Muldenrinnen bewässern Streuobstwiese
Kleine Maßnahme mit großer Wirkung
In Zeiten der Klimakrise wird Wasser zunehmend knapper. Umso wichtiger ist es, einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser lebenswichtigen Ressource zu pflegen. Einen Ansatz schlägt das Konzept der Schwammstadt vor: Demnach sollen Städte Regenwasser speichern und nicht mehr in die Kanalisation ableiten, um Grundwasserreserven aufzufüllen und das Stadtgrün zu bewässern. Dies kann mittels der Entsiegelung von Flächen und der Rückgewinnung von Regenwasser gelingen. Dass schon kleine Eingriffe diesen Stadtumbau umsetzen können, zeigt ein aktuelles Projekt in Berlin: In Treptow-Köpenick setzte das Büro Landschaft planen+bauen Berlin eine grundstücksübergreifende Entwässerungsstrategie um, dank der nun das öffentliche Grün bewässert wird.
Sieben offene Muldenrinnen leiten das Regenwasser von den Fallrohren einer 450 Quadratmeter großen Dachfläche eines Wohnriegels zur benachbarten Grünfläche, einer Streuobstwiese. Die Rinnen enden rund vier Meter vor den Baumstämmen, um eine Vernässung der Stammfüße zu vermeiden. Am Ende der Rinnen schützen Rasenkammersteine als Kolkschutz das Erdreich vor Auswaschungen. Stattdessen versickert das Wasser in den angrenzenden Wiesenbereichen und trägt so zur Grundwasserneubildung bei. Damit die Pflege der öffentlichen Grünflächen nicht aufwendiger wird, sind die Rinnen und Rasenkammersteine so ausgelegt, dass sie sich mit einem Rasenmäher überfahren lassen.
Dank der sieben Rinnen gelangt das Regenwasser nun nicht mehr in die Kanalisation, sondern bewässert das Stadtgrün und trägt zu einer Verbesserung des lokalen Wasserhaushalts bei. Jährlich werden so rund 240 Kubikmeter Regenwasser umgeleitet und in den Kreislauf eingespeist. Aufwendig war diese Maßnahme einzig auf verwaltungstechnischer Seite: Es galt einerseits nachzuweisen, dass das übergeleitete Regenwasser schadstofffrei ist und somit unbedenklich versickert werden kann; die entnommenen Wasserproben wurden auf die Qualität überprüft und als unbedenklich eingestuft. Anderseits bestand die Herausforderung darin, eine grundstücksübergreifende Entwässerungsstrategie zu realisieren. Während das Wohngebäude der STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft gehört, ist die Grünfläche im öffentlichen Besitz des Bezirks.
Das Bezirksamt Treptow fungierte bei dieser Maßnahme als Vorhabenträger, finanziert wurde die Planung und Realisierung vom Umweltamt über Ausgleichsmittel der Unteren Naturschutzbehörde Treptow-Köpenick. Die Baukosten betrugen 28.000 Euro brutto. Eine kleine Maßnahme mit großer Wirkung – zur Nachahmung empfohlen!
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