Sämtliche Sanitärbereiche waren geschlechtsneutral konzipiert. Damit griff der Entwurf die Zielsetzung auf, unterschiedliche Geschlechtsidentitäten in der räumlichen Organisation der Anlage zu berücksichtigen. Der dreieckige Längsschnitt des Gebäudes unterstützte die natürliche Belüftung durch den Kamineffekt: Warme Luft konnte nach oben entweichen, während frische Luft durch die südwestliche Meeresbrise nachströmte.

Der Ausgang befand sich als zentraler Einschnitt in der Treppenlandschaft an der Westseite des Pavillons und führte in den angrenzenden Wassergarten, der von einer vertikalen Holzlattung, die der Fassadenbekleidung glich, zaunartig eingefasst wurde.

Geschlossener Wasserkreislauf

Das Wasserkonzept des One-Water-Pavillons verband Sammlung, Verdunstung und Wiederverwendung innerhalb eines geschlossenen Kreislaufs. Über eine Dachauslassstelle wurde in regelmäßigen Intervallen sowie temperaturabhängig Wasser auf die Dachfläche geleitet. Dieses floss über eine Rinne über die mit Kies belegte Dachlandschaft und unterhalb der Treppenanlage weiter. Die Kieselsteine hielten einen Teil des Wassers zurück und unterstützten durch Verdunstung die natürliche Kühlung der angrenzenden Aufenthaltsbereiche.

Das verdunstende Wasser kehrte über die Bildung von Wolken in den natürlichen Wasserkreislauf zurück. Das verbleibende Wasser wurde in den Wassergarten geleitet und dort gesammelt. Nach Erreichen eines definierten Füllstands gelangte es in ein Becken und anschließend in einen Speichertank, wo es gefiltert und über ein Leitungssystem erneut der Nutzung zugeführt wurde. Das aufbereitete Wasser diente der Toilettenspülung sowie der Bewässerung der integrierten Vegetation.

Materialität und Wiederverwendung

Der Wasserkreislauf wurde zusätzlich über die Material- und Farbgestaltung des Pavillons aufgegriffen. Neben Zedernholz kamen blaugraue Waschtische, Bodenbeläge und Wandflächen, blaue Sonnenschirme und Verschattungselemente zum Einsatz. Kieselsteine auf der Dachlandschaft und im Bereich der Wassersammlung verwiesen auf durch Wasser geformte Materialien. Die Konstruktion wurde von Beginn an auf Wiederverwendung ausgelegt. Die Holzplatten der Innen- und Außenverkleidung wurden ohne Nägel oder Bohrungen mithilfe von Holzblöcken befestigt und konnten nach der Nutzung weiterverwendet werden. Stahlpfähle und Fundamentelemente waren gemietet und wurden nach Ende der Expo zurückgegeben.

Bautafel

Architektur: KUMA & ELSA, Fukuoka/Paris/Bilbao
Projektbeteiligte: Shohei Kuma and Elsa Escobedo (Projektteam); Kenichi Inoue Structural Engineers (Tragwerk); YUKEN M&E DESIGN OFFICE (Gebäudetechnik); Miyako M&E Design Office (Elektrotechnik); Urata Garden Design Office (Landschaftsarchitektur); Azuma Kensetu (Generalunternehmer); Société Coopérative 2401 und Ang Studio (Beratung)
Bauherr*in: Expo Association
Fertigstellung: 2025
Standort: 1 Chome-49 Yumeshimanaka, Konohana Ward, Osaka, 554-0044, Japan
Bildnachweis: KUMA & ELSA (Fotos und Pläne)

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