Lichtdach am Bahnhof Hamburg-Barmbek

Überdachung mit leuchtenden Flügeln aus ETFE-Luftkissen

Der Bahnhof Hamburg-Barmbek ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Hansestadt. Er besteht aus mehreren überdachten Bahnsteigen, die etwa eineinhalb Geschosse über dem Straßenniveau liegen. Umfassungsmauern parallel zu den Gleisen begrenzen den Bahnhof, unter den Gleisen verlaufen zwei Unterführungen, die die nördlich und südlich gelegenen Stadtquartiere verbinden. Gemeinsam mit der Hochbahn lobte die Stadt Hamburg im Jahr 2004 einen Wettbewerb zur städtebaulichen Neuordnung und architektonischen Aufwertung des in die Jahre gekommenen Bahnhofs Barmbek aus. Das Architekturbüro Ap'plan Mory Osterwalder Vielmo gewann den Wettbewerb mit einem Konzept, das wenige gezielte Eingriffe in die Unterführungen sowie in die Bahnhofsmauer vorsah. Kleine, in die Mauer integrierte Zugangsbauwerke sollen dabei die städtebauliche Verbindung stärken.

Lichtdächer mit schmetterlingsartigen Flügeln dienen den wartenden Fahrgästen als Wetterschutz und Beleuchtung (Südseite des Bahnhofs mit zweigeteilter Überdachung)
Auf wenigen Y-förmigen Stützen ruhend, scheinen die Überdachungen beinahe zu schweben
Die in die Randträger integrierten Leuchtstoffröhren sind unsichtbar und sorgen bei Dunkelheit für eine gleichmäßige Beleuchtung der Bushaltestellen

Im Rahmen der Umbauarbeiten erhielten auch die Bussteige, die sich vor den beiden längsseitigen Bahnhofsmauern befinden, neue Wetterschutzdächer mit integrierter Beleuchtung. Mit schmetterlingsartigen Flügeln ruhen sie auf wenigen Y-förmigen Stützen und scheinen beinahe zu schweben. Sie kontrastieren mit der alten, an einigen Stellen erneuerten Bahnhofsmauer aus roten Ziegeln und geben dem Bahnhof ein völlig neues Gesicht.

Dach
Trogdächer mit einem Tragwerk aus Stahl und daraufgelegten Folienkissen aus Ethylen-Tetrafluorethylen (ETFE) bilden den Wetterschutz für die wartenden Fahrgäste. Dazu sind im Abstand von 15,00 m Rundrohr-Stahlstützen mit Y-förmigen Gussknoten und zwei unterschiedlich geneigten Armen aus konischen Rundrohren angeordnet. Sie gründen auf Betonpfählen, in die sie über spezielle Fußpunkte eingespannt sind. Die Dachelemente setzen sich aus zwei Flügeln zusammen, die jeweils 15,00 m lang und 4,40 m breit sind. Äußere Randträger, mittige Rinnenträger und im Abstand von 2,50 m dazwischen geschweißte Flügelträger, bilden das Gerüst für die weißen ETFE-Folienkissen.

Die transluzente Kunststofffolie wiegt nur 600 g/m². Tagsüber lässt das Material 40% des sichtbaren Lichts passieren und wirft so einen leichten Schatten. Bei Dunkelheit sorgen unsichtbar in die Randträger integrierte Leuchtstoffröhren für eine gleichmäßige Beleuchtung der Busbuchten. Die dafür notwendigen elektrischen Leitungen werden im Tragwerk geführt. So entstand auf der Südseite des Bahnhofs ein 55 m und ein 115 m langes Dach, auf der Nordseite ein weiteres von 265 m Länge.

Bautafel

Architekten: Ap'plan Mory Osterwalder Vielmo Architekten- und Ingenieurgesellschaft, Stuttgart / Berlin
Projektbeteiligte: FormTL Ingenieure für Tragwerk und Leichtbau (Tragwerksplanung Busdach); Ingenieurbüro Dr. Binnewies, Hamburg (Tragwerksplanung Massivbau); Scholze Ingenieurgesellschaft, Berlin (Technische Gebäudeausrüstung); Schlotfeldtlicht, Hamburg (Lichtplanung); Weidinger Landschaftsarchitekten (Außenanlagenplanung); Verkehrsplaner Hans-Peter Henes, Stuttgart (Verkehrsplanung)
Bauherr: Hamburger Hochbahn, Hamburg
Fertigstellung: 2013
Standort:
Bahnhof Hamburg-Barmbek
Bildnachweis: Ap'plan Mory Osterwalder Vielmo, Stuttgart / Berlin; Fotos: Archimage, Meike Hansen / Sabine Vielmo, Hamburg

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