Möllerei Belval in Esch-Sur-Alzette

Kulturort zwischen Silos und Hochofen

In der Möllerei von Belval wurden einst Erz und Koks gelagert, gemischt und für die Verarbeitung im Hochofen vorbereitet. Nach der Stilllegung des Hüttenwerks blieb ein Teil der Anlage mitsamt Silos, Trichtern und technischen Einbauten erhalten. Für das Kulturhauptstadtjahr Esch2022 haben BFF Architectes das Industriedenkmal gesichert und zu einem Ausstellungs- und Veranstaltungsort umgebaut. Neue Stege erschließen die Halle auf mehreren Ebenen. Eine Brücke verbindet sie mit dem benachbarten Hochofen A. Bei Fassaden, Türen und Fenstern kamen Stahlsysteme von Schüco zum Einsatz.

Die Möllerei entstand um 1910 als Teil des Hüttenwerks von Belval und diente der Lagerung und Aufbereitung der Rohstoffe für die Eisenproduktion.
In der Möllerei wurden Erz und Koks gelagert, gemischt und für den Einsatz in den Hochöfen vorbereitet.
Zwischen 1965 und 1970 wurde die Anlage umfassend umgebaut und an die veränderten Produktionsabläufe des Hüttenwerks angepasst.

Von der Industrieanlage zum Kulturort

Die Möllerei entstand um 1910 als Teil des Hüttenwerks von Belval. In dem langgestreckten Gebäude wurden die Rohstoffe für die Eisenproduktion gelagert und gemischt. Von dort gelangten sie zur Weiterverarbeitung in die Hochöfen. Zwischen 1965 und 1970 wurde die Anlage tiefgreifend verändert. Mit der Stilllegung des letzten Hochofens im Jahr 1997 endete ihre industrielle Nutzung. Seit 2000 ist die Möllerei im Inventar der luxemburgischen Denkmalbehörde verzeichnet.

Im Zuge der Umwandlung des Hüttenareals zum Stadtentwicklungs- und Wissenschaftsquartier Cité des Sciences erhielt auch das insgesamt rund 164 Meter lange Gebäude neue Funktionen. Sein nördlicher Abschnitt wurde von den technischen Einbauten befreit und in das Luxembourg Learning Centre integriert, das 2018 eröffnet wurde. Der südliche Teil blieb dagegen als Industriezeugnis erhalten. Acht Gebäudefelder mit einer Länge von insgesamt 51 Metern wurden bewahrt, sieben davon mitsamt Silos und technischer Ausstattung. An ihnen lässt sich der frühere Produktionsablauf weiterhin nachvollziehen. Für Esch2022 wurde dieser Abschnitt als Ausstellungs- und Veranstaltungsort hergerichtet. Nach 24 Monaten Bauzeit wurde das Gebäude im Februar 2022 eröffnet.

Erhalten und gezielt ergänzen

Der Umbau folgt zwei Prinzipien: dem Erhalt des Gebäudes, seiner Tragstruktur und technischen Ausstattung sowie der Ergänzung um wenige, eindeutig neue Bauteile. Die industrielle Anlage sollte nicht auf ein einheitliches Erscheinungsbild zurückgeführt oder durch eine neue architektonische Ordnung überlagert werden. Die Stahlkonstruktionen wurden gereinigt und auf ihre Standsicherheit geprüft. Wo erforderlich, verstärkten die Planer*innen das Tragwerk und die historischen Einbauten. Die Ziegelflächen wurden instand gesetzt, die Dachdeckung erneuert und stark korrodierte Metallbauteile ersetzt. Gebrauchsspuren, Verfärbungen und unregelmäßige Oberflächen blieben sichtbar.

Im Inneren bestimmen Stahlstützen und Binder, Silotrichter, Laufstege und technische Einbauten weiterhin den bis zu 26 Meter hohen Hallenraum. Die neuen Eingriffe beschränken sich vor allem auf Erschließung, Sicherheit und die für den Kulturbetrieb notwendige Infrastruktur.

