Maria-Ward-Schule in Nürnberg

Closed-Cavity-Fenster mit Sonnenschutzbeschichtung

Ein undichtes Dach, Schimmel an den Wänden, zugige Fenster: Diese Beschreibung trifft auf viele Schulgebäude in Deutschland zu. Auch auf die Maria-Ward-Schule aus dem Jahr 1961 in Nürnberg. Statt Sanierung entschied sich die Erzdiözese Bamberg 2016 für den Abriss des maroden Baus. An seiner Stelle entstand 2022 ein Ersatzneubau nach Plänen von H2M Architekten, der den Schülerinnen der Mädchen-Schule einen zeitgemäßen pädagogischen und architektonischen Rahmen für ihre Ausbildung bieten soll.

 Der Neubau trägt eine hinterlüftete Vorhangfassade aus großformatigen Betonfertigteilen und sogenannten Closed-Cavity-Fenstern.
Dem Beton wurde als Zuschlag der Abbruchklinker des Vorgängerbaus beigemischt.
Den Eingang markiert ein Versatz im Sockelbereich, der mit einer Verkleidung aus Messing zum rauen Beton kontrastiert.

Erhalten und saniert wurde das ehemalige Konvent, in dem die Maria-Ward-Schwestern bis heute wohnen. Im Erdgeschoss befindet sich nun die Küche und die schuleigene Mensa. Über einen verglasten Gang sind Alt- und Neubau miteinander verbunden. Der drei- bis viergeschossige Neubau nimmt die verschiedenen Funktionsbereiche auf, darunter 65 Klassenzimmer, Fachräume, einen Fachlehrsaal, eine Lehrerbibliothek, Verwaltungs- und diverse Technikräume sowie einen Musikbereich. Integriert sind außerdem eine Ganztagsschule, eine vielfältig nutzbare Aula und eine Dreifachsporthalle im Untergeschoss.


Zeitgemäße Räume für die Bildung

Typologisch erinnert das kompakte Schulgebäude an klassische Klosterbauten. Ein großzügiger Innenhof dient als geschützter Pausenhof für die Schülerinnen. Durch die Positionierung des Bauwerks auf dem östlichen Teil des Grundstücks blieb im Westen Platz für einen weiteren Pausenhof und Sportflächen. Herz des pädagogischen und architektonischen Konzepts ist ein lichtdurchflutetes Atrium mit ovalem Oberlicht im nördlichen Gebäudetrakt. Als freier Lernbereich konzipiert, führt von hier eine skulpturale, gewendelte Haupttreppe in die oberen Geschosse.


Die Klassenräume sind entlang der Fassaden angeordnet und geschossweise gestapelt; der Bereich zwischen Atrium und Klassenzimmer sowie zum Innenhof bietet viel Platz zum Spielen oder dient als Rückzugsort zum konzentrierten Lernen – zum Teil mit Ganzglastrennwänden abgeschlossen. Mit ihm lassen sich aber auch die Klassenräume erweitern. Die unterschiedlichen Schulformen – Grundschule, Realschule und Gymnasium sind räumlich nicht voneinander getrennt, sodass sich alle Schülerinnen in diesem Bereich vernetzen können.


Closed-Cavity-Fassade

Der Neubau hat eine hinterlüftete Vorhangfassade aus großformatigen Betonfertigteilen – denen als Zuschlag der Abbruchklinker des Vorgängerbaus beigemischt wurden – und je 3 x 6 Meter großen Closed-Cavity-Fenstern (CCF). Diese spezielle Variante des Doppelfensters weist eine hermetisch abgeschossene Kammer zwischen äußerer und innerer Scheibe auf. Dadurch sind CCF vergleichsweise wartungsarm, da Scheibenzwischenraum und Sonnenschutz vor Witterung und Verschmutzung geschützt sind. Dem geschlossenen Zwischenraum wird dabei mit leichtem Überdruck getrocknete und gereinigte Luft zugeführt, was die Ablagerung von Kondensat oder Schmutz verhindert. Jeweils links neben den Fenstern wurden Lüftungsklappen aus Echtmessing für die Frischluftversorgung integriert. Für die Belüftung der Klassenräume selbst wurde zudem ein dezentrales System entwickelt, das in einem Schrankmöbel versteckt ist.

Die innere Glasebene ist mit hocheffizientem Sonnenschutzglas ausgeführt. Es besitzt eine hohe Lichttransmission von 70%, einen guten Wärmeschutz mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von Ug = 1,0 W/m²K und einen geringen Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert) g = 0,37. Außerdem ist die Verglasung besonders farbneutral in Durchsicht und Außenreflexion.


Zum Innenhof hin ist die Fassade vollständig verglast und ebenfalls als Closed-Cavity-Fassade ausgeführt. Sie unterscheidet sich gestalterisch stark von den straßenseitigen Ansichten: schmale, vorgesetzte Fassadenelemente zeichnen eine abstrahierte Baumstruktur nach und sorgen für abwechslungsreiche Schattenbilder im Gebäudeinneren.

Bautafel

Architektur: H2M Architekten, Kulmbach/München
Projektbeteiligte: Freese Fußbodentechnik, Bremen (Bodenbeläge); METALLART Treppen, Salach (Treppen); Gustav Biedenbacher Garten- und Landschaftsbau, Kammerstein (Außenanlagen); Schindler Fenster + Fassaden, Roding (Fassadenbau); Vetrotech Saint-Gobain / Lindner, Arnstorf (Glastrennwände); CLIMAplusSECURIT / Vandaglas Eckelt / Saint-Gobain Glass (Verglasungen)
Bauherr*in: Erzdiözese Bamberg
Fertigstellung:
2022
Standort: Keßlerplatz 2, 90489 Nürnberg
Bildnachweis: Ralf Dieter Bischoff; Laura Thiesbrummel; H2M Architekten

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