Nationalmuseum von Katar in Doha

Ein zentrales BIM-Modell für Projektplanung und Bauausführung

Die Stadt Doha ist um einen Blickfang reicher: Vor der Skyline mit zahlreichen Hochhäusern fällt ein vergleichsweise flaches Bauwerk ins Auge. An exponierter Lage direkt am Persischen Golf befindet sich das neue Nationalmuseum von Katar. Geplant von Ateliers Jean Nouvel, gilt es mit seiner außergewöhnlichen Architektursprache als jüngstes bauliches Highlight des Emirats. Es beherbergt elf Ausstellungsräume auf insgesamt über 40.000 Quadratmetern, in denen Exponate und Projektionen zur Geschichte Katars gezeigt werden.

Der Entwurf stammt von Ateliers Jean Nouvel. Die gleichermaßen prägnante wie symbolhafte Gestalt ist inspiriert von einer Sandrose.
Die komplexe Form mit einer Vielzahl von Scheiben, die ineinander gesteckt und miteinander verschränkt sind, ist in Architektur übersetzt worden.
Die bis zu 40 Meter hohe Primärstruktur aus Stahl ist mit sandfarbenen Platten aus glasfaserbewehrtem Hochleistungsbeton bekleidet.

Entwurfsidee Sandrose

Die gleichermaßen prägnante wie symbolhafte Gestalt ist inspiriert von der Sandrose – ein durch Kapillarkräfte erzeugtes Kristallgebilde im Wüstenboden. Die blätterartige Struktur aus in Gips oder Baryt eingebetteten Sandkörnern mutet an wie eine Vielzahl von Scheiben, die ineinandergesteckt und miteinander verschränkt sind. Diese komplexe mineralische Form wurde in eine bauliche Großstruktur übersetzt, das Erscheinungsbild der Natur in opulente Architektur transformiert.

Stahlstruktur und Faserzementplatten

Der Museumskomplex setzt sich aus über 500 diskusförmigen Elementen zusammen, die in verschiedenen Winkeln zueinander stehen und scheinbar ungeordnet Fassade, Dächer und Wände miteinander verschneiden. Eine Fläche von 400 x 250 Metern überformt der Neubau mit mäandernder Höhe. Die bis zu 40 Meter hohe Primärstruktur aus Stahl ist mit sandfarbenen Platten aus glasfaserbewehrtem Hochleistungsbeton (UHPC) bekleidet: Mehr als 76.000, wie Scherben geformte Elemente bilden die Gebäudehülle.

Raumbildende Scheibensegmente

Die Struktur aus überdimensionierten Scheiben (Disken) umschließt einen weiten Hof an der Ostseite des bestehenden Nationalmuseums, einem ehemaligen Herrscherpalast aus dem Jahr 1906. So wird das Motiv des arabischen Hofhauses aufgegriffen. Insgesamt anderthalb Kilometer ist der Besucherparcours lang. Die raumbildenden Scheibensegmente formen 3.000 Quadratmeter Projektionsfläche im Innenraum, die vor allem mit Darstellungen von Natur- und Siedlungsszenen zur Landesgeschichte bespielt werden.

BIM-Planung

Auf der Basis einer Leitdetailplanung und Ausschreibung von Ateliers Jean Nouvel wurde die Gesamtmaßnahme Ende 2011 an den Generalunternehmer Hyundai vergeben. Mit der umfassenden BIM-Planung, Fertigungsplanung, Bauüberwachung und Gesamtkoordination der Gebäudehülle beauftragt war die Werner Sobek Stuttgart AG. Wesentlich für den gesamten Planungs- und Bauprozess war ein zentrales BIM-Modell, in das Architekten, Fachplaner und die ausführenden Unternehmen ihre Fachplanungen einarbeiteten.

Level of Detail LOD

Auch das Schnittstellenmanagement der Gebäudehülle oblag den Stuttgarter Planern. Das umfasst das komplette Engineering sowie die 3D-Detail- und Fertigungsplanung für die Sekundärkonstruktion, Teile der Primärstahlbaukonstruktion und der 3D-Glasfaserbeton-Elemente. Entsprechend detailliert musste das digitale Bauwerksmodell sein. Es ist im Detaillierungsgrad LOD 400 ausgeführt.

Ausgezeichnete Gesamtkoordination

Eine besondere Herausforderung war der baubegleitende Planungsprozess: Die Gesamtkoordination bedeutete fortlaufende Anpassungen des BIM-Modells – über alle Gewerke hinweg. Das Planungsmanagement musste dafür sehr effizient aufgesetzt werden. Moderne Werkzeuge zur Kollisionsprüfung und eine möglichst einfache, parametrisierte Nachführung der Planungsdaten waren hierfür notwendig. Für diesen konsequenten und ganzheitlichen Einsatz der BIM-Technologie wurde die Werner Sobek Stuttgart AG bereits 2016 mit dem BIM-Award ausgezeichnet.

Bautafel

Architektur: Ateliers Jean Nouvel, Paris
Projektbeteiligte: Hyundai Engineering & Construction, Seoul (Generalunternehmer); Arup, London (Tragwerksplanung); Astad project management, Doha (Projektmanagement); Eversendai, Malaysia (Stahlstruktur Gebäude); Fibrex, Abu Dhabi (Faserbetonplatten); Renaud Piérard, Paris (Ausstellungsdesign); Ducks Scéno, Paris (Szenografie); Michel Desvigne, Ana Marti-Baron, Paris (Landschaftsarchitektur); Gehry Technologies (BIM-Management); Werner Sobek Stuttgart AG (Engineering und BIM-Planung Gebäudehülle)
Bauherrschaft: Qatar Museum (qm), Doha
Fertigstellung: 2019
Standort: Museum Park Straße, Doha/Katar
Bildnachweis: Iwan Baan, Amsterdam; HG Esch, Hennef; Danica O. Kus, Werner Sobek, Stuttgart

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Ein BIM-Modell ist ein digitales 3D-Modell eines Gebäudes, eines Gebäudeabschnitts oder einer Fachplanung, das zusätzlich mit einer Informationsebene angereichert ist.

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Die Implementierung von BIM setzt Fachkenntnis und eine strukturierte Arbeitsweise voraus.

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