Nachgefragt: Wie funktioniert New Work im Planungsbüro?
Erfahrungen zur Digitalisierung
New-Work-Arbeitsplätze gestalten ist das eine. Das andere ist, sie im eigenen Architekturbüro zu etablieren. Wie verändern digitale und hybride Arbeitsweisen das Architekturbüro? Das verrät der Architekt, Partner und Projektleiter bei Behnisch Architekturbüro, Michael Innerarity, im Gespräch mit BauNetz.
Herr Innerarity, das Büro Behnisch Architekturbüro plant Büroflächen für hybrides, digitalisiertes Arbeiten – das spätestens seit Corona vielerorts zum Standard wurde. Wie sieht es eigentlich mit der Digitalisierung bei Ihnen im Büro aus?
Wir waren schon immer ein Büro, das sich auf Innovation konzentriert – im Bezug auf die Architektur, aber auch bezüglich der Software, die wir einsetzen. Wir entwickeln unsere Werkzeuge seit jeher kontinuierlich weiter. Insofern gab es nach der Pandemie keine strukturellen Änderungen. Allerdings war sie Anlass, unsere digitalen Tools und unsere Infrastruktur einmal mehr zu aktualisieren, um Projektteams über Remote- und Hybridarbeit effektiv zu verwalten. Insgesamt gibt es bei uns einen klaren Trend zu hybrider und flexibler Arbeit, der durch die zunehmende Digitalisierung unserer Arbeitsweise und der uns zur Verfügung stehenden Tools unterstützt wird.
Inwiefern hat sich mit dieser Digitalisierung und Flexibilisierung auch das Büro als Arbeitsort verändert?
Unser Büro fungiert heute nicht nur als klassisches Architekturbüro mit Schreibtischen, Besprechungsräumen und Bereichen für den Modellbau. Es ist vielmehr ein „kollaborativer Hub“ für den Austausch und fachlichen Dialog innerhalb der einzelnen Projektteams. Auch zwischen unseren verschiedenen Bürostandorten, denn wir arbeiten ja auch standortübergreifend in Teams sowohl an Wettbewerben als auch an Projekten. Das zeigt sich auch räumlich: Wir haben Besprechungsräume in verschiedenen Größen eingerichtet, mit Touchscreens, Videogeräten und weiterer Ausstattung. Sie können flexibel genutzt und unterteilt werden.
Digitale Kommunikationsformate ersetzen aber nicht das physische Büro?
Nein, in unserem Arbeitsprozess entstehen grundlegende Ideen häufig im direkten Austausch am Tisch, spontan und im Gespräch. Entsprechend sind wir sehr auf die „praktische” Arbeit in unserem Büro angewiesen, sprich das gemeinsame Skizzieren auf Transparentpapier und das Anfertigen einfacher Studienmodelle aus Pappe, um Konzeptansätze schnell zu überprüfen. Traditionelle Planungs- und Darstellungsmethoden und analoge Methoden bleiben deshalb ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass der Einsatz digitaler Werkzeuge erhebliche Vorteile bietet und die Zukunft darstellt. Letztendlich geht es darum, traditionelles Handwerk mit moderner Technologie in Einklang zu bringen.
Welche digitalen Werkzeuge und Technologien sind das denn?
Ein wichtiges Tool für unsere Teams ist zum Beispiel unsere kanalgesteuerte Messaging-Plattform. So können Mitarbeitende an verschiedenen Standorten über strukturierte Kanäle, private Gruppen und Direktnachrichten in Echtzeit kommunizieren. Zusätzlich verwenden sie häufig cloudbasierte digitale Whiteboards. Sie bieten eine unbegrenzte Arbeitsfläche für Notizen, Diagramme, Skizzen, Pläne usw. Zudem verwenden wir seit vielen Jahren auch AVA-Software und Bau-/Kostendatenbanken, dazu digitale Zeiterfassungen über eine Intranetplattform. Über das Intranet werden Neuigkeiten aus dem Büroalltag und aktuelle Informationen über den Arbeitsprozess an all unseren Standorten ausgetauscht. Darüber hinaus dient die Plattform als Datenbank für unsere Projektdaten und -kennzahlen. Sie ermöglicht eine strukturierte Sortierung unserer Projekte für Veröffentlichungen, Bewerbungen sowie für unsere interne Forschung.
Gibt es bestimmte Entwicklungen bei den Tools, die Ihre Arbeitsweise besonders verändert oder vorangebracht haben?
Das sind viele. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Entwicklungen unsere Arbeitsweise verändert. Wir gehen davon aus, dass sie auch künftig eine wichtige Rolle spielen werden. Die Einführung KI-gestützter Tools zählt zum Beispiel dazu, ebenso die cloudbasierten Kollaborationsplattformen oder der zunehmende Einsatz parametrischer und algorithmischer Entwurfsmethoden. Da immer ausgefeiltere Tools wie Skript-Plugins und KI-Werkzeuge zur Verfügung stehen, können wir Simulationen und schnelle Iterationen durchführen. Das hilft, um Konzeptideen mit praktischen Anforderungen in Einklang zu bringen. Dadurch lassen sich beispielsweise die Kosten, die Energieeffizienz und die Lebenszyklusanalyse eines Gebäudes besser und effizienter prognostizieren.
