Microgreens
Die essbare Stadt
Microgreens, auch Mikrogrün oder Grünkraut genannt, sind wortwörtlich winzige Pflanzen, nämlich Keimlinge, Sämlinge und Schösslinge, die nach einer sehr kurzen Zeit – üblicherweise zwischen etwa 7 Tagen und maximal 3 Wochen – geerntet und verzehrt werden. Die Bezeichnungen dieser sehr jungen Pflanzen variieren je nach Wachstumsstadium vom ersten Aufbrechen des Samens bis zur Ausbildung von wenigen Zentimeter hohen Stängeln mit Blättern. Als Microgreens eignen sich beispielsweise – in alphabetischer Reihenfolge – Amaranth, Brokkoli, Erbsen, Kresse, Linsen, Luzerne (Alfalfa/bestimmte Kleesorten), Mungobohnen, Radieschen, Rettich, Rote Beete, Senf, Sonnenblumen und Spinat.
Kultivierung
Für die Kultivierung von Microgreens werden die Samen in Erde, Substrat oder auf Vlies gelegt und dann feucht, warm und hell gehalten. Als Behälter dienen beispielsweise flache Gefäße und Schalen wie Anzuchtschalen, Töpfe von Fensterbank-, Balkon- und Wintergärten und Kleinstgewächshäuser, die auf tieferen Fensterlaibungen Platz finden. Für den professionellen Anbau werden Regale und Schränke bis hin zu sogenannten elektrisch betriebenen Wachstumsstationen mit LED-Lichtversorgung, konstanter Ab- und Zuluft als Klimakontrolle sowie Timern für die optimale Ernte genutzt. Diese Stationen sind somit eine Vorstufe zu Indoor-Farming und vertikaler Landwirtschaft.
Essbare Stadt, Urban Farming
Da die Microgreens auch aufgrund ihrer zeitlich sehr begrenzten Aussaat-, Wachstums- und Erntephasen wenig Platz beanspruchen, gelten sie als geeignete Komponenten für das Konzept der autarken urbanen Selbstversorgung und der sogenannten essbaren Stadt. Deren Relevanz steigt nicht nur angesichts von Kosten für den Transport von Lebensmitteln und der politisch-wirtschaftlichen Krisenanfälligkeit des globalen Handels. Weitere Faktoren sind die Auswirkungen des Klimawandels und das zunehmende Bewusstsein der Bedeutung einer nachhaltigen regionalen Versorgung. Zu diesem Prinzip zählen Indoor-Farmen wie beispielsweise die seit 2023 in Peking auf dem Campus der Chinesischen Akademie der Agrarwissenschaften betriebene Vertical Farm Beijing, in der neben Schränken für Microgreens auch Gemüsebeete angelegt sind und Obstbäume wachsen.
Kritik
Während Microgreens als vitamin- und mineralstoffreich, dabei kalorienarm sowie aufgrund ihres hohen Anteils an Antioxidantien als sogenanntes Superfood vermarktet werden, gibt es mehrere kritische Aspekte. Die sehr jungen Pflanzen werden geerntet, bevor sie selbst wiederum Samen für ihre Fortpflanzung erzeugen können. Somit entsteht kein natürlicher biologischer Zyklus, denn für die erneute Aussaat werden wiederum neue Samen benötigt.
Hygiene
Ein weiteres Problem ist die Anfälligkeit für Bakterien und Pilze sowie häufig für Schimmelbefall. Ein Menetekel war 2011 die massenhafte Infektion mit Ehec (Enterohämorrhagische Escherichia coli), einem Darmbakterium, das durch verunreinigte Bockshornklee-Samen übertragen wurde, so Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts (RKI). Der Infektionsausbruch führte zu über Tausenden Infizierten und mehreren Todesfällen. Das bedeutet, dass Microgreens, obwohl als frische rohe Gemüse geschätzt, wie bei allen Lebensmitteln der Einhaltung grundsätzlicher Hygieneregeln wie Überprüfen von Aussehen und Geruch, Waschen und ggf. Blanchieren bedürfen. -sj
Fachwissen zum Thema
Bauwerke zum Thema
Optigrün international AG | Kontakt +49 7576 772-0 | www.optigruen.de