Modernisierung: Bürohochhaus Rembrandt Park One in Amsterdam

Bestand öffne dich

Privilegiert in der Parklage, aber ungünstig erschlossen: Mit der Sanierung und Erweiterung des früheren Ringpark-Gebäudes in Amsterdam hat das Büro HofmanDujardin ein markantes, jedoch introvertiertes Verwaltungshochhaus der späten 1960er-Jahre in einen zeitgemäßen Bürostandort mit öffentlichen Nutzungen verwandelt. Neue Eingänge und öffentliche Durchwegungen, ein gläserner Pavillon am Wasser und zwei zusätzliche Dachgeschosse öffnen den Gebäudekomplex zur Stadt und zum Park. Seit seiner Fertigstellung im Jahr 2023 trägt er den Namen Rembrandt Park One.

Eingebettet in den Rembrandtpark bildet der Gebäudekomplex eine Schnittstelle zwischen Landschaftsraum und Stadt.
Der rund 45 Hektar große Rembrandtpark zählt zu den wichtigsten Grünanlagen im Westen Amsterdams.
Das Bürohochhaus entstand 1967 nach Plänen des Architekten Frederik Willem de Vlaming als Verwaltungsgebäude am damaligen Stadtrand Amsterdams.

Solitär zwischen Stadtautobahn und Park

Das Hochhaus entstand 1967 nach Plänen des Architekten Frederik Willem de Vlaming. Es befindet sich im Westen Amsterdams zwischen dem Autobahnring A10 und den Teichen des Rembrandtparks. Mit seinen hellen Natursteinfassaden, horizontalen Fensterbändern und regelmäßig gesetzten Stütz-Lisenen besitzt das Gebäude die für viele Bürohäuser der Nachkriegsmoderne typische Rasterfassade. Seine Lage macht den Bau weithin sichtbar, zugleich wirkte er jedoch als räumliche Barriere zwischen den westlich angrenzenden Stadtquartieren und dem Park. Vor allem der weitgehend geschlossene Sockel schottete das Gebäude von seiner Umgebung ab.

Die Sanierung erfolgte im Rahmen eines von KCAP entwickelten Masterplans für den südwestlichen Bereich des Rembrandtparks. Ziel war es, die architektonischen Qualitäten des Bestands zu bewahren und ihn gleichzeitig stärker mit seinem städtischen und landschaftlichen Umfeld zu verknüpfen.

Öffnung des Bestands

Den größten Eingriff nahmen die Planer*innen im Erdgeschoss vor. Die vormals geschlossenen Fassaden wurden großflächig geöffnet und verglast. Unter dem bestehenden Hochhaus entstand ein neuer, teils doppelgeschossiger Sockel mit öffentlichen Funktionen und mehreren zusätzlichen Eingängen. Eine öffentlich zugängliche Passage durchquert das Gebäude in Nord-Süd-Richtung und verbessert die Erschließung des bislang abgeschlossenen Komplexes.

Zusätzlich entstand am südlichen Ende des Gebäuderiegels eine neue Ost-West-Verbindung. Dafür wurde das Erdgeschoss geöffnet. Die Wegeverbindung setzt sich über einen Steg beziehungsweise eine Brücke über den angrenzenden Teich fort und schafft eine deutlich direktere Verbindung zwischen den westlich gelegenen Wohngebieten und dem Rembrandtpark. Im Erdgeschoss befinden sich heute eine Kaffeebar, Co-Working-Bereiche und Restaurants. Die neuen Nutzungen richten sich nicht ausschließlich an die Mieter*innen des Gebäudes, sondern sollen den Bürokomplex stärker in das öffentliche Leben des Quartiers einbinden.

An der Ostseite wurde ein bereits bestehender Flachbau aufgestockt und zu einem lichtdurchfluteten Pavillon umgebaut. Er reicht bis an den Wasserlauf des Rembrandtparks und beherbergt ein öffentliches Restaurant mit neuer Seeterrasse. Gleichzeitig wurde die das gesamte Hochhaus umgebende Freiraumgestaltung überarbeitet: Neue Pflanzflächen ersetzen einen Teil der ehemals versiegelten Flächen und führen die Grünräume des Parks bis an das Gebäude heran. Zwei leicht zurückgesetzte Dachgeschosse erweitern die Nutzfläche und bilden mit ihren großflächigen Verglasungen einen leicht wirkenden Abschluss über dem massiven Bestand.

Erhalt und Ergänzung

Die Transformation folgt dem Prinzip, Bestand und neue Eingriffe klar voneinander ablesbar zu halten. Die Fassaden aus Travertin und das konstruktive Raster des Hochhauses blieben weitgehend erhalten. Der neue Sockel, der umgebaute Pavillon und der zweigeschossige Dachaufbau sind durch großflächige Verglasungen und bronzefarbene Fassadenverkleidungen aus Metall als zeitgenössische Ergänzungen erkennbar.

Die neuen Fassaden wurden mit Aluminium-Systemen von Schüco ausgeführt. Für die transparenten Gebäudehüllen des Sockels, des umgebauten Pavillons und des zweigeschossigen Dachaufbaus kamen Pfosten-Riegel-Fassaden des Typs FWS 50 zum Einsatz. Ergänzt werden sie durch Fenster-, Tür- und Schiebesysteme der Serien AWS 65 WF, ADS 65 HD, ADS 80 FR 30 sowie ASE 60. Die schlanken Profilansichten unterstützen den gewünschten Kontrast zwischen der massiven Tragstruktur des Bestands und den leicht wirkenden Ergänzungen.

Auch im Inneren blieb die Tragstruktur erhalten. Die Bürogeschosse wurden bis auf den Rohbau zurückgebaut und anschließend neu organisiert. Die bestehenden Geschosshöhen sowie das regelmäßige Stützenraster ermöglichen flexibel nutzbare Büroflächen. Im Erdgeschoss entstanden großzügige Aufenthaltsbereiche mit einem zentralen Oberlicht sowie offenen Treppenanlagen und Gemeinschaftszonen. Naturstein, Sichtbeton, Holz und bronzefarbene Metalle greifen die Materialität des Bestands auf und ergänzen sie um zeitgemäße Innenausbauten. Für die nachhaltige Sanierung erhielt der Gebäudekomplex die Zertifizierung BREEAM Excellent. –sr

Bautafel

Architektur: HofmanDujardin, Amsterdam / Bilbao
Projektbeteiligte: KCAP, Rotterdam (Masterplan); Boelens de Gruyter, Amsterdam (Projektentwicklung und Projektmanagement); INBO, Amsterdam (Ausführungsplanung); Van Rossum Raadgevende Ingenieurs, Amsterdam (Tragwerksplanung); Nieman Raadgevende Ingenieurs, Utrecht (Technische Gebäudeausrüstung); Schüco International KG, Bielefeld (Aluminium-Fassadensysteme des Typs FWS 50 sowie Fenster-, Tür- und Schiebesysteme der Serien AWS 65 WF, ADS 65 HD, ADS 80 FR 30 sowie ASE 60); Compass Group, Amsterdam (Gastronomieberatung); Dura Vermeer Renovatie Midden West, Utrecht (Ausführung)
Bauherr*in: Round Hill Capital, Amsterdam
Standort: Nachtwachtlaan 20L, 1058 EA Amsterdam, Niederlande
Fertigstellung: 2023
Bildnachweis: Sebastian van Damme, Ronald Tilleman, Maarten Noordijk (Fotos); HofmanDujardin (Pläne)

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