Obsoleszenz
Bedeutung, Arten, Beispiele und Regelwerk
Debatten über die Finanzierbarkeit von Nachhaltigkeit, ökologischer Verantwortung und Verbraucherschutz sowie der Bedeutung von Lebenszyklusanalysen und der Lebensdauer von Bauteilen führen oft zum Thema Obsoleszenz. Im Bauwesen ist der Begriff relevant bei Investitionen in Immobilien und smarte Technologien.
Bedeutung
Obsoleszenz leitet sich vom lateinischen obsolescere ab – altern, Ansehen und Wert verlieren – und hat den gleichen Wortstamm wie das bekanntere Adjektiv obsolet, das etwas als antiquiert, altmodisch oder als aus der Zeit gefallen beschreibt. Der Begriff wurde im 19. Jahrhundert während der Industriellen Revolution geprägt. Damals erkannte man, dass Maschinen ähnlich altern wie Menschen: Verlust von Leistung und Funktion durch Verschleiß, Materialermüdung und Unbrauchbarwerden. Anders als die langlebigen Werkzeuge mittelalterlicher Zunfthandwerker führte der rasante Fortschritt mit vielen Erfindungen und Entwicklungen dazu, dass Maschinen nun Teil eines Verbrauchsprozesses mit begrenzten Produktionszyklen wurden. Ließen sie sich nicht mehr reparieren und an neue Anforderungen anpassen, wurden sie als sprichwörtliches „altes Eisen“ ausrangiert.
Arten und Aspekte
Heute wird Obsoleszenz in einem um zahlreiche Elemente wie
Bauteile, Komponenten sowie Verfahren und Anwendungen erweiterten
Sinn diskutiert. Unterschieden wird:
- technische und technologische
- funktionale
- materielle, werkstoffliche
- digitale
- ökonomische
- ästhetische, stilistische, kulturelle
- sowie geplante Obsoleszenz
Beispiele
Fensterrahmen aus Holz können so stark zersplittert sein, dass sie sich nicht mehr leimen oder anderweitig reparieren lassen. Haustüren mit einst modischen Farben, Mustern und Griffen gelten irgendwann als altmodisch und werden durch zeitgemäße Modelle ersetzt, obwohl sie noch vollkommen funktionsfähig sind. Digitale Steuerungen für Oberlichter fallen aus, wenn Software-Updates ausbleiben. Ersatzteile fehlen, und Handwerker sind mit der alten Technik nicht vertraut. Prinzipiell wären Reparaturen möglich, doch die Kosten übersteigen oft den Zeitwert oder sogar den Neupreis eines möglicherweise besseren Produkts. Auch bauphysikalische Gründe wie bessere Wärmedämmung führen zum Austausch von Bauteilen, um Heizkosten zu sparen. Solche Beispiele ließen sich endlos fortsetzen. Die durch die verschiedenen Arten der Obsoleszenz unbrauchbaren und folglich aussortierten Elemente werden zu Abfall, der neue Probleme schafft.
Normen und Richtlinien
Die internationale Norm IEC 62402: 2019 – Obsolescence Management definiert Standards, Anforderungen und Vorschriften für den gesamten elektrotechnischen Bereich einschließlich Produkten, Prozessen und Techniken (International Electrotechnical Commission = IEC)
Geplante Obsolenz als Marketingstrategie einiger Branchen bzw. Hersteller geriet in die Kritik. Ihnen wurde vorgeworfen, mittels vorsätzlich erzeugten Ablauf-, Verfalls- und Haltbarkeitsdaten Produkte gezielt zu beeinträchtigen und sogar zu schädigen. Die daraus resultierende zwangsläufige Neuanschaffung sollte Absatz und Konsum steigern. Der Begriff der Wegwerfgesellschaft ist eng damit verbunden, ebenso wie Verbraucherschutzmaßnahmen mit Regelungen zu Gewährleistungen und Produktgarantien.
2024 verabschiedete das Europäische Parlament eine „Richtlinie zur Stärkung von Verbraucherrechten im ökologischen Wandel“ (Quelle: https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/TA-9-2023-0201_DE.pdf). Das Bundesjustizministerium arbeitet derzeit an der Umsetzung ins deutsche Recht. -sj
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