Life behind the walls – Leben hinter den Mauern

Immersive Ausstellung über das Leben in Nordkorea

Es ist hell in der alten Halle, eine Architektur aus Schwarz-Weiß-Kontrasten und lichtgefluteter Höhe. In der Mitte signalrote Stoffbanner, die sich um ein Raumgebilde aus roten Holzplanken ziehen. Schon beim Eingang kommt die Frage auf: Darf etwas so dramatisch schön inszeniert sein, wenn darin so viel Grausamkeit liegt? In diesem Fall muss es wohl sein, denn Thema dieses ersten Raumes ist die plakativ durchchoreographierte, scheinbar heile Welt, die Nordkoreas Machthaber in die Welt kommunizieren möchte. 

In scharfen Kontrasten durchchoreographiert: So übernimmt die Ausstellung zunächst bewusst die plakative Sprache des nordkoreanischen Machsystems.
Doch was einfach wirkt, ist ein Labyrinth aus Holzbalken und Bannern. Und wer in die Winkel schaut, findet Bilder und teilweise versteckte Hinweise.
Die Ausstellung ist kindgerecht, schon die Kleinsten sollen die zwei Seiten des Totalitarismus verstehen: die nach außen perfekt glänzende...

Die Ausstellung resultierte aus einem Kinderbuch der Koreanistin und Autorin Nina Špitálníková, die selbst eine Zeit in Nordkorea lebte: Sie veröffentlichte 2025 das Werk Tota lítá, das den Totalitarismus kindgerecht erklären soll. Dann entwickelte die Autorin gemeinsam mit der Architektin Barbara Bencová (B2 Architecture, Prag) eine beeindruckende Ausstellung in einer ausgedienten Halle des Holešovice-Markts in Prag. Sie richtete sich explizit auch an Kinder und zeigte unter anderem großformatige Fotos von Michal Huniewicz und Tim Franco sowie Grafiken und Illustrationen von Lenka Volková und Dana Lédl (Myokard). Das Lichtkonzept stammte von Karel Vydra. Die Ausstellung war leider nur im Mai 2026 zu sehen, doch das Ausstellungskonzept ist wegen seiner mit Licht erzeugten, immersiven Atmosphäre beeindruckend wie auch beklemmend und soll deshalb hier eine Erwähnung finden.

Am Eingang schon grüßt der nordkoreanische Diktator, bzw. sein Konterfei, und Gäste betreten unter seinen Augen ein ästhetisches Labyrinth aus roten Holzbalken und ebenfalls roten, halbtransparenten Bannern. Die scharfen Kontraste und die Vereinfachung mit Farbe und Geometrie lassen die Installation dramatisch wirken, wie eine inszenierte Bühne. Doch wer aufmerksam eintritt, findet schon in diesem ersten Raum Zwischenräume, Überlagerungen und versteckte Hinweise hinter den Schichten, Fotos und Panels, die zum Nachdenken und zur Interaktion auffordern. Das Labyrinth hat mehrere Wege, Ein- und Ausgänge, Nischen und Achsen. Insofern lässt sich dieser Ausstellungsbereich nicht eindirektional entdecken, sondern ist überraschend komplex.

Und irgendwann gelangen die Besuchenden an eine schmale Stelle – den Durchgang in der Wand, die die Ausstellung teilt. Dahinter verdunkelt sich der Raum: Hier beginnen die verborgenen Geschichten der Menschen in Nordkorea, vor allem derjenigen, die sich nicht mit Unfreiheit und Diktatur arrangieren können oder möchten. Ihre Portraits sind auf Bannerwände gedruckt, Texte sind mit angeleuchteter Schrift auf den Boden projiziert. Zart erscheinende Buchstaben im dunstigen Dunkeln. Dazwischen auf Stoff gedruckte Silhouetten von Bürgern und Soldaten, die sich mit den Silhouetten der Besuchenden überlagern und so eine sich schemenhaft bewegende Masse erzeugen, immer bewacht von der goldenen Statue des Diktators. Die unklaren Abgrenzungen der Schichten und Schatten im Halbdunkel, zusammen mit den Erfahrungsberichten der Portraitierten, erzeugen eine beklemmende Atmosphäre. Spätestens hier verliert sich die Kinderleichtigkeit und der Mangel an Licht und Farbe ist das, was spürbar bleibt. 

Architektur: B2 architecture, Prag

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