Oversum Vital Resort in Winterberg
Gesundheit, Freizeit und Hotel im „Ei“
Ein markanter Turmbau in Form eines überdimensionalen Zapfens, flankiert von flacheren Gebäudeeinheiten mit begrünten Dächern: Mit dem Oversum Vital Resort erhielt die Kleinstadt Winterberg im Hochsauerland ein weithin sichtbares architektonisches Wahrzeichen. Form A Architekten aus Köln realisierten in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Investor SAB ein Public-Private-Partnership-Projekt, das vielfältige Nutzungen bündelt – von Bädern und Saunalandschaften über medizinische Angebote bis hin zu Stadthalle, Tourist-Information und Vier-Sterne-Hotel.
Nutzungsmischung im Kurpark
Mitten im Kurpark entstand auf rund 17.500 Quadratmetern ein Ensemble mit einer Gebäudefläche von etwa 13.500 Quadratmetern. Es umfasst eine Halle für städtische Veranstaltungen, ein Hallenbad mit Schwimmer-, Lehrschwimm- und Außenbecken, einen Fitness- und Saunabereich mit Saunagarten, medizinische und physiotherapeutische Angebote sowie eine Arztpraxis und die Tourist-Information der Stadt. Ergänzt wird die Anlage durch ein Vier-Sterne-Hotel mit etwa 80 Zimmern, einem Konferenzbereich und Gastronomie.
Turm mit Holz-Exoskelett
Architektonisch prägend ist das Hotelgebäude selbst: Ein siebenstöckiger Baukörper in Zapfenform, der von einem diagonal gegliederten Holz-Exoskelett umhüllt wird. Die dreieckige Tragstruktur, verbunden über sichtbare Stahlknoten, legt sich wie ein geodätisches Netz um den Turm und rahmt die vorgelagerten Balkone. Zwischen Exoskelett und Innenfassade entsteht so eine loggiaartige Pufferzone, die Ausblick, sommerlichen Sonnenschutz und Windschutz zugleich bietet. Im Inneren sind die Grundrisse der Zimmer radial gegliedert. Segmentierte Panoramafenster öffnen den Blick weit in die Mittelgebirgslandschaft.
Flache Baukörper in der Landschaft
Die übrigen, flacheren Gebäudeeinheiten sind landschaftsnah konzipiert und durch begrünte Dächer in die Parklandschaft eingebettet. Weiße, geschwungene Attikabänder zeichnen die Topografie nach und führen die Gebäudeform plastisch weiter. Darüber breiten sich extensiv begrünte Dachwiesen mit Stauden und Wildblumen aus, die Technikaufbauten und Lichtkuppeln unauffällig einbinden. Segmentförmige Einschnitte und elliptische Höfe belichten die Innenräume, schaffen windgeschützte Außenterrassen und verknüpfen die Vegetation unmittelbar mit den Glasfassaden.
Wasser und Wärme im Inneren
Auch im Inneren setzen die Planenden auf klare Geometrien und eine differenzierte Materialwahl: In der Schwimmhalle gliedern zwei Rundstützen und eine halbkreisförmige Mosaik-Apsis die Wasserfläche, während tiefblaue Fliesen und Edelstahlhandläufe die Komposition schärfen. Die Saunalandschaft kombiniert rustikale Holzoberflächen mit präzise gefasten Bankanlagen, deren indirekte LED-Beleuchtung für eine zurückhaltende Atmosphäre sorgt. Besonders eindrücklich ist die Panoramasauna, die sich über eine großformatige Eckverglasung zum Kurpark öffnet.
Dachbegrünung als integrales Gestaltungs- und Ökologieelement
Eine zentrale ökologische Komponente des Projekts bildet die großflächige Dachbegrünung. Rund 4.000 Quadratmeter Gründachfläche sorgen nicht nur für eine harmonische Einbindung in den Landschaftsraum, sondern schaffen zugleich wertvolle Biotope. Die extensive bis einfache intensive Begrünung bietet Lebensraum für vielfältige Pflanzenarten und trägt zur Förderung der städtischen Biodiversität bei. Die blühenden Stauden, Sedum-Arten und Kräuter setzen darüber hinaus ästhetische Akzente.
Aufbau des Gründachs
Technisch erfordert ein Gründach eine komplexe Schichtung, die die Funktionen eines gewachsenen Bodens auf wenige Zentimeter reduziert. Den Anfang bildet eine wurzelfeste Abdichtung, etwa aus PVC oder EPDM, gegebenenfalls ergänzt durch eine geprüfte Wurzelschutzfolie. Dadurch können Schäden am Dach durch ein- oder durchdringende Pflanzenwurzeln dauerhaft verhindert werden. Darüber liegt eine Schutzlage aus Vlies oder Gummigranulat, die die Abdichtung vor Beschädigungen schützt.
Eine Dränage- oder Sickerschicht leitet überschüssiges Regenwasser zuverlässig ab und verhindert Staunässe; hierfür werden sowohl mineralische Schüttgüter wie Lava als auch speziell entwickelte Kunststoffe eingesetzt. Ein Filtervlies trennt diese Schicht von der darüber liegenden Vegetationstragschicht und verhindert das Einschlämmen von Feinanteilen. Diese Vegetationstragschicht besteht aus einem Substrat, das gemäß FLL-Dachbegrünungsrichtlinie für die Mehrschichtbauweise entwickelt wurde. Den Abschluss bildet die Pflanzschicht, die in der Anlage Oversum aus pflegeleichten, klimaangepassten Arten besteht.
Bautafel
Architektur: form A Architekten, Köln
Projektbeteiligte: Prechler Landschaftsarchitektur (Landschaftsarchitektur); Optigrün (Dachbegrünung); Pellikann Bau (Generalbauunternehmer)
Bauherr/in: SAB AG, Friedrichshafen
Fertigstellung: 2012
Standort: Am Kurpark 6, 59955 Winterberg
Bildnachweis: Optigrün international; Mariela Apollonio; Oversum Vital Resort in Winterberg
Fachwissen zum Thema
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