New Wave House in London

Dachaufstockung mit umlaufendem Fensterband

Soumya Thomas und Barry McBrien vom Architekturbüro Thomas-McBrien und Ziomek Wiertelak, Gründer und Geschäftsführer des Bauunternehmens New Wave London, haben mit ihren Teams bereits mehrere anspruchsvolle Wohn- und Einzelhandelsprojekte in der britischen Hauptstadt erfolgreich umgesetzt. Als der Firmensitz des Bauunternehmens im Stadtteil Brent den Anforderungen nicht mehr genügte, suchten sie gemeinsam nach einer Lösung.

Die Aufstockung ist aus PEFC-zertifizierten Douglasien-Brettschichtholz mit umlaufendem Fensterband ausgeführt.
Die Fenstergröße ergab sich aus der Tragstruktur; die Fensterprofile wurden aus Resten des Brettschichtholzes direkt vor Ort gefertigt.
Dank des geringen Gewichts der Aufstockung war keine statische Ertüchtigung des Bestandsgebäudes erforderlich.

Das Gebäude sollte den Arbeitsprozessen entsprechend Büros, Werkstätten für Holz- und Metallverarbeitung, abtrennbare Kabinen für Sprayarbeiten sowie Lagerflächen für Materialien und Werkzeuge vereinen. Ein Umzug oder Abriss mit Neubau kam nicht infrage. Stattdessen entschieden sich die Partner, das zweigeschossige Bestandsgebäude neu zu organisieren, flexibler zu gestalten und durch eine Dachaufstockung zusätzlichen Raum zu schaffen.

Zwei Kriterien standen bei der Planung im Vordergrund: nachhaltiger Ressourceneinsatz und ein kostengünstiger Low-Tech-Ansatz. Diese Prinzipien ziehen sich als roter Faden durch das gesamte Projekt – ohne Abstriche bei Detaillierung und Gestaltung.

Leichtbaupavillon

Die Dachaufstockung ist ein orthogonaler Leichtbaupavillon aus Glulam (Glued Laminated Timber = Brettschichtholz aus PEFC-zertifizierter Douglasie) mit teils raumhohen Fenstern als umlaufendes Fensterband. Dank seines geringen Gewichts ist der Lastabtrag über das Bestandsgebäude problemlos möglich. Zudem ist Douglasienholz ein nachwachsender Rohstoff mit geringem Wartungsaufwand und guten CO₂-Werten. Der Pavillon ist demontierbar konstruiert, die Materialien lassen sich später recyceln.

Die bis zu 13 Meter langen Glulam-Elemente wurden in der Holzwerkstatt vor Ort präzise zu Trägern, Balken, Stützen und Riegeln verarbeitet, per Kran aufs Dach gehoben und zu einem kastenförmigen Skelett montiert. Für die Ausfachung und Wärmedämmung kamen Dämmpaneele des alten Dachs sowie Holzwolleplatten zum Einsatz.

Fenster, Türen und Einbauten aus Restmaterialien

Aus den Resten des Brettschichtholzes wurden vor Ort die Fensterprofile gefertigt. Die Geometrie der raumhohen Glasflächen resultiert aus den Feldern des Skeletts. Die großflächigen Verglasungen sorgen für lichtdurchflutete Räume. Im Sinne des Low-Tech-Prinzips sind die Fenster festverglast, während die Lüftung über einfache hölzerne Klappen im Bereich der Glulam-Stützen erfolgt.

Türen, Einbauschränke und -regale sind ebenfalls aus Holzresten gefertigt, ergänzt durch übriggebliebende Elemente aus früheren Projekten. Die Oberflächen erhielten einen hellgrau pigmentierten 2-Komponenten-Holzschutz auf Silikonbasis, der als nicht-toxisch und umweltverträglich gilt. Weitere Re-Use-Elemente sind die Sanitärkeramik, Armaturen, Leuchten, Schalter und Steckdosen, die aus anderen Umbauten gerettet, zwischengelagert und wieder eingebaut wurden.

Flächen und Nutzungen

Die Dachaufstockung erweitert die Nutzfläche des Gebäudes um knapp 600 Quadratmeter auf insgesamt rund 1.700 Quadratmeter. Neben Büros und Werkstätten entstanden neun temporär vermietbare Einheiten mit Flächen zwischen 40 und 105 Quadratmeter. Diese Räume bieten dem Bauunternehmen Wachstumspotenzial und dienen bis dahin lokalen Handwerksbetrieben und Start-ups als Mietflächen. 

Die Büros befinden sich nun im Dachgeschoss, während das Erdgeschoss neben dem Haupteingang und der Sicherheitszentrale ebenerdige Werkstätten beherbergt. Im Obergeschoss liegen weitere Werkstatträume für Detail- und Feinarbeiten, ein abgetrennter Bereich für die Spraykabinen und die vermietbaren Einheiten. Eine knapp 100 Quadratmeter große Dachterrasse mit Hochbeeten für einheimische Pflanzen sorgt für eine hohe Aufenthaltsqualität in der industriell geprägten Umgebung.

Energie und Kosten

Der Energieverbrauch wurde über einen Zeitraum von je 12 Monaten vor und nach der Erweiterung und Umorganisation gemessen. Die Auswertung übertraf die Erwartungen: Trotz der um etwa 40% vergrößerten Nutzfläche sank der Energieverbrauch pro Quadratmeter um etwa 25%.

Die Gesamtkosten des Projekts werden mit umgerechnet knapp 1,5 Millionen Euro beziffert. Einsparungen ergaben sich durch die Minimierung von Transporten, die konsequente Nutzung von Restmaterialien, die Vermeidung von Abfällen sowie die Wiederverwendung zahlreicher Bauelemente. Positiv anzumerken ist auch, dass sämtliche Bäume um das Bestandsgebäude erhalten werden konnten. -sj

Bautafel

Architektur: Thomas-McBrien Architects, London in Zusammenarbeit mit der Bauherr*in
Projektbeteiligte: LIM Engineering (Tragwerk); Montagu Evans (Beratende Ingenieure); The PES (Beratung Nachhaltigkeit); Assent Building Control (Prüfingenieure)
Bauherr*in und Bauausführung: New Wave London
Fertigstellung: 2023
Standort: 4 Humber Rd, London NW2 6DW, Vereinigtes Königreich
Bildnachweis: Ståle Eriksen, London (Fotos); Thomas-McBrien Architects (Pläne) über Salt, London 

Fachwissen zum Thema

Beim Begriff Fensterband handelt es sich um eine meist waagerechte Aneinanderreihung von Fenstern, die nur durch Rahmen, Pfosten oder schmale Blindfenster unterbrochen sind (im Bild: zeitgenössische Fensterbänder, Berlin, Gewers Pudewill, 2020).

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