Lumis Student Living in Wien

Effizienz beim Planen von Studierendenwohnheimen

Fast 200.000 Studierende gibt es in Wien, entsprechend nachgefragt und teuer ist dort studentischer Wohnraum. Die Lücke an öffentlich geförderten Wohnheimen füllen private Immobilienbetreiber, wie Lumis Student Living. Das 2017 in London gegründete Unternehmen betreibt in mehreren europäischen Städten Appartement-Häuser für Studierende und junge Berufstätige; seit 2024 steht auch ein Lumis Student Living in Wien. Das Besondere an den Lumis-Häusern sind ihre Gemeinschaftsflächen mit Hotel-Ambiente, auf denen die Studierenden gemeinsam kochen, feiern, arbeiten und Sport machen. Die Ein-Zimmer-Appartements sind hochwertig ausgestattet und kosten in Wien zwischen rund achthundert und tausend Euro Warmmiete im Monat. 

ATP hatte den ursprünglich von Thaler Thaler Architekten stammenden Entwurf für mehr Flächenausnutzung optimiert. So strich man Loggien und Staffelungen im Dachgeschoss  aus dem Programm. Die aufgesetzten Rahmen um die Fenster blieben.
Die Innenarchitektur entwickelte SOP-Architektur. Das Team plante eine flexible Möblierung und Einbauten aus Sperrholz und beließ Rohre und Betonwände sichtbar.
Die Gemeinschaftsflächen fallen üppig aus, wie hier der Gaming- und Kinobereich mit Sitztreppe.

Auftrag zur Flächeneffizienz 

Das Appartementhaus steht im Süden der Stadt auf dem neugebauten Campus der FH – die U-Bahn, ein Schwimmbad und einen Park nebenan, ebenso wie mehrere laute Verkehrsschneisen. Das Gebäude umschließt daher mit drei Trakten einen Hof, der sich nur nach Süden, der einzig ruhigen Seite, öffnet. Den Entwurf dazu entwickelten die Wiener Thaler Thaler Architekten im Rahmen eines Gutachterverfahrens, zu dem der Projektentwickler UBM Development einlud. Als das Unternehmen Viridis CAL Projekt (heute Viridis Real Estate) das Grundstück samt Planung übernahm, beauftragte es ATP Architekten Ingenieure, den bereits genehmigten Entwurf für eine effizientere Flächenausnutzung zu optimieren. 

Die Architektur 

Das Team vereinfachte die Baukubatur, reduzierte Loggien und Staffelungen im Dach und schuf so 10.450 m² Nutzfläche: Auf fünf Obergeschossen verteilen sich 390 Wohneinheiten, im Erd- und Tiefgeschoss liegen gemeinsam genutzte Flächen wie Rezeption, Briefkästen, Sitzbereiche, mehrere Studierzimmer, eine Gaming- und eine Kinolounge, eine Cafeteria, Fitnessräume, Wäsche- und Müllräume und eine Fahrradgarage. Ein schmales Atrium zieht sich über alle Geschosse und bringt Licht in die Tiefe. 

Das Gebäude ist eine massive Stahlbetonkonstruktion, das im Erdgeschoss teilweise auf Stützen und Wandscheiben lagert. Eine Glasfassade wickelt sich um die gemeinschaftlich genutzten Flächen. In den Geschossen darüber erstreckt sich eine ebene Fassade mit Putz und Klinker und mit fast bündig in der Wand sitzenden Fenstern. Ursprünglich waren Loggien in der Fassade geplant, die dem Kostendruck weichen mussten. In Teilen bleiben durften hingegen die schräg zulaufenden Rahmen, die außen vor die Fenster gesetzt wurden, um der Fassade ein lebhaftes Profil zu geben.

Innenarchitektur 

Die Innenarchitektur entwickelte das Büro SOP Architecture, das auf „Living-as-a-Service-Lösungen“ spezialisiert ist. Das Team wählte flexibel positionierbare Polster- und Stahlmöbel und entwarf Einbauten aus recyceltem Sperrholz. Im Zusammenspiel mit den Sichtbetonoberflächen, den sichtbar belassenen Rohrleitungen und den teilweise abgehängten Akustik- und Technikdecken entstand ein Werkstattambiente, das die Gemeinschaftsflächen verbindet. Dagegen sind die möblierten Appartements farblich und im Material neutral gehalten. 

Energieeffizienz 

Das Ziel der Effizienz galt nicht nur für die Flächennutzung, sondern auch hinsichtlich der Energie- und Ökobilanz. Der Immobilieneigentümer strebt eine ÖGNI-Gold-Zertifizierung an. Das Gebäude erhält praktischerweise seine Heizenergie als Fernwärme vom kommunalen Anbieter, eine mechanische Lüftung verhindert unnötige Wärmeverluste und die Beleuchtung funktioniert über energieeffiziente LED mit Bewegungsmelder und zentraler Steuerung. Effizienz galt aber auch hinsichtlich des Workflows beim Planungsprozess, zumal es viele Beteiligte und bereits eine Entwurfsplanung gab. 

Effiziente Workflows 

ATP versteht sich als führendes Büro für die integrale Planung mit interdisziplinären Teams, die von verschiedenen Standorten zusammenarbeiten und ihre Kunden zu effizienten Planungs- und Bauprozessen beraten. Das bedeutet fürs eigene Büro, dass auch hier Workflows und Entscheidungsprozesse möglichst effizient, interdisziplinär und flexibel, bzw. bedarfsgerecht ablaufen sollen. Die Projekte werden daher von Anfang bis Ende mit einem klar strukturierten, datenorientierten Projektmanagement begleitet. Dafür nutzen die Teams eine digitale Plattform, auf denen sie alle wichtigen Informationen festhalten, austauschen und einsehen können. Hier werden Zeitpläne erstellt, Aufgaben verteilt, Teams und Ressourcen koordiniert und die Ergebnisse dokumentiert. Die integrierte Zeiterfassung sorgt zusätzlich dafür, dass Arbeitszeiten und Projektfortschritte jederzeit nachvollziehbar sind und als belastbare Grundlage für daraus resultierende Entscheidungen dienen.

Bautafel

Architektur: Thaler Thaler Architekten, Wien (Architektur/ Entwurfsplanung Gutachterverfahren), ATP architekten ingenieure, Wien (Architektur/ Entwurfsplanung Überarbeitung)
Projektbeteiligte: SOP Architecture, Wien (Innenarchitektur), RWT plus, Wien (Tragwerksplanung), Röhrer Bauphysik, Wien (Bauphysik), schorn – architektur, Wien (Ausführungsplanung), YEWO LANDSCAPES, Wien (Landschaftsarchitektur), DYWIDAG, Wien (Generalunternehmer)
Fertigstellung: 2024
Bauherrin: Viridis CAL Projekt (Viridis Real Estate)
Standort: Favoritenstraße 224, 1100 Wien
Bildnachweis: ATP architekten ingenieure/Kuball, Wien

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