Neuer Strand Neusiedler See in Breitenbrunn

Zwischen Land, Wind und Wasser

Am nordwestlichen Ufer des Neusiedler Sees in Österreich existiert seit 50 Jahren ein Naturbad. Durch einen von Studio Hoffelner Schmid Architekten aus Wien geplanten Neubau ist das zur Gemeinde Breitenbrunn gehörige Freibad samt einem kleinen Yachthafen noch einmal deutlich attraktiver geworden. Neuer Strand Neusiedler See heißt die Anlage, deren Gäste einen freien Blick über das Wasser genießen. Der schmale, langgestreckte Neubau mit Restaurant fügt sich gut in die Landschaft. Das zweigeschossige Gebäude ist dem See zugewandt und in zwei Flügel aufgeteilt, deren Spitzen abgewinkelt zum Wasser oder zum Land weisen.

Luftbild: Das schmale und langgestreckte Gebäude ist in zwei Flügel aufgeteilt.
Eine Terrasse verbindet die beiden Gebäudeflügel am kleinen Yachthafen.
Das Erdgeschoss ist als Massivbau, das Obergeschoss in Holzbauweise errichtet.

Gebäude als Rahmen und Windschutz

Zentrale Idee war es, den See an das Gebäude heranzuführen und nicht umgekehrt. Das Bauwerk schafft einen Rahmen für die eindrucksvolle Naturkulisse. Durch mehrfache Krümmung des Grundrisses und die Auflockerung des Volumens ermöglicht es vielfältige Ausblicke auf den See und das Hinterland. Eine großzügige Terrasse im Obergeschoss verbindet beide Flügel, führt von außen nach innen und zurück.

Durch die Positionierung des Gebäudes bietet es dem neu ausgegrabenen Marinabecken und der vorderen Rasenfläche Windschutz. Teile des zweigeschossigen Baukörpers sind verglast, Vorsprünge und Holzlamellen sorgen für Schatten. Das Erdgeschoss ist ein Massivbau, das Obergeschoss und die Dachkonstruktion hingegen sind aus vorgefertigten Holzelementen errichtet. Die Bauzeit ließ sich damit auf 20 Monate begrenzen.

Zertifizierung in Gold

In dezenten Braun- und Grautönen fügt sich der Gebäuderiegel harmonisch in seine Umgebung. Eine Zertifizierung der ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft) in Gold resultierte u.a. aus der Verwendung von Glasschaumschotter als Rollierung, dem Einsatz von CO₂-reduziertem Beton, einer Hülle, die zu über 50% aus Holzbauteilen besteht sowie einer Dachbegrünung. Anteil an der Auszeichnung gemäß DGNB-Kriterien haben zudem ein Gebäudebetrieb mit Wärmepumpe und hocheffizienter Wärmerückgewinnung in der Lüftungsanlage sowie die zeitgemäße Gebäudeautomation.

Aufbau Flachdach mit Begrünung

Unterseitig bildet eine Akustikdecke den inneren Abschluss, dämpft die Geräusche und sorgt für eine angenehme Akustik im Raum. Es folgt eine Akustikauflage, die zusätzlich schalldämmende Eigenschaften besitzt. Die darüberliegende Installationsebene ermöglicht die Verlegung von Leitungen und technischen Komponenten. Eine Dampfbremse schützt vor Feuchtigkeit und verhindert, dass Wasserdampfmoleküle in die Dämmung eindringen. Die Dämmung aus Steinwolle sorgt dafür, dass Temperaturverluste minimiert werden. DHF-Platten bilden eine stabile Oberlage und tragen zum Wärme- und Feuchteschutz bei. Die Unterdeckbahn schützt die darunterliegenden Schichten vor eindringender Nässe. Eine Hinterlüftung ermöglicht die Luftzirkulation, verringert Feuchte und Schimmelgefahr.

Um die Stabilität und Robustheit des Daches zu gewährleisten, wird eine Vollschalung aufgebracht. Darüber schützt eine EPDM-Folie das Dach vor Witterungseinflüssen. Die Wurzelschutzfolie verhindert das Eindringen von Wurzeln in die Deckenkonstruktion, während ein Drainagesystem überschüssiges Wasser ableitet. Auf einer Wachstumsunterlage und der Wachstumsmatte wird schließlich die Sedum-Bepflanzung realisiert, die nicht nur ästhetisch ansprechend ist, sondern auch zur Biodiversität beiträgt und das Mikroklima verbessert.

Bautafel

Architektur: Studio Hoffelner Schmid, Wien
Projektbeteiligte: Korbwurf Landschafsarchitektur, Wien (Landschaftsplaner); Destilat Design Studio, Wien (Innenarchitektur); DI Ianko Ivanov, Wien (Bauphysik); Hoyer Brandschutzplanung, Wien (Brandschutzplanung); DI Oliver Stübe, Wien (Statik); Ingenieurbüro Lakata, Wien (Haustechnikplanung); Technisches Büro Eipeldauer + Partner, Baden (Elektroplanung); B & K Ziviltechniker, Eisenstadt (Infrastrukturplanung); Werner Consult ZT, Wien (Projektsteuerung)
Bauherr/in: Esterhazy, Eisenstadt, vertreten durch Neuer Strand Betriebs Gesellschaft
Fertigstellung: 2024
Standort: 7091 Breitenbrunn am Neusiedlersee
Bildnachweis: Kurt Kuball

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