Messenachbericht Cersaie 2025

Creme-Beige als vorherrschender Farbton bei mehr Ausstellern und weniger Publikum

Die Fliesen-Trendfarbe des Jahres zeigte sich auf der Cersaie vom 22. bis 26. September 2025 in Bologna nur subtil verändert, sie ist nur noch etwas heller und in der Textur ruhiger geworden: Cremetöne als hellste Beigenuance, mit deutlichem Gelbanteil und einem gebrochenen Weißton ähnelnd, waren an nahezu jedem Messestand der Weltleitmesse für keramische Fliesen zu finden. Im Unterschied zum Vorjahr sind Travertinoptiken kaum mehr unter den Neuheiten anzutreffen. Ihre erdige Wirkung ist indes geblieben, aber mit einer stilleren, neutraleren Wirkung.

Besucherminus: Volle Eingänge am Eröffnungstag täuschten nicht darüber hinweg, dass die Cersaie insbesondere bei ausländischen Besucher*innen einen leichten Rückgang zu verzeichnen hatte.
Neueste Modefarbe Cream: Wie bei dieser neuen Kollektion der zur Italcer-Gruppe gehörenden La Fabbrica Ava prägten cremefarbene Beigetöne allerorten das Messebild.
Moooi-typische Beleuchtungs- und Möbeldesigns: Die von Marcel Wanders für ABK entworfene Kollektion Nesting Room inszenierte die ABK-Gruppe auf einem großen Teil des Messestandes.

Möglicherweise geht der Trend allerdings demnächst wieder in eine sattere Richtung, wurde doch als Pantone-Farbe des Jahres unlängst der Farbton „Mocha Mousse“ (17-1230) gewählt, ein Behaglichkeit ausstrahlender warmer Braunton, der an den Genuss von Kakao, Kaffee und Schokolade erinnert. Im Interior Design auf dem Mailänder Möbelsalon ist das Braun bereits angekommen; erfahrungsgemäß folgen die Fliesen diesem Trend mit etwas zeitlichem Abstand.

Die beiden Hauptstichworte an den Cersaie-Messeständen lauteten in diesem Jahr „Multiformat“ und „Technologie“. Kaum ein Hersteller kommt ohne die modulare Vielfalt der quadratischen und rechteckigen Formate in seinen neuen Kollektionen aus. Ebenso war bei der Entstehung mindestens einer neuen Serie eine neue Technologie im Spiel, die sich zumeist auf dreidimensionale Strukturen oder besondere Oberflächeneffekte beziehen.

Nach dem Aus der spanischen Fliesenmesse Cevisama und den dementsprechend drei Monate vor dem Messestart ausverkauften Hallen in Bologna war für die 42. Auflage der Cersaie ein Besucher*innenzuwachs erwartet worden, der aber nicht stattfand. 627 gegenüber 606 Ausstellern in 2024, davon 343 aus dem Segment Fliese, erfreuten die Messegesellschaft, die eine Fläche von 155.000 m² (10.000 m² mehr als im Vorjahr) in 16 Hallen zur Verfügung stellte. Halle 19 wurde reaktiviert und war den Zubehör-Herstellern sowie der „Città della Posa“ (Stadt der Fliesen) der italienischen Fliesenleger-Vereinigung Assoposa gewidmet worden. Mit 94.577 Besucher*innen verzeichnete die Messe zwar – wie im Vorjahr – nur einen minimalen Rückgang um 0,8 % (95.321 in 2024); vergleicht man aber die Zahlen der aus Italien und der aus dem Ausland kommenden Gäste, dann verdeckt ein dreiprozentiges Plus der Italiener*innen (49.671 gegenüber 48.226 in 2024) den mit 4,6 % Minus verhältnismäßig starken Rückgang aus dem Rest der Welt (44.906 gegenüber 47.059 in 2024). 

Zum einen erschweren die jedes Jahr stattfindenden zahlreichen Streiks und Demonstrationen den Besucher*innen die Teilnahme an der Messe. In diesem Jahr gab es bereits am Eröffnungstag eine Demonstration und einen Generalstreik, der sogar die Taxis lahmlegte; am letzten Messetag kam es erneut zu Streiks im öffentlichen Nahverkehr. Zum anderen hat sich die Messe-Infrastruktur in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Zusätzlich führen wirtschaftliche Faktoren wie neue Importzölle, das aggressive Preisdumping mancher Länder und die trüben globalen Konjunkturaussichten dazu, dass das Interesse an der Messe weiter sinkt.

