Mehrfamilienhaus in Berlin-Grünau

Nachhaltigkeit trifft auf zeitgemäßes Wohnen

Freistehende, moderne Mehrfamilienhäuser in gehobener Wohnlage werden heutzutage oftmals als Stadtvillen vermarktet. Eine solche wurde nach Plänen des Büros Peter Ruge Architekten nun in Berlin-Grünau realisiert. Das Gebäude, das sich durch eine klare Linienführung auszeichnet, umfasst fünf Wohneinheiten mit insgesamt 422 Quadratmetern Wohnfläche. Um die Umweltbelastung zu minimieren, setzen die Planenden auf eine nachhaltige Konstruktionstechnik sowie eine effiziente Energieerzeugung.

In dem Gebäude befinden sich fünf Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 422 Quadratmetern.
Konstruktiv besteht das Haus aus elementierten Betonwänden mit Blähtonzusatz.
Die beiden Wohneinheiten im Erdgeschoss sind barrierefrei.

Ein ruhiges, grünes Umfeld am Ufer der Dahme prägt den Stadtteil Berlin-Grünau im Bezirk Treptow-Köpenick, der zudem von einer guten Anbindung an die Berliner Innenstadt profitiert. Der kubische Neubau befindet sich auf einem Grundstück an einer kleinen Straßenkreuzung und ersetzt ein Einfamilienhaus, das hier zuvor stand. Er umfasst zwei Vollgeschosse plus Staffelgeschoss. Drei Eingänge führen ins Innere: Zwei Haustüren ermöglichen den direkten Zugang zu den barrierefrei gestalteten Wohnungen im Parterre, der dritte Eingang erschließt die beiden Wohnungen im ersten Obergeschoss sowie die Wohnung im Staffelgeschoss.

Flächenoptimierter Wohnraum

Die Grundrisse der Wohneinheiten sind flächenoptimiert gestaltet. Statt die Räume über langer Flure zu erschließen, ist jede Wohnung um einen zentralen Kern herum aufgebaut. Dieser Kern nimmt auf allen Etagen die Badezimmer sowie die Küchen oder Ankleideräume auf. Dadurch wird der zur Verfügung stehende Raum gut genutzt und die Bewohner*innen können ihre Wohnung flexibel an ihre Bedürfnisse anpassen. Durch ein aus der Fassadenebene herausgeschobenes Panoramafenster in der Staffelgeschosswohnung eröffnet sich ein freier Blick auf den südlich angrenzenden Grünauer Wald. Gärten, Balkone und Dachterrassen erweitern den jeweiligen Wohnraum.

Passiver Wärmeschutz und reduzierter Materialbedarf

Konstruktiv besteht das Haus aus elementierten Betonwänden mit Blähtonzusatz. Durch Blähton als Zuschlagstoff in Betonmischungen können leichtere und dennoch robuste Bauelemente hergestellt werden, was den Gesamtmaterialverbrauch reduziert. Zusätzlich bieten die Wände aufgrund der Porenstruktur des Blähtons eine gute Wärmedämmung. Dies reduziert den Wärmeverlust und senkt den Energieverbrauch. Die Leichtbetonwände stehen auf einer massiven Bodenplatte, für die Deckenkonstruktion kamen Hohlkammerfertigdecken zum Einsatz. Der Rohbau wurde innerhalb von 14 Tagen abgeschlossen. Die Außenwände wurden nicht verputzt, sondern nur gespachtelt und in einem beigegrauen Farbton gestrichen.


Regenerative Energieversorgung

Das Energiekonzept des Gebäudes basiert auf der Nutzung ausschließlich regenerativer Energiequellen. Die Beheizung erfolgt durch eine Erdwärmepumpe, die die erzeugte Wärme über eine Fußbodenheizung an die Räume abgibt. Zudem wird mithilfe einer Lüftungsanlage die Wärme aus der Abluft der Wohnungen zurückgewonnen und zur Raumbeheizung genutzt. Das Dach des Gebäudes ist vollständig mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, die nicht nur den Eigenbedarf deckt, sondern überschüssigen Strom ins öffentliche Netz einspeist.

Alle diese Maßnahmen waren bereits in der Planung daran ausgerichtet, dass das Gebäude den Energiestandard eines KfW-Effizienzhauses 40+ erfüllt. In Zahlen bedeutet das: Der Endenergiebedarf bzw. Jahres-Primärenergiebedarf beträgt 23 kWh/(m²*a) für die Wärmeversorgung (ohne Haushaltsstrom), während die Eigenstromerzeugung etwa 10.000 kWh pro Jahr erreicht. Die bilanzierte Autarkierate beim Heizungsstrom beträgt 55 %, die Lebenszyklusanalyse des Global Warming Potential (GWP) ergab einen Wert von 0 kg CO₂/(m²(BGF)*a). Bezüglich der Verwendung von erneuerbaren Energien übererfüllt das Gebäude das GEG mit 475 %.

Bautafel

Architektur: Peter Ruge Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: CAALA, München (Energieberatung); Frick + Petersen, Flensburg (Tragwerk); wbs3architekten, Berlin (Bauleitung LPH 8)
Bauherr*in: N.N.
Fertigstellung: 2023
Standort: Ammerseestrasse 44-46, 12527 Berlin-Grünau
Bildnachweis: Janina Heppner, Berlin

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