Eine große Hilfe bei komplexen Geometrien sind die Entwicklungen in der 3D-Software: Wir nutzen 3D-Modellierung und BIM, ergänzt durch integrierte „Live-Tracking-Tools“. Damit können wir nicht nur architektonische Formen, sondern gleich auch die Energie- und Nachhaltigkeitsleistung dieser Formen untersuchen. Das war bisher mit traditionellen, analogen Methoden schwieriger. Außerdem ermöglicht es effektive und effiziente Planungsprozesse im Hybrid-Working. Aber das setzt auch ein hohes Maß an Agilität, Anpassungsfähigkeit und Selbstdisziplin voraus, um den laufenden technischen Weiterentwicklungen gerecht zu werden.
Welche Rolle spielt BIM in ihrem Büro?
BIM gehört bei uns zur alltäglichen Arbeit: Denn Bauaufgaben werden komplexer, Prozesse integrativer und interdisziplinärer. Es gibt heute zum Beispiel eine stärkere Einbindung der Auftraggebenden und Nutzenden. Das braucht ein hohes Maß an Abstimmung und Integration interdisziplinärer Teams sowie einen kontinuierlichen Informationsaustausch über sogenannte Common Data Environments (CDE). BIM wird auch von vielen Auftraggebenden einfach erwartet, denn es verspricht eine höhere Planungssicherheit und ein verbessertes Zeit- und Kostenmanagement. Daher erstellen wir zusätzlich zum üblichen projektbezogenen Terminplan weitere Zeitpläne, in denen festgelegt wird, wie, wann und mit wem wir BIM-Informationen austauschen. Diese Struktur muss sicherstellen, dass die Transparenz durch digitale Aufzeichnungen verbessert wird und gleichzeitig die bereitgestellten Informationen für Nutzende und Auftraggebende verständlich und gut nachvollziehbar bleiben. Das erreichen wir durch die Festlegung, wann Informationen ausschließlich intern für das Planungsteam verfügbar sind („Data Drops“) und zu welchen Meilensteinen BIM-Informationen an die Externen weitergegeben werden können.
Sie sagten es schon: Ihr Büro nutzt auch KI. Wie wichtig ist sie?
Die Art und Weise, wie wir KI einsetzen, entwickelt sich derzeit rasant weiter. Wir bewegen uns aktiv in diesem dynamischen Bereich und arbeiten noch daran zu verstehen, wie diese leistungsstarken Tools unsere Arbeitsabläufe verbessern können. Denn es gibt ja viele Vorteile: KI kann schnell Varianten prüfen und vergleichen sowie viele administrative und organisatorische Routineaufgaben beschleunigen und zugleich sicherstellen, dass Vorgaben zur Flächennutzung, Bauvorschriften, Umweltanforderungen und ähnliche Rahmenbedingungen eingehalten werden. Aber KI ist nur ein weiteres Werkzeug in unserem Werkzeugkasten – ähnlich wie ein Bleistift. Maßgeblich für das Ergebnis ist, welche Informationen dem Werkzeug zur Verfügung gestellt werden.
Und dass alle Werkzeuge zur Arbeitsweise und zum Ziel passen?
Natürlich. Wir sind zwar kein Büro im klassischen Sinne mit „Abteilungen“, es gibt dennoch Teams von Mitarbeitenden, die sich auf bestimmte Themen fokussieren. Wir nennen sie Core-Groups. Sie befassen sich jeweils mit spezifischen Themen, die für unsere tägliche Arbeit relevant sind oder einen wesentlichen Bestandteil unserer Arbeitsabläufe darstellen. Dazu zählen zum Beispiel BIM-Prozesse und -Standards, KI-Themen, Kostenberechnungsdatenbanken, Terminplanungssoftware sowie zirkuläres Bauen, Lebenszyklusanalysen u. Ä. Diese kleineren Teams kommen regelmäßig zusammen, um sich auszutauschen und die Weiterentwicklung der jeweiligen Technologien voranzubringen.
Haben Sie weitere Büro-Routinen, die sich entlang der veränderten hybriden Arbeitsweisen und Technologien etabliert haben?
Ja, wir haben themenübergreifende Büroroutinen eingeführt, um als Team zusammenzukommen und Wissen auszutauschen. Wiederkehrende Formate sind zum Beispiel der wöchentliche „Monday Morning Kick-Off“, bei dem wir uns über den aktuellen Stand unserer Projekte besprechen und festlegen, welche Themen in der kommenden Woche anstehen. Außerdem veranstalten wir monatliche „B-Talk“-Events, eine Plattform, die eine Vielzahl von Themen abdeckt: von Vorträgen externer Gäste über interne Präsentationen zu laufenden Projekten bis hin zu fachlichen Besichtigungen und Exkursionen. Diese Formate finden häufig in einer hybriden Form statt, sodass Mitarbeitende aller Bürostandorte und Remote teilnehmen können. Außerdem halten wir regelmäßige Management-Meetings zur Qualitätssicherung ab, in denen wir digitale Controlling-Tools einsetzen. Sie helfen uns dabei, die Planung unserer Projekte, einschließlich der Personalressourcen, zu steuern und gleichzeitig die finanzielle Lage einzelner Projekte als auch die des gesamten Büros zu überprüfen.
Herr Innerarity, vielen Dank für das Gespräch!
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