Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design in Oslo

Natursteinmassiv mit Lichthaus am Fjord

Vier Museen vereint es unter einem Dach, und es soll das größte seiner Art im nordischen Raum sein: Das Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design in Oslo öffnet seine Tore im Juni 2022. Die Sammlung umfasst rund 400.000 Objekte – Gemälde und Skulpturen, Zeichnungen und Textilien, Möbel und architektonische Modelle, mit Ursprung von der Antike bis zur Gegenwart. Etwa 5.000 davon sind in der Ausstellung zu besichtigen. Architekt Klaus Schuwerk (Kleihues + Schuwerk) plante das ausgedehnte Ausstellungsgebäude in zentraler Lage am Hafen. 2020/21 vollendet, hat sich die Eröffnung pandemiebedingt verzögert.

Blick über den Oslofjord mit dem von Klaus Schuwerk (Kleihues+Schuwerk) geplanten Nationalmuseum (rechts) und dem Rathaus, einem rötlichen Backsteinbau.
Das Museum ähnelt einer Festung (Ansicht von Süden): Die Höhenentwicklung des Gebäudekomplexes ist der städtischen Umgebung angepasst.
Ansicht von Norden mit Blick auf die Dachterrasse

Zwischen Hafen und Rathausplatz

Westlich des Rathauses, gleichsam als Auftakt des modernen Geschäftsviertels Aker Brygge, nimmt der in der Höhe gestaffelte, überwiegend geschlossene Flachbau einen gewaltigen städtischen Block ein. An der Ecke zum weitläufigen Rathausplatz sind zwei historische Gebäude vorgelagert: Das Nobel-Friedenszentrum mit zwei Türmen am Eingangsportal und ein weiterer, seitlich untergliederter Altbau. Mit hellen Natursteinfassaden, Rundbogenfenstern und schiefergedeckten Walmdächern stehen sie im Kontrast zum neuen Kulturbau, der dazu abgewinkelt ein Entrée für Gastronomie und Veranstaltungen schafft. Entlang seiner Außenmauern führen Wege aus südöstlicher und nordöstlicher Richtung zum Haupteingang.

Festung mit Lichthalle

Wie ein Felsmassiv erscheint das Nationalmuseum, mit dem Hafenareal verwachsen und einer Festung ähnlich. Wenige längliche Öffnungen bilden Einschnitte in die graugrüne Natursteinhülle – so auch an den Zugängen am Hafen und vom Stadtzentrum. Der Höhe nach passt sich der Gebäudekomplex der Umgebung an und „wächst” in nordwestliche Richtung, wo Bürohochhäuser mit Rasterfassaden dicht beieinander stehen.

Quer auf dem abgestuften Koloss aus Naturstein lagert ein heller Riegel und hebt sich deutlich ab: leicht und filigran, die transluzente Fassade fein unterteilt, in einer gänzlich anderen Materialität. Der weiße Alabaster-Schimmer verwandelt sich bei Dämmerung in ein warmes Leuchten. Die sogenannte Lichthalle nimmt Wechselausstellungen auf. Ihre Fassade besteht aus Marmorglas: einer hauchdünnen Marmorschicht zwischen Glasscheiben. 130 Meter lang ist der Baukörper, mit einer Deckenhöhe von etwa sieben Metern. Flankiert wird er von einer Dachterrasse mit Ausblick über die Stadt.

Norwegischer Schiefer als Identifikationsmerkmal
Das Kunsthaus bietet knapp 90 Ausstellungsräume auf zwei Etagen. Es ist ein neues Wahrzeichen für Norwegens Hauptstadt und verkörpert ein Stück kulturelle Identität des Landes. Bei der Auswahl der Materialien waren Dauerhaftigkeit und ein geringer Wartungsaufwand wichtig; Architekt Schuwerk legte zudem Wert darauf, dass diese in Würde altern. Ökologische Aspekte spielten sowohl bei den Baustoffen als auch im Gebäudebetrieb eine große Rolle: Den Heiz- und Kühlbedarf deckt eine Wärmepumpe mit Meerwasser als Energiequelle.

Norwegischer Schiefer prägt das monumentale Ausstellungshaus, ein Naturstein, der traditionell als Dach- und Fassadenmaterial verwendet wird. Für die Fassade wurde graugrüner Oppdal-Quarzit aus einem Abbaugebiet nahe Trondheim verwendet. Das nach der öffentlichen Ausschreibung zur Verwirklichung der Fassade beauftragte deutsche Unternehmen hatte zuvor eine Musterfassade errichtet, um Qualität und Verarbeitung zu veranschaulichen. Bei dem Quarzit handelt es sich um eines der härtesten Gesteine der Welt. Für die umfangreiche Produktion wurden Diamant-Werkzeuge und Zuschnittmaschinen getestet.

Variierende Formate als Vormauerschale

Die Steine sind als hinterlüftete Vormauerschale verbaut. Es sind schmale, variierende Formate: Bei einer Tiefe von 11,5 cm gibt es drei verschiedene Höhen (6 cm, 8,5 cm und 12,5 cm) mit Längen bis zu 120 cm. Sie erzeugen ein unregelmäßiges Erscheinungsbild, eine Art wilden Verband, der die massive, festungsartige Wirkung unterstützt. Die Sichtflächen sind wassergestrahlt oder spaltrauh. Gebäudeecken sind als massive Hakensteine ausgebildet. Auch Gesimse und Sitzbänke bestehen aus dem Naturstein, ebenso sind einige Innenwände damit bekleidet.

Die Dachterrasse ist mit einem Bodenbelag aus insgesamt 5.000 Quadratmetern spaltrauher Schieferplatten ausgestattet. Kaum ein anderes Material ist so beständig gegenüber den Wind- und Wetterextremen an der norwegischen Küste. -us

Bautafel

Architektur: Klaus Schuwerk (Kleihues + Schuwerk)
Projektbeteiligte: Rambøll, Kopenhagen (Technische Planung); Hab Construction, Lysaker; AF Group, Oslo; Caverion, Oslo (Generalunternehmen); Naturstein Hofmann, Werbach-Gamburg (Fassadenbau)
Bauherr/in: Statsbygg/Norwegisches Kulturministerium, Oslo
Standort: Brynjulf Bulls plass 3, 0250 Oslo, Norwegen
Fertigstellung: 2020/21 (Eröffnung Juni 2022)
Bildnachweis: Iwan Baan; National Museum / Ina Wesenberg; National Museum / Annar Bjørgli; Hans Fredrik Asbjørnsen; National Museum / Børre Høstland

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