Musikschule in Brixen

Samt und Seide

Aufwendig bearbeitet zeigt sich die Hülle der neuen Musikschule in Brixen. Raue und glatte Flächen stehen im Kontrast zueinander und bilden Schmuckelemente aus, die den roten Sichtbeton seiner rohen Anmutung entrücken und ihn als edles Kleid erscheinen lassen.

Der Entwurf für den Neubau stammt von dem Architekturbüro Carlana Mezzalira Pentimalli aus Treviso.
Raue und glatte Flächen bilden bei den sichtbaren Bauteilen Schmuckelemente aus, die den roten Sichtbeton seiner rohen Anmutung entrücken und ihn als edles Kleid erscheinen lassen.
Mit dem Neubau soll der stetig wachsenden Zahl an Schülerinnen und Schülern Rechnung getragen und die bisher verschiedenen Standorte in einem Haus zusammengeführt werden.

Der Entwurf für den Neubau stammt vom Architekturbüro Carlana Mezzalira Pentimalli aus Treviso, verwirklicht wurde er am Übergang von Altstadt zu Stadtrandgebiet auf einer gewerblich genutzten Fläche, die inzwischen vor allem Raum für Freizeiteinrichtungen bietet. Im Osten grenzt die Musikschule an ein Kletterzentrum und ein Erlebnisbad, im Norden befinden sich Tennisplätze. Der Lageplan deutet an, dass die Entwicklung des Gebietes noch nicht abgeschlossen und die Neustrukturierung der umgebenden Verkehrsflächen und Parkplätze zumindest angedacht ist.

Vielseitige Wunderkammer

Die Vermittlung von Musik an Kinder und Jugendliche spielt in der Region Südtirol seit jeher eine große Rolle. Mit dem Neubau soll der stetig wachsenden Zahl an Schülerinnen und Schülern Rechnung getragen und die bisher verschiedenen Standorte in einem Haus zusammengeführt werden. Neben der Musikschule sind in dem Gebäudeensemble auch ein Probelokal der Bürgerkapelle und der Sitz des Alpenvereins Südtirol untergebracht.

Dabei ist die Gesamtanlage größer, als es zunächst den Anschein macht, da die Nutzungen teilweise unterirdisch verwirklicht wurden. Zentrales Element ist dabei der Innenhof, der zum einen zwischen den verschiedenen Geländeniveaus, zum anderen aber auch zwischen den unterschiedlichen Einrichtungen vermittelt – die Haupteingänge sind alle in diesem Bereich angeordnet. Die Musikschule nimmt den Raum westlich des eingefriedeten Hofes ein, der dank zweier Durchgänge auch als öffentliche Durchwegung dient.

Gelungene Maßstäblichkeit

Das Volumen der Musikschule ist dreigeschossig organisiert, wobei das unterste Geschoss aufgrund der Topografie teilweise im Hang verschwindet. Das oberste Stockwerk ist leicht zurückversetzt – durch diese Staffelung wirkt es aus bestimmten Perspektiven so, als ziehe sich die raumhaltige Einfriedung des Hofes wie eine Mauer auch um den Baukörper der Musikschule.

Im Inneren bildet die vertikale Erschließung in Form einer einläufigen Treppe das Rückgrat des Gebäudes. Dunkles Eichenholz formt die Stufen und die reliefartige Bekleidung der Wangen. Der Treppenraum wird von oben natürlich belichtet und bietet Platz zum Warten und Üben. Im Erdgeschoss sind die Lobby, der Verwaltungsbereich sowie ein Vorführ- und ein Übungssaal untergebracht, auf den beiden Obergeschossen verteilen sich 29 Unterrichtsräume.

Beton: Textile Qualität durch gestockte und glatte Flächen

Die Außenwände der innen gedämmten Konstruktion prägt ein roter Sichtbeton, dessen besondere Qualität von einer steinmetzmäßigen Bearbeitung herrührt. Die Farbe des Betons wurde erreicht, indem man eine Rezeptur mit einem roten, porphyrhaltigen Gesteinsaggregat und einem Pigment (3 Prozent rot, 2,5 Prozent schwarz) entwickelte.
 
Das Stocken der Betonoberflächen erfolgte per Hand. Dabei wurden Faschen ausgespart, sodass eine durch raue und glatte Flächen differenzierte Fassade entstanden ist. Im Hof ging man noch einen Schritt weiter und nutzte diesen Kontrast, um auf dem Sichtbeton ein ornamentales Muster zu verwirklichen. Das Motiv orientiert sich laut Architekturbüro an den in der Altstadt vorgefundenen Texturen.

Durch die zeitgenössische Reinterpretation traditioneller Elemente ist eine Fassade entstanden, die durch ihre handwerkliche Anmutung, Farbe und Körnigkeit eine geschmeidige Neuinterpretation eines im Wandel begriffenen Standortes wagt. -chi

Bautafel

Architektur: Carlana Mezzalira Pentimalli, Treviso
Projektteam: Michel Carlana, Luca Mezzalira, Curzio Pentimalli, Giada Cattelan, Alessio Oliviero, Alessandro Zotta
Projektbeteiligte: Unionbau, Sand in Taufers (Generalunternehmen); Askeen, Brixen (Außentüren und Fenster); Elektro Plaickner, Brixen (Elektoplanung); Larcher, Brixen (Gebäudetechnik)
Bauherr/in: Gemeinde Brixen
Standort: Piazza Priel 7a, 39042 Brixen
Fertigstellung: 2021
Bildnachweis: Marco Cappelletti; Martin Kerschbaumer; Armin Linke

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