Medienzentrum Frame in Brüssel
Stahltragwerk zur Schau gestellt
Medien, Audiovisuelles und Kommunikation – auf diesen drei Pfeilern stützt sich eine von der Region Brüssel-Hauptstadt und dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) geförderte Quartiersentwicklungsmaßnahme in der kosmopolitischen und aufstrebenden Brüsseler Gemeinde Schaerbeek nördlich der Innenstadt. Dort entsteht noch bis 2030 ein Medien- und Kulturareal auf circa 20 Hektar Fläche. Ein Meilenstein konnte bereits Ende 2025 eröffnen. Das Bauwerk mit Namen FRAME bildet einen markanten Auftakt an der Ecke Boulevard Auguste Reyers und Rue Colonel Bourg.
Auf 8.500 Quadratmetern verteilen sich Räume für den regionalen Fernsehsender BX1 als Ankernutzer, ein mediales Trainingszentrum, ein Filmförderprogramm, ein non-profit Videobildungszentrum, Co-Working-Bereiche und ein Geschäftszentrum sowie gemeinsame Infrastruktur. Das Ziel im Gebäudeentwurf der Architekturbüros Baukunst aus Brüssel mit Bruther aus Paris war es, so flexible Flächen wie möglich zu generieren. Dies hat direkten Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild. Denn Tragwerk und Versorgung sind schlichtweg externalisiert.
Gitterartiges Exoskelett
Der Riegelbau erinnert an den Stil der High-Tech-Architektur samt ihren expressiven, nach außen gekehrten Elementen. So sind im Brüsseler Projekt etwa Erschließung und Versorgungsschächte in siloförmigen Volumen oder als markante Rohre ausgelagert. Charakteristisch für das Gebäude ist aber ein südseitiges Exoskelett in einer gitterförmigen Struktur.
Das außenliegende Tragwerk besteht aus einem Stahlrahmen, der
sich aus rechteckigen Stahlprofilen zusammensetzt. Dieses wird von
einer dreidimensionalen Gitterkonstruktion ergänzt, die Zug- und
Druckprofile beinhaltet. Wie die Ingenieure des beauftragten Büros
Bollinger+Grohmann erklären, trägt die an der Südfassade
ausgelagerte Konstruktion innen die Decken, die bis zu 15 Meter
weit spannen. Nordseitig tragen vorgefertigte, T-förmige
Betonelemente die Kräfte ab. Die Decken selbst sind als System aus
Stahl- und Beton-Fertigteilen errichtet.
An die jeweilige Ausrichtung angepasste Fassadengestalt
Innen bleibt Platz für sämtliche Raumkonfigurationen, wie die Architektenteams erklären. Struktur, Hülle und Innenausbau würden als unabhängige Schichten fungieren, die im Rahmen ihres eigenen Material- und Lebenszyklus agieren und flexibel anpassbar sind. Die Fassaden reagierten außerdem auf das jeweilige Gegenüber. Die geschlossenere Front nach Norden ist eine Antwort auf die dichter bebaute Umgebung innerhalb des Mediaparks. Die nach Süden ausgerichtete Fassade ist mit dem markanten Tragwerk, großflächiger Verglasung und Verschattungselementen eine urbane Leinwand der belebten Nachbarschaft und Infrastruktur. Über die Ostseite wird das Gebäude erschlossen. Ein großzügiger Vorplatz und eine zweigeschossige Lobby bilden dabei die Schnittstelle zwischen dem städtischen Raum und der möglichst transparenten medialen Nutzung auf den weitläufigen Geschossen. -sab
Bautafel
Architektur: Baukunst, Brüssel (lead); Bruther, Paris (associate)
Projektbeteiligte: Bollinger+Grohmann (Tragwerksplanung); Bureau d'étude Pierre Berger (Technischer Ingenieur); Kahle Acoustics (Akustikplanung); Landinzicht (Landschaftsplanung)
Bauherr*in: Société d'Aménagement Urbain – SAU-MSI.brussels
Standort: Blvd Auguste Reyers 84, 1030 Schaerbeek, Belgien
Fertigstellung: 2025
Bildnachweise: Séverin Malaud, Maxime Delvaux, Filip Dujardin (Fotos), Bruther, Baukunst (Pläne)