Erfolg und Misserfolg liegen dicht nebeneinander

Leider verschwinden immer mehr deutsche Anbieter aus den Cersaie-Hallen. Dies gilt nicht nur für die Fliesenhersteller wie die Deutsche Steinzeug (mittlerweile Solar Ceramics), Steuler (mittlerweile Panaria) oder Villeroy & Boch (mittlerweile Vitra), sondern auch für zahlreiche Zubehörlieferanten wie Sopro, Dural, Blanke, Proline oder Schlüter, wobei letztgenannte massiv unzufrieden mit dem Verhalten der Messegesellschaft und dem zugewiesenen Standort waren. Einzig verbliebener deutscher Fliesenhersteller ist Meissen Keramik, die so erfolgreich sind, dass sie nach der neuen Produktionslinie 2025 auch in 2026 erneut eine bauen, ihren Messestand auf der Cersaie gegenüber dem Vorjahr gleich einmal größenmäßig verdoppelt hatten und drei neue Serien vorstellten. Der Messeslogan „endless perfection“ verweist auf die neuen Oberflächen mit 3D-Effekten. Ein Beispiel hierfür: Die mit der digitalen Glue&Granilia-Technologie erstellte neue Kollektion Caldera, eine Kalksteininspiration im angesagten Multiformat.

Seit langem fordern die Hersteller einen Zwei-Jahres-Turnus der Cersaie oder zumindest vergünstigte Standgebühren. Stattdessen meint die Messe es sich erlauben zu können, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Kosten zu erhöhen und kleinere Aussteller zu zwingen, ihre Standflächen zu vergrößern, um überhaupt teilnehmen zu dürfen. Auch die Kosten für den Messebau sowie für früher kostenlose Serviceleistungen wie etwa Parkplätze im Freigelände steigen permanent.

Vor dem Hintergrund der guten Erfahrungen einiger großer italienischer Hersteller mit zeitgleich zur Cersaie durchgeführten Hausmessen und Kundenevents bleibt abzuwarten, ob der Besucherrückgang in 2026 (21. bis 25. September) nicht noch deutlicher ausfallen wird. Selbst wenn ich dann nicht mehr jährlich diesen Cersaie-Nachbericht schreiben könnte, plädiere auch ich für einen zweijährigen Messerhythmus: Dann hätten die Messeneuheiten des vergangenen Jahres in den Handelsausstellungen Zeit zu wirken und die Hersteller könnten mehr wirkliche Innovationen vorstellen als nur geringfügig modifizierte Farben, Oberflächen und Formate.

Das Schöne noch übertroffen

Dennoch gibt es auch in diesem Jahr wieder über einige spannende Neuheiten zu berichten. Allen voran hat sich die ABK-Gruppe vom international bekannten niederländischen Designer Marcel Wanders mit Nesting Room eine Aufsehen erregende neue Kollektion entwickeln lassen. Der Gründer und Kreativdirektor des Designstudios Moooi (holländisch mooi = schön, mit einem zusätzlichen o für das Schöne übertreffend) hat nach innovativen Möbeln, Sanitärserien, Leuchten und Teppichen seine erste Fliesenkollektion designt.

Auf der Messe wurde Nesting Room am ABK-Stand in drei Räumen von Moooi inszeniert, die die Themen Wohlbefinden, Meditation, Geborgenheit und Wärme in den Mittelpunkt stellen. Moooi-typische Beleuchtungs- und Möbeldesigns rundeten das Cersaie-Erlebnis ab. Marcel Wanders zeigte sich überrascht von der technischen Entwicklung keramischer Fliesen und den damit einhergehenden Designmöglichkeiten mit den verfügbaren XXL-Formaten, den haptischen Oberflächen und den 3D-Full Body-Technologien, die bei ABK und den anderen Herstellern, die über die entsprechenden Produktionsanlagen verfügen, immer besser werden und mittlerweile fast authentisch wirken.

