Paris Haussmann – A Model´s Relevance

Paris Haussmann – A Model´s Relevance

Benoît Jallon, Umberto Napolitano, Franck Bouttée (Hrsg.)

Park Books, Zürich 2023
264 Seiten, gebunden, Format 25 x 30 cm, 143 farbige und 345 s/w-Abbildungen
Text in englischer und französischer Sprache

Preis: 48 EUR

ISBN 978-3-03860-219-4

Baron Georges-Eugène Haussmann ist eine Legende weit über Paris und Themen wie Stadtplanung, Architektur, Typologisierung großstädischen Wohnens und sogar Fensterbau hinaus. Im Gegensatz zu Paris Hilton ist Paris zwar nicht sein Vorname, doch er hätte ihn – wie der Buchttitel suggeriert – zweifelsohne verdient. Haussmann machte das Paris, das aus dem Civitas Parisiorum der Römer entstand, zu dem Paris, eine der heutigen Welthauptstädte.

Das vorliegende Buch Paris Haussmann – A Model´s Relevance ist ein aktualisiertes Reprint von 2017. Es basiert auf einer Haussmann gewidmeten Ausstellung im Pavillon de L'Arsenal, dem Pariser Zentrum für Architektur und Städtebau.

Haussmann ist ein historisches Phänomen, das hinsichtlich der Machtfülle und deren konsequenter Umsetzung selbst mit allmächtiger stalinistischer Stadtplanung nicht vergleichbar ist. Trotz seiner Nähe zum französischen Kaiser Napoleon III war er zwar weder so etwas wie König von Paris noch irgendwie vergleichbar mit den architektonischen und künstlerischen Günstlingen beispielsweise der Medici in Florenz. Auch Vergleiche mit Stadtneuplanungen wie Brasilia oder Chandigarh hinken, denn Haussmann transformierte eine zuvor natürlich gewachsene Metropole.

Die Auflistung seiner Grands Travaux, der großen Arbeiten, in den 17 Jahren zwischen 1853 und 1870 erschlägt bereits durch die schiere Masse. Dazu zählen 175 km neu angelegte Straßen mit 600 km Abwasserkanälen, 40.000 Neubauten und vieles mehr bis zu Muster-Katalogen mit vorgeschriebenen Fenstertypen, Eingangsportalen, Fassadenschmuck, Brüstungsgittern, Straßenlaternen, Kiosken, Bänken und öffentlichen Trinkbrunnen. Das Buch spiegelt diese Fülle mit Lage- und Übersichtsplänen, Grundrissen, Fassadenabwicklungen, Axonometrien, Schnitten, Fotografien, Schemata, Diagrammen und Vergleichen mit anderen Städten wie New York, Rio de Janeiro und Berlin. Die Gliederung in drei Teile erfolgt nicht nach biografischen, sondern sehr systematisch nach analytischen Kriterien:

  • Teil 1: Haussmann A Model's Relevance mit Begriffen wie Typologie, Methodik, Flexibilität sowie „Urban Imageability“
  • Teil 2: Typological and Morphological Analysis mit Klassifizierungen urbaner Netzwerke, der Blöcke, der Gebäude und der Ornamente
  • Teil 3: Efficiency Analysis beispielsweise des Grids, der Morphologie der Blöcke und deren Qualitäten hinsichtlich Geometrie, Höhe und ähnlichen Faktoren
In Haussmanns eigenen Worten: „Ne suis-je pas obligé sans cesse de rappeler la vérité, au sujet des voies magistrales que j’ai fait ouvrir à travers cette cité désormais sans rivale dans l’Univers et des autres grands travaux qui l’ont si prodigieusement embellie et dont on me décerne l’honneur, parce que j’ai su, malgré toutes les oppositions, en dépit de toutes les jalousies – que dis-je ? –, de tant de trahisons intimes, en mener à fin la très majeure partie. Mon devoir est cependant de rappeler que la pensée première de cette entreprise sans exemple revient à l’Empereur Napoléon III, qui m’avait fait venir de Bordeaux à Paris, précisément pour se servir de moi comme d’un agent sûr, éprouvé ; comme d’un instrument d’exécution convaincu, dévoué sans réserve, pour la réalisation de ses grands desseins.

Ins Deutsche übersetzt:
Werde ich mich nicht für immer verpflichtet fühlen, an die Wahrheit zu erinnern hinsichtlich der Boulevards, die ich in dieser Stadt gebaut habe und die von jetzt an in unserem gesamten Universum ihresgleichen sucht? Sowie hinsichtlich der anderen großen Werke, die sie so wunderbar verschönert haben und für die mir die Ehre erwiesen wird? Denn die meisten konnte ich trotz aller Widerstände und Neid – was sage ich?  und so viel schmählichen Verrats fertigstellen. Nichtsdestotrotz muss ich daran erinnern, dass der erste Gedanke zu dieser beispiellosen Initiative von Kaiser Napoleon III. kam, der mich von Bordeaux nach Paris kommen ließ, um mich als zuverlässigen, bewährten Agenten einzusetzen; als überzeugtes Ausführungsinstrument, das sich vorbehaltlos der Verwirklichung seiner großen Pläne widmete.“ -sj

Fachwissen zum Thema

Mit der Bezeichnung Französisches Fenster wird präzise ausgedrückt ein Fenêtre Haussmannienne bezeichnet, also ein Fenstertyp, den Baron Georges-Eugène Haussmann Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris einführte und geradezu massenhaft einbauen ließ (im Bild: Französische Fenster als Drillinge mit schmaler Balkon-Variante).

Mit der Bezeichnung Französisches Fenster wird präzise ausgedrückt ein Fenêtre Haussmannienne bezeichnet, also ein Fenstertyp, den Baron Georges-Eugène Haussmann Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris einführte und geradezu massenhaft einbauen ließ (im Bild: Französische Fenster als Drillinge mit schmaler Balkon-Variante).

Fensterarten

Französisches Fenster

Bei einem stehenden Fenster ist die Fensterhöhe ein Vielfaches der Fensterbreite, während bei einem liegenden Fenster die Fensterbreite um ein Vielfaches größer ist als die Fensterhöhe (im Bild: stehendes Fenster in einer Metallhaut).

Bei einem stehenden Fenster ist die Fensterhöhe ein Vielfaches der Fensterbreite, während bei einem liegenden Fenster die Fensterbreite um ein Vielfaches größer ist als die Fensterhöhe (im Bild: stehendes Fenster in einer Metallhaut).

Fensterarten

Stehende und liegende Fenster

Detailausschnitt einer Konstruktionstafel von 1832 mit Wolfsrachen-Fenster

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Konstruktion/​Funktion

Wolfsrachen

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