Ökobilanz
Datengrundlage für die ökologische Bewertung eines Bauwerks
Objektbezogene Ökobilanzen im Baubereich werden auch als Lebenszyklusanalysen von Gebäuden bezeichnet (engl. auch LCA – Life Cycle Assessment). Die Ökobilanz liefert eine systematische und standardisierte Datengrundlage, um aus Deklarationen einzelner Bauprodukte die ökologische Bewertung eines Bauwerks zu erstellen. In einer Lebenszyklusanalyse werden die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes – in der Regel wird ein Betrachtungszeitraum von etwa 50 Jahren definiert–, die Bau- und Nutzungsphase mit möglichen Umnutzungen sowie der Abriss und die Entsorgung berücksichtigt.
Auch der Beitrag der Bauprodukte zur Energieeffizienz oder zu weiteren Aspekten der nachhaltigen Bewirtschaftung eines Gebäudes kann in begrenztem Rahmen dargestellt werden. Als Grundlage stehen Online-Datenbanken des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) zur Verfügung, etwa die Ökobaudat. Diese ist EN 15804- sowie BNB-konform und bietet Ökobilanz-Datensätze zu Baumaterialien, Bau-, Transport-, Energie- und Entsorgungsprozessen. Die enthaltenen Umweltproduktdeklarationen (EPD) basieren auf marktüblichen Bauprodukten, spezifische EPD-Daten können beauftragt werden.
Hintergrund für die Ökobilanzierung ist die Schonung bzw. die effiziente Nutzung materieller Ressourcen, die Verringerung der Umweltbelastung durch Emissionen und die Minimierung von Abfällen. Aus diesem Grund werden alle Baustoffe und Bauteile hier zunächst neutral bewertet und situativ eingeordnet, sprich: Die grundlegende Ausgangssituation sollte möglichst vergleichbar sein, um eine authentische Einschätzung zu ermöglichen, die als Entscheidungsgrundlage dienen kann. Bei der Ökobilanzierung von Baustoffen und -teilen werden hierzu Szenarien festgelegt, die einen direkten Vergleich ermöglichen. Wie man dabei vorgeht, steht in der DIN EN 15978:2026-09 Nachhaltigkeit von Bauwerken - Bewertung der Umweltqualität von Gebäuden - Methodik.
Produktbezogene Ökobilanzen sollten folgende Aspekte berücksichtigen:
- Entnahme und Vorhaltung der Rohstoffe
- Herstellung und Verarbeitung der Rohstoffe
- Transport und Einbau
- Nutzung, Wartung und Austausch
- Rückbau
- Recyklierung und Wiederverwendung
- Abfallverwertung
Wichtig für die Vergleichbarkeit der Datensätze ist die Verwendung von ähnlichen Methoden zur Erstellung. Die Aufstellung von Ökobilanzen ist in Deutschland durch die beiden Normen DIN EN ISO 14040: Umweltmanagement – Ökobilanz – Grundsätze und Rahmenbedingungen (ISO 14040:2021-02) und DIN EN ISO 14044: Umweltmanagement – Ökobilanz – Anforderungen und Anleitungen (ISO 14044:2021-02 + Amd 2:2020) geregelt. Für Bauprodukt-EPDs ist außerdem die DIN EN 15804:2022-03 Nachhaltigkeit von Bauwerken – Umweltproduktdeklarationen – Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte relevant; für Gebäude DIN EN 15978:2026-09 Nachhaltigkeit von Bauwerken – Bewertung der Umweltqualität von Gebäuden.
Die Erstellung von Umweltproduktdeklarationen von Bauprodukten wird in Deutschland vom Institut Bauen und Umwelt zusammen mit Behörden und internationalen Normierungsprozessen entwickelt. Für einige Produktgruppen ist sie bereits verfügbar. Eine europäisch harmonisierte Norm ist in Arbeit.
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