Außergewöhnlich interessant war auch die Messepräsenz des italienischen Start-Ups Bulbo, dessen Produkte Schritt für Schritt auch in Deutschland erhältlich sind. Das Unternehmen kauft Rohlinge in den Formaten 280 x 120 cm und 300 x 100 cm bei den Herstellern Laminam (3 mm Stärke) sowie Florim (6 mm Stärke) und koloriert sowie glasiert diese zu eigenständigen Kollektionen. Einzigartig dürfte die 106 Unifarben umfassende Serie Solidum – die dunkelste heißt übrigens Haribo – sein. Kunden können eine Unifarbe auswählen und daraus ihr eigenes Design kreieren, indem sie sie mit einer der neun von Bulbo bereitgestellten Oberflächen kombinieren. Oder sie wählen zwei Unifarben aus und erstellen ein individuelles Design durch die Kombination mit zwölf unterschiedlichen Grafiken.

Auf der Cersaie zeigte Bulbo zudem mit Simsalabim und Cubo Magico auch zwei Kollektionen, die je nach Draufsicht ihre Farbe verändern. Und schließlich sei an dieser Stelle noch die Spiegelglas-Kollektion Fleur Narcotique erwähnt, die einen Garten aus Kupfer- und Messingblumen auf einer verwittert wirkenden Oberfläche präsentiert. Zur Nachahmung empfohlen: Um Kunden die Wahl anhand von Handmustern zu erleichtern, sind bei Bulbo die 12 x 30 cm großen Handmuster stets auf das komplette Plattenformat komprimiert; man sieht also nicht nur einen kleinen Teilausschnitt des Produktes seiner Wahl, sondern erhält die Gesamtwirkung. 

Quantität oder Qualität

Die weltweit größten Fliesenhersteller kommen heute aus Amerika (seit der Übernahme von Marazzi durch Mohawk Industries) und Asien. Größter Produzent Europas ist mittlerweile die spanische STN-Gruppe, die auf dem deutschen Markt sehr stark mit Preiseinstiegsserien in Baumärkten vertreten ist, aber auch den Fachhandel beliefert und mit dem Bau einer eigenen modernen Continua-Fertigungsanlage inkl. Polierstraße im vergangenen Jahr nun auch in den Markt für Riesenformate eingestiegen ist.

Einige spanische und die meisten italienischen Fliesenhersteller setzen weniger auf Quantität, sondern auf Qualität und kommen hinsichtlich ihrer Produktionsmengen nicht in die Top 25 der Rangliste. Das margenträchtigere und weniger konjunkturabhängige Geschäft mit technologisch anspruchsvoller Keramik im oberen Preissegment macht Gruppen wie ABK, Atlas Concorde, Iris Ceramica, Pamesa und Porcelanosa zu erfolgreichen Playern im weltweiten Vergleich.

Hier haben die großen Keramikplatten mit den daraus geschnittenen Unterformaten inzwischen die klassischen Fliesen übertrumpft. Nicht nur bei STN (siehe weiter oben), sondern auch bei Argenta, Cerdomus, Sant’Agostino und mehreren weiteren Herstellern laufen eine oder mehrere neue Continua+-Anlagen des italienischen Anlagenbauers Sacmi und produzieren Großplatten am laufenden Band. Die Materialstärken reichen von zwei und drei Millimeter (für Möbelverkleidungen) über sechs Millimeter (für Boden und Wand) bis zu zwölf und zwanzig Millimeter (für Küchenarbeitsplatten und andere Fertigprodukte). Letztere werden von immer mehr Anbietern mit einer sogenannten FullVein-Technologie offeriert, bei der wie im Naturstein die Oberflächentextur durch den gesamten Produktkörper geht. Auch wenn die Hersteller nicht müde werden, ihre Erfolge bei dieser Technologie zu feiern, überzeugen bisher nur wenige Dekore gänzlich.

Komplett neu am Start mit einer eigenen Marke für Küchenarbeitsplatten und andere Fertigarbeiten aus Keramik ist die italienische Gold Art Ceramica mit EkXstra. Export Area Manager Dirk Beels, der auch die in Deutschland bekannte Marke EnergieKer betreut, erklärte, dass das 163 x 324 cm große neue, 12 mm starke EkXstra-Format nicht über die normalen Fliesenhandelskanäle vertrieben werden solle, sondern im Wesentlichen über den Natursteinhandel und arrivierte Großverarbeiter. Ähnlich handhaben dies auch die anderen Hersteller, die ein Konzept des „Total Look“ verfolgen und ihre Kollektionen und Produktionsanlagen für unterschiedliche Stärken, Formate und Oberflächen nutzen, um damit Böden und Wände ebenso wie, Arbeitsplatten, Waschbecken und individuelle Möbel auszustatten.

