Pastiche

Imitation, Kopie, Remix, Sampling, Zitat

Der Begriff stammt aus der Kunst-, Musik-, Literatur- und Baugeschichte etwa ab dem 17. Jahrhundert. Etymologisch geht er auf lateinische Wortstämme wie pasta und pasticium sowie das italienische pasticcio zurück. Daraus entwickelte sich das heutige französische pastiche, das ursprünglich eine gemischte Pastetenfüllung bezeichnete. Damit verweist die Vokabel auf Techniken des Mischens, Verbindens und Verknüpfens von einzelnen Teilen wie bei Collage, Assemblage, Remix, Merging, Sampling, Potpourri oder Medley. Seit 2021 findet sich der Begriff im inzwischen weiter aktualisierten Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz) unter § 51a Karikatur, Parodie und Pastiche

Ein weiteres beliebtes Pastiche-Bauteil sind die Türme mittelalterlicher und pseudomittelalterlicher Burgen.
Auch in der Kunstgeschichte finden sich diese Verfahren der Aneignung und Transformation. Im Bild: Ein Pastiche-Gemälde à la Goya

Definition  

In Architektur und Design entstehen Pastiches, wenn Elemente, Gestaltungs- und Konstruktionsprinzipien oder Ideen verschiedener Kunst- und Architekturschaffender aus anderen zeitlichen und kulturellen Epochen oder räumlichen Kontexten zur Schaffung eines neuen Werks zusammengefügt werden. Konzeptbedingt wurde daher besonders im eklektizistischen Historismus und der Postmoderne mit Pastiche gearbeitet, ebenso in allen Neo-Epochen wie Neo-Barock, Neo-Gotik und Neo-Klassizismus.    

Beispiele in Architektur und bildender Kunst  

Heutige Beispiele für Pastiche sind die Casino-Architekturen in Las Vegas und Macao, in denen ikonische Bauwerke und Stilelemente – von venezianischen Palastfassaden über den Eiffelturm bis hin zu altägyptischen oder antiken römischen Motiven wie den Pyramiden oder dem Kolosseum – in neuen, oft spektakulären Kontexten zusammengemischt werden. Ein weiteres beliebtes Pastiche-Bauteil sind die Türme mittelalterlicher und pseudomittelalterlicher Burgen von den Ruinen am Rhein wie Drachenfels, Rheinfels, Ehrenfels oder Schlösser wie Drachenburg und Neuschwanstein.  

Auch in der Kunstgeschichte finden sich diese Verfahren der Aneignung und Transformation, und zwar häufig hinsichtlich der Werke berühmter Künstler*innen. Beispielsweise zeigt das heute im Metropolitan Museum of Art hängende Gemälde „A City on a Rock/Eine Stadt auf einem Felsen" ein Pastiche als gemalte Collage mit Versatzstücken aus Gemälden von Francisco de Goya (1746-1828). Die nächtliche Stimmung zitiert dessen albtraumhafte Visionen, die geflügelten Figuren stammen aus seiner Druckserie „Disparates“ und die Landschaft aus seinen sogenannten „Pinturas negras“ (Schwarzen Gemälden). Das Gemälde ist jedoch kein Werk Goyas, sondern à la Goya.

KI-Generierung  

Im gegenwärtigen Diskurs werden auch KI-unterstützte Inhalte häufig als Formen des Pastiche interpretiert, da sie auf umfangreichen, digital zugänglichen Datensätzen basieren, aus denen die KI neue Bildkompositionen generiert.  

Bewertung

Die Bewertung eines Pastiche hängt wesentlich von Zuschreibungen wie Originalität und Authentizität ab. Während Begriffe wie Imitation, Kopie oder Fake negative Bedeutungen haben, verweisen Hommage, Inspiration oder Zitat auf eine produktive und wertschätzende Auseinandersetzung. -sj

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