Liknon in Vourliotes, Griechenland
Eingebettet in die Terrassenlandschaft
Das 2022 vom Büro K-Studio fertiggestellte Projekt Liknon belebt einen über hundert Jahre alten Weinberg und schafft einen hybriden Ort, an dem Geschichte, handwerkliche Produktion und Herkunft der Marke Metaxa räumlich erfahrbar werden. Der neu gestaltete Weinberg fungiert zugleich als Freilichtmuseum, Produktionsstätte und landschaftsarchitektonisches Projekt. Metaxa ist eine griechische Weinbrand-Spirituose, die 1888 von Spyros Metaxas gegründet wurde und aus Trauben der Inseln des Ägäischen Meeres hergestellt wird. Seit dem Jahr 2000 gehört die Marke zum französischen Spirituosenkonzern Rémy Cointreau.
Ein Museumsbau als landschaftsarchitektonische Intervention
Die Muskatreben breiten sich unterhalb der Ortschaft Vourliotes über den Hang aus und folgen einer Abfolge erneuerter Trockensteinmauern, die ursprünglich errichtet wurden, um das Gelände zu terrassieren und landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Der Entwurf von K-Studio bewahrt diese prägende Struktur des Tals, indem er eine Wegführung entlang der Steinmauern entwickelt und eingeschossige Baukörper zurückhaltend in die Landschaft integriert. Ziel des in Athen ansässigen Büros war es, die Geschichte und die Herstellungsprozesse der Spirituose über die Topografie und den Ort selbst zu vermitteln.
Ausstellungs- und Verkostungsräume sind durch Treppen und steinerne Wege miteinander verbunden. Der Museums-Rundgang führt die Besucher*innen durch die Weinberge und verläuft abwechselnd ober- und unterirdisch. Die Route gliedert sich in drei zentrale Stationen. „Topos“ ist ein unterirdischer Raum, in dem durch eine eigens entwickelte Glasöffnung exemplarisch die Wurzeln und der Stamm einer Rebe sichtbar werden. Hier wird der Einfluss des Terroirs auf die Qualität des Produkts thematisiert. Darauf folgt „Chronos“, ein Kellerraum, in dem die zeitliche Entwicklung der Produkte verkostet und nachvollzogen werden kann. Den Abschluss bildet die „Metaxa Bar“, ein Aufenthaltsraum mit Außenterrasse und einer von Reben umwobenen Pergola. Anstelle eines konventionellen Museumsbaus entstand so ein Ensemble aus in das terrassierte Tal eingebetteten Strukturen, das die vorhandene Topografie nutzt, um ein kuratiertes, räumlich intensives Besuchserlebnis zu schaffen.
Die ökologische Umgestaltung eines Weinbergs
Der Weinberg, der 2017 von Metaxa erworben wurde, liegt im Ambelos-Gebirge auf Samos inmitten weitläufiger Muskat-Weinberge. Wie viele Grundstücke auf der Insel ist er klein parzelliert; ein Teil der Rebstöcke ist rund 80 Jahre alt, und die jährliche Traubenproduktion liegt bei maximal 300 Kilogramm pro Hektar. Besonderes Augenmerk der Umgestaltung liegt auf der ökologischen Neuausrichtung des Weinguts: Metaxa hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2027 die gesamte Bewirtschaftung auf zertifizierten biologischen Anbau umzustellen.
Darüber hinaus verfolgt das Projekt – gemeinsam mit weiteren Ländereien auf Samos – den Ansatz, die biologische Vielfalt der Insel zu schützen und zu fördern. Zu diesem Zweck arbeitet Metaxa mit der Griechischen Ornithologischen Gesellschaft zusammen, um Lebensräume für Vögel und andere Tierarten zu sichern. Diese Maßnahmen sind Teil des UN-Nachhaltigkeitsziels „Leben an Land.” Dazu zählen unter anderem die Beobachtung gefährdeter Arten, die auf Samos leben oder die Insel als Zugroute nutzen; die Installation von Nistkästen, Insektenhotels und Futterstellen sowie Maßnahmen zur Sensibilisierung für die Koexistenz von landwirtschaftlicher Natur und Mensch.
Bautafel
Architektur: K-Studio, Athen
Projektbeteiligte: Fytron (Landschaftsarchitektur); Elliniki Meletitiki, Aggelos Ladas (Tragwerksplanung); Last – Lighting Architecture Studio (Lichtplanung); Bakagiannis Pavlos (3D-Visualisierung); Ballian (Generalbauunternehmer)
Bauherr/in: Metaxa, Griechenland
Fertigstellung: 2022
Standort: Samos, Griechenland
Bildrechte: Nikos Daniilidis; Claus Brechenmacher & Reiner Baumann (Breba)
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