Die derzeit größte Investition in Slabs (Großplatten) tätigt aktuell vermutlich die Atlas Concorde-Gruppe mit einer Erweiterung der Produktionsanlagen im italienischen Stammwerk, die zu einer Verdopplung der Produktionskapazität führen soll. Hinzu kommt ein neuer Logistik-Hub. Und schließlich will man auch der Iris Ceramica-Gruppe nacheifern und eine Fertigung mit grünem Wasserstoff errichten, um sich unabhängig von Gasimporten zu machen.

Smarte Keramik 

Ihre Rolle als Technologieführer untermauerte einmal mehr die Iris Ceramica-Gruppe: Mit Alchimia wird Keramik in einem Transformationsprozess zu einer lebendigen Oberfläche. Der italienische Hersteller hat die technologische Innovation des Luxusyachten-Ausstatters VBH mit den Keramikoberflächen der Marken der Iris Ceramica-Gruppe verschmolzen. Dabei werden Monitore und Audio-Video-Systeme hinter einer durchgehenden Keramikoberfläche verborgen. Während der Bildschirm auf Wunsch wie von Zauberhand gesteuert in der Fläche erscheint, bleibt das High-End-Soundsystem immersiv unterhalb der Keramik aktiv. Das komplette dynamische System inklusive der ausgewählten Keramik wird in mehreren Versionen als jeweils maßgeschneiderte Konfiguration für den Kunden entwickelt und ist bereits verfügbar.

Übrigens wurde Alchimia der Iris Ceramica-Gruppe bei den Performance Home Awards 2025 des Technology Designer Magazine während der Messe CEDIA Anfang September 2025 in Denver zum besten Smart-Home-Produkt gekürt.

Modernes Comeback traditioneller Herstellungsverfahren

Kleinformate und reine Wandfliesen-Kollektionen gibt es natürlich nach wie vor. Farblich und was die Texturen angeht, lässt sich kaum mehr ein Trend ausmachen, da jede Farbe und jede Optik angeboten wird. Hinsichtlich der Formate und der Strukturen indes lässt sich ein modernes Comeback von Majolika-, Terrazzo- und Ziegelformaten verzeichnen, kombiniert mit 3D-Strukturen, aktuellen digitalen Drucktechniken sowie den neuesten Glasuren. 

Ein Beispiel hierfür sind die in diesem Jahr von Imola erneut präsentierten Majolika-Wandfliesen-Kollektionen. Das Wort Majolika leitet sich ab von Mallorca, von wo das Kunsthandwerk der Herstellung nach Italien in die Region um Imola gelangte. Es handelt sich um bunt bemalte Keramik, die nach dem ersten Brand mit einer deckenden weißen Zinnglasur überzogen wird. In noch feuchtem Zustand wird die Keramik dann von Hand bemalt und erneut gebrannt. Der italienische Hersteller Imola steht in der Tradition dieser Kunstkeramik und hat sie nun wiederentdeckt. Darüber hinaus präsentierte die Cooperativa Ceramica d’Imola neue Kollektionen in Steinoptik, Holzoptik und mit Retina eine bunte Kollektion in 15 Farben. Andrea Cavina, den für den deutschen Markt zuständigen Imola-Area Manager freut dies, da „die Deutschen immer mehr nach Farben fragen“. Das habe ihn zwar zunächst gewundert, aber mit der neuen minimalistischen Kollektion im Multiformat habe er jetzt die richtige Antwort auf solche Anfragen. Wegen der gerade in Deutschland immer noch beliebten kleineren Formate gehe Imola selbst bei den nur sechs Millimeter dünnen Fliesen nicht ausschließlich ins Großformat, sondern biete wieder die Formate 60 x 30 cm und 60 x 60 cm an, so Cavina.

