Mausoleum des Martyriums in Michniów

Gebäudeskulptur aus zweischaligen Sandwichwänden

Michniów, ein Straßendorf auf halbem Weg zwischen Krakau und Warschau, wurde im Zweiten Weltkrieg unter der deutschen Besatzung vollständig ausgelöscht. Bereits seit 1945 mahnen ein Massengrab, eine Skulptur und ein Erinenrungshaus an die Taten der Wehrmacht. Nun ist ein langgestreckter Bau hinzugekommen, der Gedenkstätte und Museum zugleich ist: das Mausoleum des Martyriums.

Blick aus dem Inneren des sich auflösenden, skulpturalen Baus
Die raue Holzstruktur der Oberflächen wurde durch mit Walzschablonen aufgetragenen, speziellen Putz erzielt
Das langgestreckte Betongebäude ist Gedenkstätte und Museum zugleich

Der Warschauer Architekt Miroslaw Nizio (Nizio Design International) gewann 2009 den Wettbewerb zur Neugestaltung des Ensembles, die in fünf Bauabschnitten zunächst eine Einfassung, ein Servicegebäude, Parkplätze, Pfade durch das Gelände, das Museum selbst und abschließend die Verbindung zwischen diesem und dem Grab einschließt. Die tragische Geschichte des Dorfs, das stellvertretend für viele steht, übersetzt Nizio in ein mehrteiliges, skulpturales Gebäude. Es nimmt äußerlich die Form traditioneller Hütten auf und zeichnet durch immer breiter werdende Lücken zwischen den Gebäudeabschnitten und sich auflösende Bauteile einen allmählichen Zerfall nach. Die elfte und letzte „Hütte“ hat sich fast vollständig aufgelöst. Die Symbolik des Vergänglichen, Irritierenden wird durch kippende Wandflächen und steile Dächer gestärkt.

Der Museumsparcour führt durch eine 1.700 Quadratmeter große Dauerausstellung und informiert über Themen wie die polnische Widerstandsbewegung, die Deportationsgeschichte oder die Rettung von Juden durch polnische Mitbürger. Weitere 270 Quadratmeter stehen für Wechselausstellungen zur Verfügung. Die Räume in den fünf ersten, „festen“ Abschnitten sind teilweise in das abschüssige Grundstück eingegraben.

Gerüste und Schalungen
Trotz der Zerklüftungen wird die Gebäudeskulptur als zusammenhängend wahrgenommen, denn alle sichtbaren Oberflächen der zweischaligen Sandwichwände haben eine raue Holzstruktur. Die ist nicht einfach nach dem Ausschalen übriggeblieben, sondern wurde durch Walzschablonen und einen speziellen Putz erzeugt. Für die Betonbauer bedeutete das, zuvor für gleichbleibend glatte Oberflächen zu sorgen.

Die ungewöhnlichen Geometrien der Wände von bis zu 150 Zentimetern Dicke und Neigungen der Dächer von 40 bis 50 Grad erforderten eine maßgeschneiderte Kombination aus Rahmenschalung und Traggerüst – dabei blieb die Anzahl von Sonderschalungen sehr gering. In die Sandwichwände ist die Dämmung und auch die Technik unsichtbar integriert.

Bautafel

Architekten: Nizio Design International, Warschau
Projektbeteiligte: Peri, Płochocin (Schalung, Traggerüste); Firma Budowlana Anna-Bud, Morawica 
Bauherr: Heimatmuseum Kielce
Standort:
DW751 38, 26-130 Michniów, Polen
Fertigstellung: 2016
Bildnachweis: Nizio Design International / Lech Kwartowicz, Warschau und Peri, Weißenhorn

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