Parc des Loges Kinder- und Sportzentrum in Evry-Courcouronnes

Gestampft und begrünt

Die Gemeinde Evry-Courcouronnes liegt südlich von Paris im Seine-Tal und ist eine von fünf Satellitenstädten, die in den 1960er-Jahren auf Initiative von Charles de Gaulle entstanden. Auf einer kleinen Anhöhe lädt seit 1975 der Parc des Loges zum Spazierengehen und Picknicken. Am nordöstlichen Rand des Parks ergänzt nun seit 2025 ein Kinder- und Sportzentrum aus der Feder des Pariser Architekturbüros HEMAA diese Freizeitlandschaft. 

Die Planenden entwickelten eine neue Topographie, indem sie die geforderten Parkplätze in der Tiefgarage unterbrachten.
An der Straßenecke öffnet sich das neue kommunale Zentrum mit seiner konkaven Dachform für die jungen Besucher:innen.
Die neu hinzugefügte Topographie erhebt sich sanft über das Straßenniveau.

HEMAAA kreierten eine neue Topographie, indem sie die geforderte umfangreiche Anzahl an Parkplätzen in einer Tiefgarage unterbrachten. Darüber erhebt sich eine abwechslungsreiche Gebäudelandschaft: Die Planenden teilten das umfangreiche Raumprogramm auf fünf verschiedene Volumen auf, die entlang der Grenze des Eckgrundstücks platziert sind. Vier Hauptgebäude säumen die Straßen im Norden und Osten und beherbergen Kindergarten, Grundschule, Kindertagesstätte und Cafeteria. Der fünfte Baukörper ist eine neue Tribüne, die zum angrenzenden Sportplatz orientiert ist und 300 Zuschauer*innen Platz bietet. Verglaste Durchgänge verbinden die eigenständigen Volumen miteinander. So schafft das Ensemble einen geschützten Hof, der als begrünter Spielplatz dient. Wege führen durch diese geschützte Landschaft mit neu gepflanzten Eichen, Eschen, Ahornbäumen und Ulmen. Die Gestaltung folgt der Philosophie von Waldkindergärten, indem sie spielerisches Lernen mit der natürlichen Umwelt verbinden will.

Tragender Stampflehm

HEMAA setzte auf lokale und natürliche Materialien, um das Gebäude konstruktiv und im Erscheinungsbild in die Parklandschaft einzufügen. Dementsprechend dominiert Stampflehm das Fassadenbild. Die 50 Zentimeter dicken Wände wurden vor Ort aus Lehm gestampft, der für den Bau der Grand Paris Metro ausgehoben wurde. Insgesamt tragen rund 665 Kubikmeter lokale Erde die Lasten auf Streifenfundamente aus Beton ab. An den Ecken verstärken Kalksteine die Konstruktion. Filigran ausgeführte Dachüberstände schützen den Stampflehm vor Erosion. Hanfwolle isoliert die Wände im Inneren, um die natürliche Atmungsaktivität des Materials beizubehalten. Der Innenausbau besteht vornehmlich aus Holz und Glas, was eine warme und offene Atmosphäre erzeugt.

 

Begrünte konkave Gründächer

Die konkaven Dächer sollen die Baukörper weniger massiv erscheinen lassen und formen in Richtung des Haupteingangs eine einladende Geste. Die Ausrichtung des Gebäudes und die großzügigen Fensterfronten fangen im Winter die niedrig stehende Sonne ein und fördern im Sommer eine natürliche Belüftung. Große, runde Oberlichter lassen zusätzliches Tageslicht in die Innenräume, während verstellbare Sonnenschutzvorrichtungen und die Dachüberstände Schatten spenden. 

 

Die konkave Dachform unterstützt außerdem das Regenwassermanagement: Mittig sammeln Rinnen das anfallende Regenwasser. Die Dächer sind begrünt: Auf einer rund zwanzig Zentimeter dicken Substratschicht wachsen Pflanzen. HEMAA beziffert die Baukosten auf rund 11 Millionen Euro. -hs

Bautafel

Architektur: HEMAA, Paris
Projektbeteiligte: ANA Ingénierie (Tragwerksplanung und Kalkulation); BETerre (Fachplanung Stampflehm); Wald (Landschaftsplanung und Biodiversität); JDM Ingénierie (Projektkoordination); Terre et Pierre (Erdarbeiten und Tiefbau); Donato (Tragwerksarbeiten und Stampflehmbau); Cunin (Holzbau; Sarmates (Dachdeckung und Abdichtung); Diter (Außenschreinerei und Fensterläden); Environnement Services (Metallbau); Froid 77 (Küchenwände und Küchenausstattung); Bathelec (Verputz und Decken); Pescia Menuisierie et Bâtiment (Innenausbau); Sertac (Boden- und Wandbeläge); Les Peintures Parisiennes (Malerarbeiten und Wandverkleidungen); LGC / Be Marolle (Sanitär, Heizung und Lüftung); Tardy (Elektrik (Hoch- und Schwachstrom)); Idverde (Landschaftsgestaltung)
Bauherrschaft: Kommune Evry-Courcouronnes
Standort: Evry-Courcouronnes (Großraum Paris), Frankreich
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: Charles Bouchaïb, Sergio Grazia (Fotos); HEMAA (Pläne)

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