Muschelmotiv

Religiöses Symbol

Nahe an Fenstern oder Türen befinden sich oft Zeichen wie Logos, Hinweisschilder, Supraporten mit Wappen, Zunftzeichen, Maskarons, Fratzen- und Hausgeisterköpfe, Hausnummern, Jahreszahlen der Erbauung und ähnliches. Ein recht häufig zu findendes Symbol ist das einer Muschelschale. Anders als die genannten Zeichen hat es eine religiöse Grundlage.

Die Muschel symbolisiert das Grab von Jesus, wobei die harte Schale dessen Schutz versinnbildlicht.
Die Muschelart ist nach dem Apostel Jakob benannt, der sie an seinem Hut oder an seinem Gewand trägt, und ist als dessen festes Attribut ein Bestandteil der christlichen Ikonographie.

Religiöses Symbol

Mit einer spiegelsymmetrischen Mittelachse um fächerförmige Strahlen wird eine stilisierte Jakobsmuschelschale dargestellt. Die Pectinidae, eine Kamm-Muschelart (wissenschaftlich exakt: Pecten jacobaeu), ist nach dem Apostel Jakob (auch Jakobus) benannt. Der heilige Jakob trägt ihre Schale an seinem Hut oder an seinem Gewand, nachdem er gemäß der biblischen Legende in Spanien predigte und mit der Muschel Wasser zum Trinken schöpfte. Die Jakobsmuschel ist als festes Attribut des Heiligen ein Bestandteil der christlichen Ikonographie. Darüber hinaus symbolisiert sie das Grab von Jesus, wobei die harte Schale dessen Schutz versinnbildlicht. Eine weitere Lesart interpretiert die beiden Hälften der Muschel als Altes und Neues Testament.

Das Muschelmotiv an Fenstern und Türen kennzeichnet eine christliche Nutzung von Gebäuden. Neben Kirchen und Kapellen schmückt es auch Repräsentanzen, Schulgebäude, Gästehäuser und kirchliche Verwaltungsbauten. Jakobsmuscheln finden sich einzeln oder in Zweier- und Dreiergruppen in zahlreichen Wappen wie dem des Papstes Benedikt XVI. In einer grafisch vereinfachten Version sind die Muscheln zudem Wegweiser des Jakobswegs – verschiedener Pilgerwege nach Santiago de Compostela zum Grab des heiligen Jakob in der dortigen Kathedrale. Der heilige Jakob ist unter anderem Schutzpatron der Pilger und Seeleute.

Rokoko und Dekoration

Die symmetrischen und christlichen Muschelmotive sind von asymmetrisch verformten Muscheln und Schnecken zu unterscheiden. Sie kommen beispielsweise in Rocaillen, Ranken- und Knorpelwerk vom Rokoko bis zum Historismus vor und dienen eher als Dekoration.

Shell

Der Öl-Konzern Shell nutzt als Logo eine stilisierte gelbe Muschelschale mit roter Kontur, die der Schale einer Kamm- oder Herz-Muschel sehr ähnlich sieht. Dieses Symbol geht auf die Ursprünge des Unternehmens im 19. Jahrhundert zurück, als in London mit exotischen Waren aus den Kolonien, darunter auch besonderen Muscheln, gehandelt wurde. Die Muscheln prägten sowohl den Namen als auch das Logo, das zunächst eine nahezu realistische Zeichnung einer Miesmuschel zeigte.

Während der Name Shell trotz des Wachstums zum globalen Konzern unverändert blieb, entwickelte sich die Muschelzeichnung etwa alle zehn Jahre weiter – hin zu immer stilisierteren und symmetrischeren Formen. In den 1970er-Jahren gestaltete der Industrie- und Grafikdesigner Raymond Loewy (1893 – 1986) das Logo neu. Ausgehend von einem grafischen Raster ordnete er spiegelsymmetrische, fächerförmige Strahlen an.  Seitdem verwendet Shell das Loewy-Muschel-Logo weltweit unverändert. -sj

Fachwissen zum Thema

Mittelrisalit mit zwei Turmaufsätzen, dreiteilige Staffelung in Sockel, Bel Etage und Aufsatz, Oper in Zagreb, 1895 von den Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Herman Helmer erbaut. Als "Logo-Farbe" ist das Gebäude in Habsburgergelb gestrichen, genau wie das Schloss Schönbrunn, in dem der Kaiser von Österreich-Ungarn residierte. Die Eingangstür ist exakt in der Mittelachse der Schaufassade.

Mittelrisalit mit zwei Turmaufsätzen, dreiteilige Staffelung in Sockel, Bel Etage und Aufsatz, Oper in Zagreb, 1895 von den Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Herman Helmer erbaut. Als "Logo-Farbe" ist das Gebäude in Habsburgergelb gestrichen, genau wie das Schloss Schönbrunn, in dem der Kaiser von Österreich-Ungarn residierte. Die Eingangstür ist exakt in der Mittelachse der Schaufassade.

Türarten

Portal, Pforte, Portikus

Das Portalfragment des Gemeindehauses in der Berliner Fasanenstraße erinnert an die in der Reichspogromnacht beschädigte Synagoge.

Das Portalfragment des Gemeindehauses in der Berliner Fasanenstraße erinnert an die in der Reichspogromnacht beschädigte Synagoge.

Materialien/​Werkstoffe

Spolie

Kartusche mit Segensspruch, Zunftzeichen und stilisiertem Löwenkopf, unten Ranken aus Eichenlaub und Akanthus. Vermutlich hatten auch die nun leeren Flächen auf den Säulenköpfen ursprünglich Reliefs mit symbolischer Darstellung.

Kartusche mit Segensspruch, Zunftzeichen und stilisiertem Löwenkopf, unten Ranken aus Eichenlaub und Akanthus. Vermutlich hatten auch die nun leeren Flächen auf den Säulenköpfen ursprünglich Reliefs mit symbolischer Darstellung.

Türarten

Supraporte

Zunftzeichen sind Schilder mit Symbolen im Sinne von zeichenhaften, bildlichen Verweisen auf eine Funktion oder Dienstleistung. Im Bild: Ausleger mit einem goldenen Teller als Symbol für einen Frisörsalon

Zunftzeichen sind Schilder mit Symbolen im Sinne von zeichenhaften, bildlichen Verweisen auf eine Funktion oder Dienstleistung. Im Bild: Ausleger mit einem goldenen Teller als Symbol für einen Frisörsalon

Zubehör

Zunftzeichen

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