Terrazzooptiken haben wir in den letzten Jahren schon viele gesehen – die elf Farbstellungen umfassende neue Serie des Herstellers Cir aus der Gruppo Romani stellt aber eine sehenswerte Neuinterpretation des venezianischen Terrazzo dar, im Format 20 x 20 cm. Hinzu kommt noch, dass der italienische Anbieter in den elf Farben der Kollektion passende Unifliesen im angesagten Ziegelformat 6 x 25 cm anbietet.

Ebenfalls zur Gruppo Romani gehört heute der sardische Hersteller Cerasarda von der Costa Smeralda der Insel. Er ist spezialisiert auf sonnige Farben der Glasuren, raffinierte Dekorationen und herausragende lokale Handwerkskunst. All das zeigte Cerasarda auf der diesjährigen Cersaie unter dem Motto „Arte del lusso“ (Kunst des Luxus), beispielsweise bei der kleinteiligen neuen Kollektion Porto Rotondo.

Nicht fehlen dürfen schließlich die einfallsreichen neuen Kreationen der italienischen Keramikvisionäre von 41zero42 (nach der Postleitzahl benannter Firmenname). Die Bibliothek der vielfach kleinen – aber auch bis zu 50 x 100 cm und 60 x 120 cm reichenden – Wand- und Bodenfliesen umfasst mittlerweile ein beeindruckendes Spektrum. Der Jahr für Jahr spannend gestaltete Messestand kam dieses Mal in knallrot daher, unter dem Motto Chinatown. Ein abgetrennter und abgedunkelter Raum war am Boden und an der Wand jeweils zur Hälfte in leuchtendem Grün und Blau ausgelegt – mit stimmungsvollen Accessoires. Ein weiterer absoluter Hingucker war eine Reihe von Urinalen, befliest mit den Motiven der neuen Stories-Kollektion. Diese 10 x 10 cm kleinen Porzellanfliesen fügen sich wie Puzzleteile zusammen und enthüllen dabei vier unterschiedliche Geschichten desselben Buches, jeweils beginnend auf einem matten oder glänzenden weißen Untergrund.

Matt matters

Grundsätzlich gewinnen matte Oberflächen in allen Produktsegmenten weiter an Bedeutung, während glänzende und polierte Varianten nur noch in speziellen Marktbereichen unter den Neuheiten zu finden sind. Zudem spielen Lappato-Oberflächen eine wichtige Rolle – allerdings nur dann, wenn trotz der teilpolierten Verarbeitung eine hohe Rutschhemmung gewährleistet ist. Ein Beispiel hierfür stellt die neue Saloni-Kollektion Materia dar, deren digitale Soft-Technologie R10 B-Oberflächen mit teilpoliertem, Touch ermöglicht. Bei den matten Fliesenausführungen haben sowohl raue als auch samtige Oberflächen Konjunktur. Fiandre etwa brachte mit seinem neuen Lexicon-Programm eine Reihe neuer Farbstellungen heraus, die sowohl mit weicher naturrauer R9-Oberfläche als auch in R10 B mit den Hoch-Tief-Strukturen der NaturalPlus-Oberfläche verfügbar sind. Die Formate der 8 mm (und zum Teil 20 mm) starken Serien reichen von 60 x 60 cm über 120 x 60 cm bis 120 x 120 cm und bei einigen Farben bis 270 x 120 cm (in 6 mm Stärke). Herausragende Farbe: Ceppo Aragona, eine Replik des gleichnamigen italienischen Marmors in blassen Grün- und Beigetönen und unverwechselbarer brekziöser Textur.

Naturstein-Nachbildungen und originäre Oberflächen

Naturstein-Nachbildungen machen bei den Bodenfliesen – wie in den letzten Jahren bereits berichtet – den größten Teil der Neuvorstellungen aus. Immer häufiger sind hierbei Interpretationen des Brekzie-Sedimentgesteins zu sehen. Wie wir bereits im letzten Jahr berichtet hatten, handelt es sich bei den auf italienisch „Breccia“ genannten Steinen um eine Verbindung aus scharfkantigen, eckigen Gesteinsbruchstücken, sogenannten Klasten, die von einer feinkörnige Grundmasse verkittet sind. Diesjährige Neuheiten sind beispielsweise Breccia Sicilia und Breccia Capraia von La Fabbrica Ava, die neue Coem-Kollektion Medicea sowie die weiter oben bereits erwähnte Meissen-Neuheit Caldera. Der Breccia echte Medicea-Marmor wird seit der Römerzeit verwendet erhielt seinen Namen, als er im 16. Jahrhundert von der Medici-Familie zur Verkleidung und Dekoration zahlreicher Paläste in der Toskana ausgewählt wurde.

