Modulare Kitas in Berlin

Im Baukasten mit Klötzchen spielen

Wie vielerorts sind Kitaplätze auch in Berlin Mangelware. Zwei parallel ausgelobte Wettbewerbe für Kindertagesstätten mit 3.000 Betreuungsplätzen im Jahr 2017 sollten Abhilfe schaffen. Um eine schnelle, kostengünstige und ökologische Realisierung zu ermöglichen, waren Typenbauten in Holz mit hohem Vorfertigungsgrad gefordert. Einen der Wettbewerb konnte das Büro Kersten Kopp Architekten für sich entscheiden. Vier Kitas mit Platz für jeweils 120 Kinder wurden bereits fertiggestellt, sieben weitere sind in Planung.

Einen den Wettbewerbe konnte das Büro Kersten Kopp Architekten für sich entscheiden.
Nach einem modularen Baukasten-Prinzip sollen insgesamt elf Kindertagesstätten entstehen.
Die Fassaden sind mit vorgegrauten Lärchenholzprofilen bekleidet.

Holz außen und innen

Bei den Kitas handelt es sich um Systembauten, die im Baukastenprinzip aus vorgefertigten Holzelementen erstellt wurden. Einem 1,25-Meter-Raster folgend wurden die Elemente auf Bodenplatten aus Beton aufgestellt. 16 cm starke Innenwände und 22 cm starke Decken aus Massivholzfertigteilen bilden als feuerhemmende Elemente das Tragwerk der Gebäude. Die Außenwände der Längsseiten wurden in Holzskelettbauweise ausgeführt, die Stirnseiten als Holzrahmenelemente. Die Fassadenverkleidung besteht aus vorgegrauten Lärchenholzprofilen, die Flachdächer sind begrünte Retentionsdächer. In den Innenräumen blieben die hölzernen Wand- und Deckenoberflächen weitestgehend sichtbar. Einbaumöbel aus Dreischichtplatten greifen das Material auf.


Drei Module, variabel kombinierbar

Zu den Anforderungen an die modularen Kindertagesstätten gehörte, dass sie schnell zu errichten und für verschiedene städtebauliche Zusammenhänge geeignet sein sollten. Das Planungsteam entwickelte drei Grundmodule: ein Gruppenraum-, ein Funktionsraum- und ein Eingangs- bzw. Erschließungsmodul. Alle können jeweils unterschiedlich miteinander kombiniert werden und erlauben beispielsweise eine Anordnung als Riegel, in L- oder U-Form. Das Erschließungsmodul befindet sich dabei immer an einer Gebäudeecke, sodass je nach städtebaulichem Kontext die Kita sowohl von der Quer- als auch von der Längsseite her betreten werden kann.

Im Inneren sind die Gebäude als Zweibund-Typologie mit Mittelflur organisiert. Auf der einen Seite des Flures befinden sich die Gruppen-, auf der anderen die Funktionsräume. Die Sanitärzellen sind den Gruppenräumen jeweils vorgelagert und schaffen so einen „Vorplatz“ für die Garderoben. Jeweils zwei Gruppen- mit Nebenräumen lassen sich bei Bedarf zu einem großen Raum zusammenfassen.

Farbige Akzente

Sowohl an der Fassade als auch in den Innenräumen wurden farbige Akzente gesetzt. Die Fensterbänder an den Längsseiten der Module sind mit farbigen Glaspaneelen gestaltet worden. An den verschiedenen Standorten erhalten die Gebäude jeweils eine eigene Farbe und ein „Standorttier“, das sich als Logo im gesamten Gebäude wiederfindet. Das Farbkonzept zieht sich vom Außen- in den Innenraum, wo beispielsweise einige Holzwände sowie die Kleiderständer und Sitzbänke farbig lasiert wurden

Akustik: Lamellen und Linoleum

Da es in einer Kita auch mal etwas lauter wird, ist eine gute akustische Planung unabdingbar. Die Planer*innen setzten vor allem in den Räumen, in denen sich die Kinder aufhalten, auf Akustiklamellen an Decken und Wänden aus Fichtenholz. In die Lamellenstruktur sind schmale Leuchten integriert.

Als Bodenbelag wurde Linoleum gewählt. Dieser ist nicht nur pflegeleicht und rutschhemmend, sondern trägt auch zur Verbesserung der Raumakustik bei. Ein Linoleum-Bodenbelag ohne Träger weist ein Trittschallverbesserungsmaß von bis zu 6 dB auf. Bei Verbundbelägen können auch Werte bis zu 18 dB erzielt werden. In den Berliner Kitas kommt Linoleum in den Gruppenräumen, den Fluren und auf den Treppenstufen zum Einsatz. -np

Bautafel

Architektur: Kersten Kopp Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft, Berlin (Projektsteuerung); Pichler Ingenieure, Berlin (Tragwerksplanung); Ingenieurgesellschaft W33, Berlin (Gebäudetechnik); Müller-BBM, Berlin (Bauakustik); DGI Bauwerk, Berlin (Ausschreibung und Vergabe); capattistaubach urbane landschaften, Berlin (Landschaftsarchitektur); brandschutz plus, Berlin (Brandschutzplanung); Terhalle Holzbau, Werder (Holzbau)
Bauherr*in: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Abteilung V Hochbau, Berlin
Fertigstellung: 2022
Standorte (fertiggestellt): Wittenauerstraße 151 (Wittenau), 13469 Berlin; Kummerower Ring 30 (Marzahn-Hellersdorf), 12619 Berlin; Helmholtzstraße 34 (Oberschöneweide), 12459 Berlin; Kaulbachstraße 57 (Lankwitz), 12247 Berlin  
Standorte (in Planung): Priesterstege 6 (Pankow), 13129 Berlin; Semmelländerweg 27 (Spandau), 13593 Berlin; Gelsenkircher Straße 20 (Spandau) 13583 Berlin; Alsenstraße 16 (Steglitz), 12163 Berlin; Albulaweg 15 (Mariendorf), 12107 Berlin; Heidemühlerweg 37 (Baumschulenweg), 12437 Berlin; Oberweißbacher Straße 8 (Marzahn), 12687 Berlin
Bildnachweis: Werner Huthmacher, Berlin (Fotos); Ute und Luna Zscharnt, Berlin (Fotos); Kersten Kopp Architekten, Berlin (Fotos und Pläne)

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