Neue Wege durch die Halle

Der Eingang liegt in einem überdeckten Durchgang zwischen der Place de l’Académie und der Place Ënnert den Héichiewen. Im Inneren ergänzten BFF Architectes die vorhandenen Laufwege um neue Stege hinter der Nord- und Südfassade. Sie verbinden einen bestehenden Betongang auf der Ostseite mit dem Laufsteg entlang der Erzsilos im Westen. So entstand ein Rundweg oberhalb der tiefer liegenden Ausstellungsebene.

Eine neue Treppe und ein Aufzug erschließen die unterschiedlichen Höhen des Gebäudes. Sie verbinden den Empfang im Erdgeschoss mit dem oberen Steg und den Ausstellungsbereichen in den ehemaligen Siloräumen. Die neuen Laufwege bestehen aus Stahl und sind mit Gitterrosten belegt. Feinmaschige Geländer sichern sie, ohne die Sicht in die Halle stark einzuschränken. Material und Farbigkeit nehmen sich gegenüber der historischen Konstruktion zurück.

Brücke zum Hochofen

Eine 28,8 Meter lange Brücke verbindet die Möllerei mit dem benachbarten Hochofen A. Der 24 Tonnen schwere Stahlkörper wurde zwischen die beiden Industrieanlagen eingehoben und an die vorhandenen Besuchswege angeschlossen. Auf der Seite der Möllerei führt die Brücke in eine obere Ebene der Halle. Von hier eröffnet sich ein weiter Blick auf die Silos, Trichter und Laufstege.

Der Übergang macht den früheren funktionalen Zusammenhang zwischen beiden Bauwerken räumlich nachvollziehbar: Wo früher die Rohstoffe für den Hochofen vorbereitet wurden, gelangen Besucher*innen heute direkt von einer Anlage in die andere. Die 2,60 Meter breite Brücke ist barrierearm zugänglich. Gemeinsam mit dem neuen Aufzug ermöglicht sie einen weitgehend stufenlosen Rundgang.

Stahlprofile für Fassaden und Türen

Bei der Erneuerung von Fassaden, Türen und Fenstern kamen mehrere Stahlsysteme von Schüco zum Einsatz. Das Besondere dabei: Die Möllerei besitzt weiterhin keine energetisch leistungsfähige Gebäudehülle. Statt das große Volumen umfassend zu dämmen und dauerhaft zu beheizen, wurde der technische Ausbau auf die neue Nutzung abgestimmt. Beheizt und mechanisch belüftet werden vor allem Sanitär-, Technik- und Lagerräume. In der Halle ermöglichen Warmwasser-Strahlungsheizpaneele Veranstaltungen während der kalten Jahreszeit. Sie werden über das Fernwärmenetz versorgt und erwärmen gezielt die genutzten Bereiche. Ergänzt wurden außerdem eine Brandmeldeanlage, Einrichtungen zum Rauchabzug sowie Grund- und Sicherheitsbeleuchtung.

Pioniervegetation am Hallensockel

Auch die Außenräume westlich der Möllerei wurden neu gestaltet. Unmittelbar an der Fassade entstand eine öffentlich zugängliche Grünfläche, die rund fünf Meter über der Place de l’Académie liegt. Gräser, Bodendecker und Pioniervegetation greifen den Charakter eines allmählich bewachsenen Industrieareals auf. Ein zwei Meter breiter Gitterroststeg führt knapp über den Pflanzflächen entlang der Halle. Ein feinmaschiges Edelstahlgeländer sichert die erhöhte Ebene, ohne die Sicht auf Gebäude und Platz zu verstellen. Die historische Stützmauer zur Place de l’Académie wurde erhalten und restauriert. Wasserflächen zwischen Möllerei und Hochofen ergänzen die Bepflanzung und spiegeln die dunklen Stahlkonstruktionen.

Bautafel

Architektur: BFF Architectes / beilerfrançoisfritsch, Luxemburg
Projektbeteiligte: RW-Consult (Tragwerksplanung); Paul Wurth Geprolux (TGA-Planung); Lefevre Lux (Stahlbau- und Fassadenelemente); Schüco (Stahlprofilsysteme, Produkte: Janisol Türen, VISS, Economy 60 Türen)
Bauherr*in: Le Fonds Belval
Standort: 6 place de l'Académie, 4361 Esch-Belval, Esch-sur-Alzette, Luxemburg
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: BFF Architectes (Pläne); Eric Chenal (Fotos)

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