Eine dank der neuen Techniken mögliche interessante Kombination mehrerer Steinanmutungen stellt die neue Kollektion Blend der zur Italcer-Gruppe gehörenden Firma Bottega dar, eine Mischung aus Brekzie, Marmor und weichem, eleganten Schiefer. Das Material wird mit einer weichen, eleganten und matten sowie mit einer weiteren Oberfläche angeboten, die Hoch-Tief-Strukturen betont und eine Rutschhemmung R10 B aufweist. Immer häufiger aber erschaffen die Fliesendesigner auch originäre Oberflächen, die keinen Naturstein imitieren und dennoch über steinähnliche Texturen, Maserungen und dekorative Details verfügen. Beispiele hierfür sind die neue Kollektion Nyra von Atlas Concorde, entstanden aus der Zusammenarbeit des Herstellers mit Alberto Apostoli, einem der derzeit führenden italienischen Architekten und Designer im Segment Wellness-Architektur. 

Aber auch die neue Konzeptserie Core Tech von Pamesa überträgt laut Hersteller „die Essenz der Natur in moderne Architektur“. 8 Farben, 3 Designs und 3 Oberflächen ( R9, R10 B und R 11 C) sowie modulare Formate von 30 x 60 cm bis 120 x 120 cm eröffnen eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten. Das auf der neuen Continua+-Anlage der spanischen Pamesa-Gruppe gefertigte acht Millimeter dünne Material ermöglicht nach den Worten von Toni Gascó, dem Export Area Manager dank der Gravita-Technologie eine 3D Soft-Lappato-Oberfläche, über die bisher in der Branche einzig die Iris Ceramica-Gruppe verfüge. Bei Pamesa koste diese Oberfläche aber nur die Hälfte wie auch die anderen sechs neuen zur Cersaie vorgestellten Kollektionen preisgünstiger als beim Wettbewerb seien, so Gascó. Ziel seiner Gruppe sei es, sich technologisch auf einem Level mit den sechs, sieben besten italienischen Firmen zu bewegen, aber im Schnitt sechs bis acht Euro pro Quadratmeter günstiger als diese zu verkaufen. 

Minimalistische Kollektionen für die Architekturansprache

Da viele Fliesenhersteller die Zielgruppe der Architekt*innen in den Blick genommen haben, verlegen sie sich häufig auch auf besonders strenge, geradlinige, ruhige und farbschwache Kollektionen. Exemplarisch seien hier die neuen Kollektionen Materia von Saloni, Arketipo von Cotto d’Este und Frame von Living Ceramics genannt. Der letztgenannte spanische Hersteller entwickelte seine „Hommage an die zeitlose Schönheit nordischer Steine“ mit der unternehmenseigenen 3D Fit-Technologie, die Grafik und Relief perfekt aufeinander abstimmt um Oberflächen mit größtmöglicher haptischer und visueller Authentizität zu schaffen.

Eine interessante Information, die wir von Christian Barenca Nehr, dem Sales Area Direktor von Saloni erfuhren ist, dass der Vertrieb in die Ukraine trotz des Krieges läuft. Im hochwertigen Segment, etwa auch bei den großen Keramikslabs laufe das Geschäft sogar sehr gut, so dass man fast von einem Luxusboom in dem Land sprechen könne. Im Unterschied zu unserer westlichen Einschätzung der Lage, so Barenca Nehr, würden die im Land gebliebenen Ukrainer eher eine Jetzt-erst-recht-Einstellung entwickeln.
Im kommenden Jahr wird die Cersaie vom 21. bis 25. September stattfinden. Von uns dürfen Sie dann wieder den gewohnten umfangreichen Report darüber erwarten – auch wenn wir den Herstellern, Händlern, Verarbeitern, Ihnen und auch uns gerne einmal ein Ruhejahr gönnen würden. - Michael Spohr

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