Mausoleum Thomas Sankara in Ouagadougou

Ziegelkonstruktion aus Lehm- und Lateritsteinen

Im Oktober 1987 wurde Thomas Sankara, damaliger Präsident des westafrikanischen Landes Burkina Faso, bei einem Putsch gemeinsam mit zwölf seiner engsten Vertrauten in seinem Amtssitz hingerichtet. Sankara gilt bis heute als panafrikanischer Revolutionär – in seiner kurzen Amtszeit von vier Jahren gelang es dem jungen Anti-Imperialisten soziale und ökonomische Reformen auf den Weg zu bringen. Das 14 Hektar große Gelände im Zentrum Ouagadougous, auf dem sich der Amtssitz des Nationalen Revolutionsrates befunden hat, wird derzeit zu einem großen, öffentlich zugänglichen Erinnerungs- und Kulturareal transformiert.

Das Mausoleum befindet sich gleich am Anfang des Grundstücks. Organische Wege führen durch die 14 Hektar große Fläche.
Der Empfangspavillon ist aus dem gleichen, regionalen Backstein gefertigt, wie das Mausoleum. Ein Filtermauerwerk lässt Einblicke in den Park zu.
Das weit auskragende Dach des Pavillons wird durch eine lebendige Unterkonstruktion aus bunt bemalten Holzstäben betont.

Von der Residenz zum Gedenkpark

Den Auftrag für das Großprojekt erhielt das Büro des in Berlin lebenden Architekten Francis Kéré, der ebenfalls aus Burkina Faso stammt. Neben dem im Mai 2025 fertiggestellten Empfangspavillon sowie dem Mausoleum, das Sankaras Überreste und die der mit ihm Ermordeten aufnimmt, sollen verschiedene öffentliche Einrichtungen entstehen – darunter Kultur- und Bildungseinrichtungen, Ateliers, Einkaufsmöglichkeiten sowie Restaurants.

Der Haupteingang zum Park liegt an der östlich vorbeiführenden Avenue du Burkina. Ein eingeschossiges Gebäude empfängt die Besucher*innen. Es schlängelt sich entlang der Grundstücksgrenze und macht durch seine detailliert ausgearbeitete Ziegelfassade und das weit auskragende Dach auf sich aufmerksam. Unter der einfachen Dachkonstruktion aus Stahlschwertern und Trapezblech befindet sich eine bunte bemalte Unterkonstruktion aus Rundhölzern. Die Abstände zwischen den Hölzern lassen das Dach leicht und durchlässig wirken. Hat man den Empfangspavillon passiert, kommt man direkt auf das Mausoleum Thomas Sankaras zu.

Zeremonielles Lichtspiel

Das Mausoleum bildet das zeremonielle Zentrum des Parks. Es zeichnet sich durch seinen mandelförmigen Grundriss und eine strahlend rote Ziegelfassade aus. Der thermischen Ziegelhülle ist eine weitere Hülle aus 13 keilförmigen Mauerwerksstützen vorgesetzt – eine für jeden Leichnam. Zwischen den beiden Ziegelhüllen entsteht ein schattiger Zwischenrauem, ähnlich einer Kolonnade, der zum Verweilen einlädt. Schautafeln informieren über den Ort.

An den Polen des Gebäudes im Osten und Westen führt jeweils ein Eingang in das Innere des Mausoleums. Der 450 Quadratmeter große Raum liegt um ein halbes Geschoss zum Eingangsniveau herabgesetzt und schafft so einen geborgenen Ort, der die Schwelle zwischen Leben und Tod symbolisiert.

Die Sarkophage reihen sich konzentrisch um die Mitte des Raumes. An der gekrümmten Rückwand wachsen keilförmige Grabplatten empor und enden jeweils unter einem schmalen Oberlicht. Die 13 Oberlichter lassen ein zeremoniell wirkendes Lichtspiel entstehen, denn je nach Sonnenstand wird ein anderes der Grabmäler beleuchtet.

Natürliche Klimatisierung

Eine Kuppel mit einem Durchmesser von 34 Metern schließt das Gebäude nach oben ab und schützt den Raum vor der intensiven Sonneneinstrahlung. Die Öffnung der Fassade sowie die Ost-West-Ausrichtung sorgen für eine stetige Luftzirkulation im Innenraum, so wird die Innenraumtemperatur auf natürliche Weise reguliert. 

Regional geschöpft und hergestellt 

Ganz nach den Vorstellungen Sankaras wurden für die Errichtung des Gebäudes lediglich regional gefertigte Baumaterialien wie Lehm- und Lateritsteine verwendet. Die äußere Fassadenschicht mit ihren nach unten spitz zulaufenden Mauerwerksstützen besteht aus nur einer Schicht Ziegeln und wirkt enorm filigran. Die Steine der inneren Fassade wurden im Schleppenden Läuferverband verlegt, dessen rhythmische Ordnung durch die unregelmäßige Ziegelform und die gleichfarbigen Mörtelfugen aufgelöst wird.

In den Plänen Kérés zieht sich der Ziegel wie ein roter Faden durch die Planung des Grundstücks: Nicht nur die Gebäude, sondern auch der Bodenbelag soll mit dem regionalen Backstein umgesetzt werden. So wirkt das Ensemble nicht nur als architektonische Einheit, sondern repräsentiert auch die Philosophie seines Namensgebers. -sm

Bautafel

Architektur: Kéré Architecture, Berlin 
Projektbeteiligte: Prestige Multi Service SARL, Ouagadougou (Subunternehmer) 
Bauherr*in: Ministerium für Kultur, Kunst und Tourismus Burkina Faso
Standort: 9FGR+QR8, Ouagadougou, Burkina Faso
Fertigstellung: 2025
 
Bildnachweis: Kéré Architecture, Berlin

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