Panoramafenster
Typologie, Beispiele, Ursprünge
Ein Panoramafenster ist ein für einen weiten Ausblick geschaffenes Fenster. Üblicherweise ist es ein liegendes Format, weil es den Horizont geometrisch nachzeichnet, oder aber ein aus mehreren stehenden Formaten zusammengesetztes horizontales Band. Im Sinne eines möglichst ungestörten Aus- und Überblicks sind Panoramafenster häufig bodentief mit in den Ansichtsflächen sehr schmalen Fensterprofilen, die dann als Schwerter die konstruktive Aussteifung und Lastabtragung übernehmen.
Beispiele
Je nach topographischer Situation, exponierter Lage und daraus resultierenden Witterungsbedingungen, aber auch hinsichtlich des Gewichts großer bis übergroßer Glasscheiben und tragwerkstechnischen Anforderungen sind Panoramafenster überwiegend festverglast. In Kombination mit Balkonen, Dachterrassen und Brüstungen bieten sich Öffnungstechniken mit Schiebe-, Dreh- und Kippflügeln oder Fenstertüren an. Ein Beispiel für ein derartiges Zusammenspiel von Panoramafenstern, Glaswänden, Fenstertüren und Dachterrassen ist die Hamburger Elbphilharmonie, von der Besucher*innen nicht nur während der Konzertpausen einen weiten Blick über Hamburg und den Hamburger Hafen haben (Architektur: Herzog & de Meuron 2001-2016).
Eine erhöhte Perspektive, insbesondere aus Dachgeschossen, Türmen und Aussichtspunkten, erweitert den Sichtradius zusätzlich in der vertikalen Ausrichtung zu einem meist als grandios wahrgenommenen Bild. Ein Panoramafenster kann jedoch ebenso ebenerdig angeordnet sein, wenn es einen Blick aus einem Innenraum als größtmögliche Verknüpfung von innen und außen gewährleisten soll. Ein Beispiel für diese spezielle Art von Panoramafenstern sind die großformatigen Glaswände beim Farnsworth House von Ludwig Mies van der Rohe (Plano, Illinois/USA, 1945-1951), die in vielen anderen Architekturen zitiert und adaptiert werden.
Ursprünge
Der Begriff Panorama wird heute in zahlreichen Kontexten verwendet, beispielsweise im TV-Journalismus für eine Zusammenstellung von kurzen Beiträgen zu aktuellen Themen. Tatsächlich stammt der Begriff aus der bildenden Kunst des späten 18. Jahrhunderts. Der irische Maler Robert Barker (1739-1806) arbeitete an perspektivischen Stadtansichten von Edinburgh und London, die er in Rotunden zu zylindrischen 360°-Bildern zusammensetzte. Für die Beschreibung dieser Bildpräsentation suchte er um 1789 einen prägnanten und bildungsbürgerlich seriösen Begriff. Er setzte die griechischen Vokabeln pan (παν‑), all, gesamt, und hórama (ὅραμα) Anblick, Erscheinung, von horãn (ὁρᾶν), sehen, schauen, zusammen. Wörtlich übersetzt heißt ein Panorama „Gesamtanblick“. Der Begriff Panorama – ähnlich wie Diorama, Georama, Kosmorama – setzte sich durch, da er trotz seiner Herkunft als künstliches Fremdwort einfach auszusprechen ist und sich unverändert in andere Sprachen übertragen lässt.
Panoramen wurden im 19. Jahrhundert äußerst populär. Allerdings sind derartige horizontal angelegte Abbildungen von Landschaften und Städten schon wesentlich älter. Horizontal zusammengesetzte Bilder finden sich in den Triptychen von mittelalterlichen Altarbildern, in aus bemalten Paneelen zusammengesetzten Tafeln von Paravents in ostasiatischen Kulturen und in den Veduten von Malern wie Canaletto (Bernardo Bellotto, 1722-1780). Die Panoramen des 19. Jahrhunderts zeigen jedoch nicht nur Bilder, sondern ergänzen diese mit fensterartigen Rahmen, Treppen und Brüstungen, um die Illusion eines echten Ausblicks zu schaffen. Das Spektrum zur Simulation von dreidimensionaler Wirklichkeit reicht von Papier- und Pappkarton-Rahmen, die wie bei den fünf Daguerreotypien der Niagara-Fälle wie eine Kolonnadenterrasse mit Brüstungen vor dem Tal mit den Wasserfällen wirken, bis zu mehrgeschossigen Pavillons als begehbare Attraktionen.
Typologisch verwandt sind Panoramen ebenso wie Panoramafenster daher mit Schaukästen, Schaufenstern, Fensterwänden bis zu heutigen digital-immersiven Installationen. -sj
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