Oberstufengebäude der Beacon School in São Paulo
Perforierte Metallhaut als Sonnenschutz
In São Paulo haben Andrade Morettin Arquitetos und GOAA das bestehende Ensemble der Beacon School um ein sechsgeschossiges Oberstufengebäude erweitert. Mit seiner Fassade aus perforierten Metallpaneelen knüpft der Neubau gestalterisch an das industrielle Erbe des Standorts an. Die silbrige Gebäudehülle übernimmt aber auch eine funktionale Rolle: Sie ermöglicht eine natürliche Belichtung und Belüftung der Unterrichtsräume und bietet zugleich Schutz vor übermäßiger Sonneneinstrahlung.
Neubau auf ehemaligem Industriegelände
Der Schulcampus liegt im Stadtteil Vila Leopoldina im Westen von São Paulo auf einem ehemaligen Industrieareal. Im Rahmen eines seit 2016 entwickelten Masterplans wurden die bestehenden Hallen für die schulische Nutzung durch verschiedene Altersstufen umgebaut. Das Oberstufengebäude ist der einzige Neubau und befindet sich am südlichen Zipfel des Grundstücks, an der Kreuzung von Rua Mofarrej und Rua Mergenthaler. Hier markiert er den Eingang zum Schulgelände.
Gestapelte Volumen und offene Zwischenräume
Das Oberstufengebäude setzt sich aus zwei übereinandergestapelten Baukörpern mit unterschiedlichen Grundrissgeometrien und Nutzungen zusammen. Das durchlässige Erdgeschoss verbindet Eingangszone, Foyer und Pausenraum miteinander und geht nahtlos in den mit Bäumen bepflanzten Gartenhof über, der weitere Aufenthaltsmöglichkeiten bietet. Auf den Betonstützen lagert ein zweigeschossiger, trapezförmiger Baukörper mit den Klassenräumen.
Das dritte Obergeschoss ist ähnlich dem Erdgeschoss als offener Gemeinschaftsraum gestaltet. Eine verglaste, zurückversetzte Raumbox nimmt Cafeteria und Kiosk auf. Dazu erweitert eine umlaufende Terrasse die Aufenthaltsbereiche ins Freie und ermöglicht Begegnungen sowie Unterricht im Außenraum. Das vierte und fünfte Obergeschoss sind in einem rechteckigen Baukörper zusammengefasst. Hier befinden sich ein Auditorium, eine Bibliothek und fachbezogene Bereiche, darunter Laborräume und Räume für den Kunstunterricht. Auf dem Flachdach befindet sich ein Multifunktionssportfeld.
Vertikale Erschließung und Anbindung an den Bestand
Ein zentraler, rot gefasster Erschließungskern mit Treppen, Aufzügen und Sanitärräumen verbindet die sechs Geschosse. Ein zusätzliches Fluchttreppenhaus führt vom Sportfeld auf dem Dach bis zur Terrasse im dritten Obergeschoss. Dem Erdgeschoss vorgelagert ist ein offener Außenbereich mit Faltdach. Hier ist das Oberstufengebäude mit der überdachten Haupterschließungsachse des Schulgeländes verbunden, die von Westen nach Osten an den verschiedenen Gebäudeteilen vorbeiführt.
Perforierte Fassade als Sonnenschutzfilter
Das Skeletttragwerk mit Stahlbetonstützen und -trägern ist in den Innenräumen größtenteils sichtbar geblieben. Damit knüpft die Architektur an die industrielle Prägung des Standorts an. Die in das Stützenraster eingesetzte Außenhaut variiert je nach Nutzung: Wände mit großzügigen Fenstern, bodentiefe Verglasungen oder sogar Geländer und offene Netze. Vorgelagert ist jeweils eine geschosshohe Fassadenebene aus perforierten Metallpaneelen. Die vertikal gegliederten Elemente verleihen dem Gebäude eine einheitliche, technisch anmutende Erscheinung.
Als feststehender Sonnenschutz filtert die durchlässige Metallhaut die direkte Sonneneinstrahlung und trägt zum Blendschutz an den Arbeitsplätzen bei. Außerdem sorgt sie dafür, dass über die dahinterliegenden Verglasungen weniger solare Energie eingetragen wird. Die Perforation lässt diffuses Tageslicht in die Innenräume dringen und erlaubt eine natürliche Belüftung, ohne auf Verschattung verzichten zu müssen.
Stellenweise treten die Metallelemente als schmale Paneele aus der Fassadenebene hervor. In unterschiedlichen Winkeln angeordnet, berücksichtigt ihre Ausrichtung die jeweiligen Lichtverhältnisse der Gebäudeseiten: Auf der Südseite soll beispielsweise das östliche Morgenlicht gezielt in die Räume gelenkt werden, während auf der Nordseite das westliche Abendlicht genutzt wird.
Im dritten Obergeschoss wird die vorgelagerte Metallhaut unterbrochen. Bodentiefe Verglasungen öffnen die Gemeinschaftsbereiche zu den angrenzenden Terrassen und ermöglichen einen großzügigen Tageslichteintrag. Bei Dunkelheit kehrt sich die Wirkung der Fassadenebene um: Die Innenbeleuchtung scheint durch die Perforationen nach außen und lässt das Gebäude transluzent in den Stadtraum wirken.
Bautafel
Architektur: Andrade Morettin Arquitetos, São Paulo, Brasilien und GOAA, São Paulo, Brasilien
Projetobeteiligte: Vinicius Andrade, Marcelo Morettin, Marcelo Maia Rosa, Renata Andrulis (Andrade Morettin Arquitetos); Guido Otero, Ricardo Gusmão (Gusmão Otero Arquitetos Associados); Daniel Zahoul, Izabel Sigaud, Ana Paula Silveira, Arthur Frensch, Maria Carolina Bomeny, Lucas Santos, Murilo Zidan, Raphael Souza, Fernanda Carlovich, Fernanda Mangini, Guilherme Torres Martins, Beatriz Dias, Cassio Peres, Clara Troia, Marina Pimenta, Rubens Torquato, Tomas Vannucchi, Victoria Afonso (Projektteam); Avila Engenharia de Estruturas (Betonbau); ITA Engenharia em Madeira (Holzbau); Gera Serviços de Engenharia (Gebäudetechnik); Willem Scheepmaker & Assoc. (Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik); Alexandre Sresnewsky Acústica e Tecnologia (Akustikplanung); Estillo Arquitetura (Küchenplanung); Arqmate (Fenster- und Fassadenbau); Apoio Assessoria e Projeto de Fundações (Gründungsplanung); LPE Engenharia (Verkehrs- und Wegeplanung); Godoy Luminotecnica (Lichtplanung); Proassp Assessoria e Projetos S/C (Bauwerksabdichtung); Ricardo Vianna (Landschaftsarchitektur und Agronomie); Barbara Engenharia (Bauunternehmen)
Bauherr*in: Beacon School Ensino Integrado
Fertigstellung: 2023
Standort: R. Mergenthaler, 1138 – Vila Leopoldina, 05311-030 São Paulo, Brasilien
Bildnachweis: Nelson Kon, Alberto Ricci (Fotos); Andrade Morettin Arquitetos und GOAA (Pläne)
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