Neues Leben für ein Pariser Parkhaus

Transformation mit Holzaufstockung und Doppelfassade

Wie wir mit dem baulichen Bestand umgehen, wird angesichts der Klimakrise immer dringlicher. Besonders in Städten, die auf autofreie Mobilität setzen, stellt sich die Frage: Was geschieht mit Infrastrukturen, die einst für den Autoverkehr geschaffen wurden? Im Idealfall bieten sie Raum für neue Nutzungen. Ein Beispiel dafür ist die Transformation eines Parkhauses im 11. Pariser Arrondissement: Das Atelier Téqui Architectes verwandelte den Bau aus den 1950er-Jahren in ein Wohngebäude mit hoher architektonischer und wohnlicher Qualität. 

Das Konzept sah die umfassende Sanierung sowie den Umbau des Gebäudes vor.
Außerdem wurde der Bestandsbau um eine dreigeschossige Aufstockung in Holzbauweise ergänzt.
In drei Gebäudeteilen entstanden insgesamt 63 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern.

Wohnen mit Geschichte

Das Peugeot-Parkhaus entstand 1957 nach Plänen von Claude Béraud als zweigeschossiger Bau in der Avenue Parmentier 58-60. In den 1960er-Jahren wurde es schrittweise auf fünf Geschosse aufgestockt. Im Jahr 2018 wurde ein Architekturwettbewerb ausgelobt, der sowohl den vollständigen Erhalt als auch den Abriss des Gebäudes als mögliche Optionen vorsah. Atelier Téqui überzeugte mit einem Entwurf, der auf Nachhaltigkeit und einen respektvollen Umgang mit dem Bestand setzte. Das Konzept sah eine umfassende Sanierung, den Umbau und eine dreigeschossige Aufstockung in Holzbauweise vor.

Nutzung und Ergänzung der Tragstruktur

Das Gebäude folgte dem für Garagen dieser Zeit typischen Prinzip: Halbgeschosse waren über seitliche Rampen verbunden. Das Tragwerk bestand aus Innenstützen, Haupt- und Nebenträgern sowie schlankem Betondecken. Für die Umnutzung konnte die bestehende Betontragstruktur weitgehend erhalten bleiben. Die Aufstockung wurde über Mikropfähle und zusätzliche Stützen gegründet, um die Lasten direkt in den Baugrund abzuleiten und die bestehende Konstruktion zu entlasten.

Fassade und Aufstockung 

Die straßenseitige Fassade blieb in ihrer ursprünglichen Form bestehen und wurde durch eine dahinterliegende, wärmegedämmte Ebene zur Doppelfassade ergänzt. Der Sichtbeton erhielt einen weißen Anstrich, und die Brüstungsbänder mit schlichten Schiebeelementen wurden modernisiert. Die senkrechte Lärchenholzverkleidung der Aufstockung bildet einen markanten Kontrast zur weißen Straßenansicht mit ihren typisch breiten Fensterbändern der 1960er-Jahre. 

Mehr Licht durch Rückbau

Die größte Herausforderung bestand darin, den tiefen Baukörper mit Tageslicht zu versorgen. Dies gelang durch den Rückbau der seitlichen Rampen und Teile der Decken. So entstanden großzügige Innenhöfe, die Licht, Luft und Sichtbezüge ins Gebäude bringen.

Wohnen mit Geschichte

In drei Gebäudeteilen entstanden insgesamt 63 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, darunter zwei Maisonette-Wohnungen. Einige Appartements sind durchgesteckt. Sichtbar belassene Originaltragwerke erinnern an die Geschichte des Ortes und verleihen den Räumen industriellen Charme. Eichen-Massivholzparkett sorgt für eine behagliche Atmosphäre.

Außenräume und Mikroklima

Fast alle Wohnungen verfügen über großzügige Wintergärten, Loggien oder Terrassen. Sie bieten weite Ausblicke und dienen gleichzeitig als akustisch und thermisch wirksame Pufferzone. Im Erdgeschoss ergänzen private Gärten das Raumprogramm. Begrünte Innenhöfe und Dachgärten schaffen Aufenthaltsqualität, fördern den nachbarschaftlichen Austausch, verbessern das Mikroklima und tragen zur nachhaltigen Regenwasserbewirtschaftung bei.

Doppelfassade mit Glas-Faltwänden

Die neue, zurückversetzte Primärfassade besteht aus Leichtbauwänden mit hinterlüfteter Holzwerkstoffverkleidung. Wärmegedämmte Glas-Faltwände des Systems Woodline von Solarlux öffnen die Wohnungen großflächig zu den Wintergärten. Jedes Glaselement besteht aus drei Segmenten, die sich je nach Einbausituation links oder rechts zu einem kompakten Paket nach innen zusammenfalten lassen. Insgesamt wurden 18 Elemente des Systems verbaut.

Schallschutz und maximale Offenheit

Die Glas-Faltwände bieten optimalen Schall- und Wärmeschutz und erfüllen die geforderten Lärmschutzanforderungen. Schlanke Rahmenprofile sorgen für maximale Lichtdurchlässigkeit auch in geschlossenem Zustand. Fenster und Glas-Faltwände bestehen aus Kiefernholz und harmonieren mit den Kiefernholz-Fußböden der Wintergärten. Die Innenflächen der Wintergärten und Loggien wurden mit Pappelholz verkleidet.

Bautafel

Architektur: Atelier Téqui Architectes, Paris
Projektbeteiligte: CET ingénierie (Technische Beratung); Bouygues Bâtiment Ile-de-France (Generalunternehmer); Solarlux, Melle (Hersteller: Glas-Faltwand Woodline)
Bauherr*in: Quadral Promotion, Batigère Habitat
Fertigstellung: 2025
Standort: 58 Ave Parmentier, 75011 Paris, Frankreich
Bildnachweis: Schnepp Renou, Atelier Téqui Architectes (Fotos); Atelier Téqui Architectes (Pläne)

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