Mehrfamilienhaus Résidence Pèiro in Gignac-la-Nerthe

Tragender Naturstein, klare Formen, regionale Identität

Was in Deutschland nach unvereinbaren Gegensätzen klingt, ist bei unseren französischen Nachbarn längst vielfach gebaute Realität (etwa hier, hier und hier): architektonisch anspruchsvoller, geförderter Wohnungsbau. Nun ist ein weiteres Beispiel außerhalb der Metropolen in der kleinen Gemeinde Gignac-la-Nerthe im Süden Frankreichs hinzugekommen. Das Büro Régis Roudil Architectes entwarf ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten, dessen Außenwände aus massiven Natursteinblöcken bestehen.

Das Grundstück liegt an der Spitze eines neu erschlossenen Wohngebietes am westlichen Stadtrand flankiert von der Ortseingangsstraße.
Die acht Wohneinheiten verteilen sich auf zwei unterschiedlich lange, quaderförmige Volumen mit je drei Geschossen. Zwischen den Volumen liegt ein offener Erschließungskern aus Treppen und Laubengängen.
Mit seiner klaren Formensprache und der Kombination aus massivem Naturstein, Holz und Beton fügt sich das Projekt selbstbewusst in die Umgebung ein.

Das Grundstück liegt an der Spitze eines neu erschlossenen Wohngebietes am westlichen Stadtrand flankiert von der Ortseingangsstraße. Dahinter befindet sich ein Feld, östlich und nördlich schließt das Wohngebiet an, das sich überwiegend aus kleinen Doppelhäusern zusammensetzt, die – wie Google Satellit offenbart – fast alle über einen privaten Pool verfügen; ganz savoir-vivre eben.

Kompakter Baukörper, weiter Blick

Die acht Wohneinheiten verteilen sich auf zwei unterschiedlich lange, quaderförmige Volumen mit je drei Geschossen. Zwischen den Volumen liegt ein offener Erschließungskern aus Treppen und Laubengängen. Alle Wohnungen verfügen über private Außenräume; entweder Balkone mit Westblick oder tiefe Loggien mit Südausrichtung und Aussicht auf das Nerthe-Massiv am Horizont. Die Außenraumkonstruktionen bestehen jeweils aus einer einfachen, vorgelagerten Holzstruktur, die mit der Zeit vergrauen und dann einen Kontrast zu der sandfarbenen Steinfassade bilden wird. Die Grundstücksränder sind als Grünflächen gestaltet und wurden mit jungen Laubbäumen bepflanzt.

Regionales Natursteinmauerwerk

Das tragende Natursteinmauerwerk verleiht dem Projekt seine Identität und verankert es historisch in der Region, deren Altstädte sich durch ihre Natursteinbauten auszeichnen. Auch das Material für die Résidence Pèiro stammt aus einem nahegelegenen Steinbruch. Die massiven, bis zu 32 cm dicken Steinquader wurden mit einem Greifkran versetzt und zu einem einfachen Mauerwerksverband zusammengefügt, um möglichst wenig Verschnitt zu erzeugen. Die Fugen sind mit gleichfarbigem Kalkmörtel verschlossen, was der Fassade ein homogenes und elegantes Erscheinungsbild verleiht.

Bohrkern wird Ornament

Mittels Bohrungen wurden vertikale Betonanker in die Steinblöcke eingezogen, um die aktuellen Erdbebenvorschriften zu erfüllen. Die zylindrischen Bohrkerne wurden nicht etwa als Abfallprodukt betrachtet, sondern zu einem kunstvollen Gitterwerk, ähnlich einem Maschrabiyya, zusammengesetzt, das nun den Lichteinfall vor dem Gemeinschaftsraum filtert.

Zum Schutz vor aufsteigender Feuchtigkeit ruht das Mauerwerk auf einem 90 cm hohen Betonsockel, der das Gebäude visuell und statisch im Gelände verankert. Auch die Geschossdecken wurden aus Beton gefertigt.

Mit seiner klaren Formensprache und der Kombination aus massivem Naturstein, Holz und Beton fügt sich das Projekt selbstbewusst in die Umgebung ein und zeigt, wie regionale Materialien und zeitgemäßer Wohnungsbau eine überzeugende Einheit bilden können.

Bautafel

Architektur: Atelier Régis Roudil Architectes, Marseille
Projektteam: Charles Lacroix (Projektleitung), Jonathan Benyamine (Bauüberwachung)
Projektbeteiligte: I2C, Marseille (Statik); AD2i Ingénierie, Marseille (TGA); BET B2C, Marseille (Bauleitung)
Standort: Avenue de la Méditerranée, 13180 Gignac-la-Nerthe, Frankreich
Fertigstellung: 2021
Bildnachweis: Agathe Rosa – HIGO

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