Mangrove Park in Sanya

Schwammstadt statt ökologisches Chaos

Die Auswirkungen der Klimakrise manifestieren sich in verschiedenen signifikanten Phänomenen in urbanen Räumen. Dazu gehören vor allem höhere Temperaturen mit vermehrten Hitzetagen, veränderte Niederschlagsmuster, häufigere und intensivere Extremwetterereignisse. Städte in Küstenregionen, wie das südchinesische Sanya auf der Insel Hainan sind besonders stark von den Folgen betroffen. Monsunartige Regenfälle und Überschwemmungen sind hier die wesentlichen Herausforderungen für die Bewohner*innen.

Der Mangrovenpark drei Jahre nach seiner Errichtung. Die Gezeiten des Ozeans werden von einem einzigen Einlass am obersten Ende in die ineinander verschlungenen Finger der Wasserwege eingeleitet und sind in diesem Foto in der unteren rechten Ecke zu sehen.
Der ökologisch wiederhergestellte Mangrovenpark hat sich zu einer Oase im Stadtzentrum entwickelt.
Jeder der Pavillons ist so konzipiert, dass das grelle Sonnenlicht des mittleren Tages effektiv abgeschirmt wird und das Licht des Morgens und des Sonnenuntergangs durchdringen kann.

Im Jahr 2015 beschloss die Stadtverwaltung, diese Entwicklung zu stoppen und beauftragte den Landschaftsarchitekten Kongjian Yu und seinem Büro Turenscape mit der Umsetzung des Sanya Mangrove Park als Demonstrationsprojekt. Das in Peking ansässige Büro ist bekannt für die Weiterentwicklung des Konzepts der Schwammstadt und hat bereits zahlreiche Projekte sowohl in China als auch weltweit realisieren können, die diesem Prinzip folgen, darunter den Shanghai Hutan Park, den Benjakitti Forest Park in Bangkok und den Chinatown Park in Boston.

Schwammstadt

Das Konzept der Schwammstadt basiert auf der lokalen Speicherung von Regen- und Oberflächenwasser auf Flächen, die in der Lage sind, es zeitverzögert wieder abzugeben, statt es zu kanalisieren und abzuleiten. So lassen sich potenzielle Überflutungen vermeiden und durch Verdunstung des zurückgehaltenen Niederschlagswassers eine Verbesserung des Mikroklimas erzielen.

Yus Auslegung der Schwammstadt ist eine klimaresiliente Stadt, die er als „grüner Schwamm“ bezeichnet und die auf einer naturbasierten Infrastruktur aus künstlichen Feuchtgebieten, Regengärten, Gründächern, Biowannen und durchlässigen Bodenbelägen für Wege aufgebaut ist. Städtische Zentren sollen sich von Betonwüsten in bewohnte Landschaften verwandeln, an denen Wasser und Vegetation nachhaltig eingebunden sind. Im Jahr 2014 wurde Yus Schwammstadt-Konzept von der chinesischen Regierung als Leittheorie für zukünftige Stadtplanungs- und -erneuerungsprojekte übernommen.

Wiederherstellung der Mangrovenwälder

Um den Hochwasserrisiken in tropischen Städte entgegenzuwirken, kann die Wiederherstellung von Mangrovenwäldern entlang von Wasserstraßen und Küstenlinien von entscheidender Bedeutung sein. In Sanya wurden diese in den letzten Jahrzehnten durch die rasante städtische Entwicklung ohne Berücksichtigung ökologischer Belange kontinuierlich zerstört. Mit der neuen Parkanlage hatte es sich Turenscape zur Aufgabe gemacht, das klimaresiliente Mangroven-Habitat mit effizienten und kostengünstigen Methoden zu rehabilitieren. Die hier getesteten Methoden sollen in weiteren Mangroven-Renaturierungsprojekten in der gesamten Region eingesetzt werden.

Herausforderungen vor Ort

Der ungebremste Bauboom in China ab den späten 1990er-Jahren hat auch die Stadt Sanya in ein ökologisches Chaos gestürzt. Fast alle Wasserwege in den erschlossenen Gebieten waren verschmutzt und mit Müll gefüllt. Mangroven wurden zerstört, die Lebensräume an den Ufern vernichtet und die zur Bodengewinnung errichteten Betonflutmauern schotteten das Land vom Meer ab, was zu Überschwemmungen führte und die Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel verringerte. Mit der Beauftragung für den Sanya Mangrove Park beendete die Stadt 2015 die zerstörerischen Entwicklung.

Das Parkgelände ist 100 000 Quadratmeter groß und liegt am Ostufer des Sanya-Flusses im Zentrum der Stadt. Hier trifft Meerwasser auf Süßwasser. Neben der Wiederherstellung des Mangrovenhabitats galt es, das Gelände zu einem öffentlich zugänglichen Vorzeigeprojekt für die ökologische Stadterneuerung zu machen. Zu den Herausforderungen gehörten die tropischen Monsunstürme mit Überschwemmungen und ihrem Einfluss auf die Mangroven sowie das stark verschmutzte Flusswasser.

Elemente der Parkplanung

Die Planung umfasste im Wesentlichen folgende Maßnahmen: Entlang der Wasserwege und Ufer wurden Ökotone in verschiedenen Höhen aus lokalen Baustoffen angelegt. Sie fördern Flora und Fauna, insbesondere verschiedene Mangrovenarten. Aufgeschüttetes Land in Form von ineinander greifenden Fingern kanalisiert das Meereswasser und schafft Platz für eine dynamische Wasserumgebung, die den Gezeiten folgt. Bei Starkregen kann sich das Wasser verteilen, ohne das Land zu überfluten.

Unter Ausnutzung eines vorhandenen Geländegefälles von neun Metern wurden Terrassen mit begrünten Flutgräben als biologische Filter angelegt. Sie fangen das Regenwasser vom städtischen Gehweg bzw. der Straße auf und filtern es auf seinem natürlichen Weg hinab zum Wasser. Ein Netz von Fußgängerwegen durchzieht den Park entsprechend der Topografie des Geländes. Fünf strategisch angeordnete Pavillons bieten Schutz und Schatten.

Drei Jahre nach Baubeginn haben sich die Mangroven etabliert, Fische und Vögel sind zurückgekehrt. Der Park hat sich zu einem städtischen Erholungsort für alle entwickelt.

Bautafel

Architektur: Kongjian Yu, Peking
Projektbeteiligte: Design team: Lin Guoxiong, Zhang Yu, Zhang Jianqiao, Baizhen, Song Jia, Yu Wenyu, Zheng Junyan, Wu Fan, Wang Yufei, Li Fei, Wang Fang
Bauherr*in: Sanya City Government, China
Standort: Sanya, China
Fertigstellung: 2019
Bildnachweis: Turenscape

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