Patientenwohnheim Casa Acreditar Porto

Handgefertigte, glasierte Wandfliesen im Innen- und Außenbereich

Mit seinen Einschnitten, quaderförmigen Volumen und innen liegenden Höfen wirkt das Wohnheim wie eine moderne, schützende Burg (Nordansicht)

Mit seinen Einschnitten, quaderförmigen Volumen und innen liegenden Höfen wirkt das Wohnheim wie eine moderne, schützende Burg (Nordansicht)

Durch die Einschnitte entstehen Patios und somit private Räume im Außenbereich (Nordwestansicht)

Durch die Einschnitte entstehen Patios und somit private Räume im Außenbereich (Nordwestansicht)

Patientenwohnheim Casa Acreditar Porto

Wie sieht Architektur aus, die Familien in schweren und belastenden Zeiten etwas Rückhalt und Ruhe bietet? Möglicherweise so wie das nach Plänen des Lissaboner Büros atelier do cardoso entstandene Wohnheim Casa Acreditar Porto. Mit seinen Einschnitten, quaderförmigen Volumen und innen liegenden kleinen Höfen wirkt es wie eine moderne, schützende Burg. Kinder und Jugendliche, die im zweihundert Meter entfernten onkologischen Zentrum Porto IPO behandelt werden, können während dieser Zeit dort mit ihren Familien leben.

2014 hatten die Architekten den entsprechenden Wettbewerb gewonnen, zwei Jahre später konnte der ausschließlich über Spenden und Schirmherrschaften finanzierte Neubau fertiggestellt werden. Er ist auf einem Hanggrundstück platziert und setzt sich aus vier unterschiedlichen, hochkantstehenden Quadern zusammen, die teilweise verbunden sind und mit einem Flachdach abschließen, aus dem das Treppenhaus mittig wie ein großer Schornstein herausragt. Außerdem haben die weiß verputzten Quader an mehreren Stellen Einschnitte, sodass sich einzelne Patios ergeben, die private Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien bieten und mit zartgrünen Fliesen gestaltet sind.

Ein großer Einschnitt an der nordwestlichen Ecke des Erdgeschosses markiert den Eingang. Auf dieser Ebene befinden sich Besuchszimmer sowie die Räumlichkeiten für die Mitarbeiter und die ehrenamtlichen Helfer, die das Projekt unterstützen. An der südwestlichen Ecke ist ein weiterer Einschnitt, der ummauert ist und so eine geschützte Terrasse ausgebildet. Im ersten Stock sind Gemeinschaftsräume wie Küche, Waschküche, Wohnzimmer und Speisesaal untergebracht. Auf dieser Etage befindet sich ein Patio im Südosten. Das zentrale Treppenhaus führt weiter hinauf in den zweiten Stock, wo die Zimmer der jüngeren Kinder liegen. Jeder der acht Schlafräume verfügt über zwei Betten und ein eigenes Bad. Ein Einschnitt an der Nordseite bildet einen weiteren Lichthof aus. Im obersten Geschoss befinden sich die Zimmer der Jugendlichen. Sie sind bewusst am weitesten weg von den Gemeinschaftsräumen untergebracht, um ihren Bewohnern mehr Privatsphäre zu bieten. Der Grundriss des dritten Stockwerks entspricht dem darunterliegenden.

Die innere Gestaltung des Wohnheims ist schlicht und setzt auf die Wirkung der verwendeten Materialien. Ebenso wie die Fassaden sind die Wände im Inneren weiß verputzt. In den Wohnräumen wurde heller Parkettboden verlegt. Einzelne farbintensive Akzente setzen Einbaumöbel wie Schränke oder Bücherregale und bunte Fliesen.

Fliesen
Die in einer portugiesischen Manufaktur gefertigten Terrakottafliesen sind strukturgebendes und gestalterisches Element der Casa Acreditar Porto. Sie finden sich an den Wänden der Patios als mintfarbene, glasierte Variante im Format 14 x 14 cm sowie in den Bädern, dem Treppenhaus und der Küche. Im Außenraum öffnen sie den introvertierten Bau optisch und sind zugleich Verweis auf die traditionellen, bunten Azulejos, die wichtiger Bestandteil der portugiesischen Kultur sind. Der Farbton ist eine Sonderanfertigung eigens für dieses Projekt.

Im Inneren bereichern sie die reduzierte Farbpalette der Räume um ein paar kräftige Akzente. An den Wänden der Bäder finden sie sich u.a. in Türkis, Apfelgrün und Signalrot in gleicher Ausführung wie an der Fassade. Aufgrund der Handfertigung changieren die einzelnen Fliesen in der Farbgebung und weisen zudem leichte Unregelmäßigkeiten auf, was dem Fliesenbild Lebendigkeit verleiht.

Auf den Böden der Nassräume sind hingegen unglasierte, graue Fliesen verlegt worden, die zwar auch quadratisch, allerdings deutlich größer als die Wandfliesen sind. Dieser Bodenbelag findet sich in einem dunkleren Grauton auch im Treppenhaus sowie als weiß glasierte Variante in der Gemeinschaftsküche.

Bautafel

Architekten: atelier do cardoso, Lissabon
Projektbeteiligte:
Enes.Coord, Porto (Bauleitung); Casais, Braga (Generaluntenehmer); Dimscale, Ribatejo (Kostenkalkulation); Exactusensu, Porto (Sicherheit); New Terracotta, Marmeleira  (Fliesen)
Bauherr: Acreditar - Associação de Pais e Amigos de Crianças com Cancro, Lissabon
Standort: Rua do Académico Futebol Club 364, Porto
Fertigstellung: 2016
Bildnachweis: João Morgado - Architecture Photography, Lissabon

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