Mediterrane Gärten von La Hoya Park in Almería

Behutsame Landschaftsarchitektur

Die öffentliche Parkanlage Jardines Mediterráneos de la Hoya verbindet behutsame Stadt- und Raumplanung mit der Restauration historischer Landschaften. Das im südspanischen Almería gelegene Projekt des andalusischen Büros KAUH Architekten ging aus einem öffentlichen Wettbewerb im Jahr 2009 hervor. Aufgrund der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und den schweren Folgen für die spanische Wirtschaft konnte das Bauvorhaben zunächst nicht realisiert werden. Erst elf Jahre später konnte das Projekt mit Mitteln der EU wiederaufgenommen werden. Ende 2023 wurde der Park eröffnet.

Die Festungsmauer von Jayran.
Die bestehenden Terrassen wurden in ihrer topografischen Struktur erhalten.
Der Schutz der Überreste erfolgt durch das Auffüllen mit einer 300 bis 600 mm dicken Sandschicht.

Die Geschichte der Schlucht

La Hoya ist eine Schlucht am Rande der Altstadt von Almería. Sie liegt zwischen den Hügeln der Alcazaba und San Cristóbal und wird von der Festungsmauer von Jayrān durchzogen. Im Hochmittelalter hatte sich hier ein Stadtviertel etabliert, das später jedoch aufgegeben wurde. In der Folgezeit blieb die Schlucht lange unbebaut, wurde aber landwirtschaftlich und für die Viehhaltung genutzt. Erst im 19. Jahrhundert ermöglichten hydraulische Arbeiten am Kanal von San Indalecio die Errichtung eines Bauernhofs. Um die Hänge bewirtschaften zu können, wurden die in Almería üblichen Paratas (Anbauterrassen) und Balates (Umfassungsmauern) angelegt. Die Bewässerung der Terrassen und des Tals erfolgte durch ein System von Teichen und Kanälen. Als ab Ende des 20. Jahrhunderts die landwirtschaftlichen Terrassen nicht mehr genutzt wurden, verwandelte sich das verlassene Gebiet in eine ausgedehnte informelle Mülldeponie.

Die archäologische Intervention

Die anfängliche Aufgabe der Landschaftserneuerung bestand darin, den über Jahre hinweg angesammelten Schutt in der alten Schlucht und ihren Hängen zu entfernen. Durch diesen Prozess wurde allmählich die natürliche Form des Geländes sowie die darunter liegenden historischen Schichten freigelegt. Während dieser Phase kamen archäologische Überreste des mittelalterlichen andalusischen Stadtviertels Bab Musa sowie die landwirtschaftlichen Terrassen zum Vorschein. Da die komplette archäologische Ausgrabung sehr hohe Kosten verursacht hätte, wurde darauf verzichtet. Stattdessen erfolgte der Schutz der Überreste durch das Auffüllen mit einer 300 mm bis 600 mm dicken Schicht lokalen Sands. Mithilfe eines Bodenradars wurden archäologisch sensible Bereiche identifiziert, um sie vor invasiven konstruktiven Eingriffen zu schützen und geeignete Stellen für die Anpflanzung von Bäumen zu finden.

Architektonische und hydraulische Eingriffe

Die bestehenden Terrassen wurden in ihrer topografischen Struktur erhalten, wobei lediglich die Mauern durch das Hinzufügen zusätzlicher Steine und Kalkmörtel restauriert wurden. Zur Verbesserung der Zugänglichkeit wurden neue Treppen und Rampen aus massivem Stein errichtet, die zu den verschiedenen Ebenen und Aussichtspunkten führen. Entlang der Terrassen wurden von Bäumen gesäumte Wege angelegt und kleine Rastplätze geschaffen. Sämtliche verwendeten Steine für dieses Projekt stammen aus örtlichen Steinbrüchen – angefangen von den Mauern über die Wasserspeier und -becken bis zu den Pflastersteinen für Böden, Rampen und Treppen.

Neben den architektonischen Maßnahmen wurde auch das Netzwerk von Wasserkanälen sowie die zwei Wasserreservoirs restauriert, die einst für die Bewässerung der Pflanzen auf den Terrassen angelegt worden waren. Das obere Reservoir dient nun als Hauptwasserspeicher, das untere versorgt das aktuelle Bewässerungssystem des Parks. Darüber hinaus tragen mehrere Umleitungskästen und Becken zur Regulierung des Wasserflusses bei.

Begrünungskonzept

Die Pflanzenauswahl umfasst Bäume, die traditionell in der Landwirtschaft der Region verwendet werden, sowie heimische Sträucher, krautige Pflanzen und kosmopolitische Arten aus dem halbtrockenen Mittelmeerraum. Eine der charakteristischsten Pflanzen der Gegend ist der Rote Dorn (Maytenus senegalensis), eine endemische und geschützte Art. Sämtliche vorhandene Arten wurden bewahrt, neue wurden integriert.

Subtile Beleuchtung

Die behutsam in den Park integrierte Belichtung schont Flora und Fauna sowie die nächtliche Umgebung. Statt vieler starker, invasiver Laternen und anderen Lichtelementen entwickelten die Architekt*innen ein vollständig verborgenes Beleuchtungssystem. Hilfreich war hier der Verweis auf den Schutz des kulturellen Erbes. Die niedrigen Leuchten sind nicht sichtbar unter den Geländern befestigt.

Didaktische Gestaltung

Zudem wurde eine didaktische Ebene in die Parkgestaltung implementiert. Informative Schilder ermöglichen es den Besucher*innen, den Park zu durchqueren und das Palimpsest der enthaltenen Landmarken zu identifizieren. Darunter natürliche, architektonische und hydraulische Überreste. Die Schilder weisen auf die ursprünglichen Balate hin, auf bestimmte Pflanzen und Bäume, die sich im Laufe der Jahre durchgesetzt haben, auf Überreste der Mauer von Jayrán, auf die Fundamente der Rebstöcke oder auf die Umleitungskästen und Becken für die Regulierung des Wassers.

Die Interventionen von KAUH Architekten in dieser historisch bedeutsamen Landschaft sind minimal und gleichzeitig hochspezifisch. Insgesamt ist diese äußert behutsam konzipierte Parkanlage ein sehr überzeugender Vorschlag, in welcher Weise Begrünung in urbanen Räumen trotz allgemeiner Trockenheit, langen Dürreperioden und hoher Sonneneinstrahlung erhalten werden kann.

Bautafel

Architektur: KAUH Arquitectura y Paiajismo (Vincent Morales Garoffolo & Juan Antonio Sánchez Muñoz)
Projektbeteiligte: Rafael Suárez (Agraringenieur), Lorena González Romero, Gustavo Corredera, María Concepción Garrido (Bauingenieure), Sevillano Ballester (Archäologe), Joaquín Morales Garoffolo (Biologe)
Bauherr*in: Ayuntamiento de Almería
Standort: Almería, Spanien
Fertigstellung: 2023
Bildnachweis: Fernando Alda

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