Naturpark-Informationshaus Zwiesel im Bayerischen Wald

Thermische Solaranlage und Hackschnitzelheizung

Das Informationshaus in Zwiesel ist das erste öffentliche Nullenergiehaus Europas. Durch die konsequent ökologische Bau- und Betriebsweise dient es als Vorzeigeprojekt für Verwaltungs- und Funktionsgebäude ebenso wie für Wohnhäuser. Das Projekt, das ein umfangreiches Forschungsvorhaben beinhaltet, wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert und mit dem Bayerischen Umweltpreis ausgezeichnet.

Verglaste Südfassade
Pufferspeicher
Schema des Energiekonzepts

Das Verwaltungs- und Ausstellungsgebäude mit einer Länge von ca. 40 Metern und einer Nutzfläche von rund 760 Quadratmeter wurde zusätzlich zu einem bereits bestehenden Informationspavillon in Holzbauweise errichtet. Die Baukonstruktion erfolgte in Form einer optimierten Holzrahmenbauweise mit neu entwickelten Fenstern. Als Baumaterialien kamen Holz aus der Region und aus Altpapier hergestellter Zellulose-Dämmstoff (Wandstärke 52 cm) zum Einsatz.

Heizung / Energiekonzept
Das Energiekonzept basiert auf einer optimalen Wärmedämmung, der aktiven und passiven Nutzung der Sonnenenergie über die komplett verglaste Südfassade und einer Lüftungsanlage mit Erdvorerwärmung und Wärmerückgewinnung. Im Mittelpunkt der aktiven Sonnenergienutzung steht die thermische Solaranlage mit einem Großpufferspeicher. Durch die hohe thermische Qualität der Außenhülle, der passiven Solargewinnung und der optimierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung konnte ein sehr niedriger Jahresheizwärmebedarf mit ca. 7 kWh/m² Nutzfläche und Jahr erreicht werden.

Die 110 m² große Kollektorfläche wurde ohne Hinterlüftung direkt an die 80 Grad geneigte Südfassade auf die Wärmedämmung der Außenseite angebracht. Hierdurch verringern sich die Wärmeverluste des Kollektors. Außerdem werden so passive Solargewinne gebunden bzw. der Transmissionswärmeverlust der Außenwand verringert.

Das Energiekonzept des Gebäudes basiert auf Berechnungen und Simulationen auf Basis langjährig ermittelter Wetterverhältnisse in Zwiesel. Mit der um 80 Grad geneigten Kollektoranordnung können beim Sonnenhöchststand im Hochsommer ca. 60 % und bei Sonnentiefstand im Winter 98 % des direkten Sonnenlichts genutzt werden. Der auf 21.000 Liter dimensionierte, sechs Meter hohe Großpufferspeicher im Zentrum des Gebäudes wird von der Solarkollektoranlage gespeist und ist so konzipiert, dass die Heizlastspitzenwerte über mehrere Tage abgefangen und auch die sonnenarmen Perioden überbrückt werden können. Um eine optimale Wärmeschichtung zu erreichen, wurde der Pufferspeicher zudem so konstruiert und anlagentechnisch verrohrt, dass er in mehreren Schichten be- und entladen werden kann. Zusammen mit der Solaranlage kann das Naturparkhaus über den ganzen Winter beheizt werden.

Die aktive Sonnennutzung erfolgt über die komplett verglaste Südfassade. Für eine ausreichende Verschattung in den Büroräumen im Obergeschoss sorgt ein flaches, 2,6 Meter vorstehendes Pultdach. Die einströmende Außenluft wird im Sommer durch den Erdwärmetauscher vorgekühlt und im Winter erwärmt. Zur Energieoptimierung wurde zudem eine Photovoltaikanlage errichtet, die für eine Stromerzeugung von 10 KWp dimensioniert wurde.

Als Heizflächensystem wurde eine Wandflächenheizung im Niedertemperaturbereich gewählt. Von der überschüssigen Energie wird ein weiterer Pavillon mit beheizt, für dessen restlichen Wärmebedarf eine Hackschnitzelheizung eingebaut wurde; diese dient gleichzeitig als Notversorgung für das Naturparkhaus.

Bautafel

Architekten: Georg Dasch, Straubing
Projektbeteiligte: Hartwig Löfflmann, Frauenau (Idee und Gesamtkoordination),Gunnar Hoffmann, Architekt, Eggenfelden (Planung und Objektüberwachung), Ingenieurbüro Rothenwührer, Straubing (Haustechnik)
Bauherr: Naturpark Bayerischer Wald e.V.
Fertigstellung: 2003
Standort: Infozentrum 3, 94227 Zwiesel
Bildnachweis: Naturpark-Bayerischer Wald, Zwiesel

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