Lernhaus im Freilandmuseum Oberpfalz in Nabburg

Praktisch lernen am Holzrahmenbau

Im Rahmen einer Forschungsarbeit der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau entsteht im historischen Freilandmuseum Oberpfalz ein besonderer Neubau in Holzbauweise. Als „lehrendes und lernendes Haus” bezeichnet der Juniorprofessor Max Otto Zitzelsberger den Neubau, den er zusammen mit Studierenden im Fachbereich Tektonik im Holzbau geplant hat. Bei der Realisierung des Gebäudes soll gleichzeitig geforscht und Baupraxis erlernt werden – gemäß dem Motto „der Prozess ist das Ergebnis”.

Mit den kleinen Anbauten wird ein Bezug zum Vorgängerhaus aus Stein und Ziegeln aufgenommen.
Die traditionelle Dachform ist kombiniert mit modernen Elementen.
Der Holzbau steht auf Punktfundamenten aus Beton mit Abstand zum Erdreich.

Neubau orientiert sich am Vorgängerhaus

Das neue Gebäude ersetzt das Wohnhaus eines ehemaligen Vierseithofes, das bei einem Brand zerstört wurde. Der Vorgänger aus Stein und Ziegeln wurde über Jahrzehnte und mehrere Generationen immer wieder umgebaut, sodass ein Baukörper mit vielen Anbauten entstand. Daran orientiert sich der Nachfolger in Holzbauweise. Er ist auf Punktfundamenten aus Beton mit Abstand zum Erdreich errichtet und besteht aus einem dreigeschossigen Haupthaus mit steilem Satteldach und zwei kleinen, eingeschossigen Anbauten mit Pultdächern. Die Grundrissaufteilung entspricht der neuen Nutzung als Seminargebäude für das Umweltzentrum; auf zwei Geschossen verteilen sich jeweils zwei Seminar-, Schlaf- und Lagerräume.


Traditionelle und moderne Elemente

Der Eingang befindet sich zentral an der Südseite. Eine schmale Holztreppe führt in das Gebäude – zukünftig soll es auch eine Rampe geben. Die Eingangsseite bestimmt eine regelmäßige Reihung bodentiefer Fenster. Aktuell (Stand: Juli 2024) ist die Holzkonstruktion des künftigen Bildungszentrums noch unverkleidet, eine temporäre Fassadenhaut schützt die Wetterseite des Gebäudes vor Wind und Regen. Die traditionelle historische Dachform wird bewusst mit modernen Elementen wie zum Beispiel runden Fenstern kombiniert. Eine hölzerne Wendeltreppe an zentraler Stelle verbindet die Geschosse.


Ständerwerk mit OSB-Platten-Beplankung

Das Lernhaus ist in Holzrahmenbauweise gefertigt. Für die Konstruktion kamen Kanthölzer aus Fichten- und Kiefernholz aus einem Wald in unmittelbarer Nähe zum Einsatz. Es wurde vor Ort mit einer mobilen Säge geschnitten, um lange Transportwege zu vermeiden, und rund ein Jahr lang getrocknet. Die Bäume wurden entsprechend ihres Querschnitts verwendet, um Abfälle zu vermeiden. Für die Beplankung der Wände kamen OSB-Platten zum Einsatz. Die Platten sind aus Holzresten hergestellt und mit einem biologisch abbaubaren Kleber verklebt. An den Außenseiten bzw. Stößen sind sie mit Holzleisten fest eingespannt.


Im Bereich der Treppen und für den Boden kam eine baugleiche Spanplatte mit besonderen Brandschutzeigenschaften zum Einsatz. Deren heterogene Oberfläche erzeugt im Zusammenspiel mit den freiliegenden Balkendecken lebhafte Kontraste. Die Holzbalken sind zimmermannsmäßig durch Zapfen verbunden. Traditionelle Elemente wie Holzbalken und Zapfenverbindungen kontrastieren mit modernen, industriellen Bauteilen wie OSB-Platten für die Wände oder Trapezblech als Dachdeckung.

Die Forschungsarbeit ist in zwei Einheiten aufgeteilt: Die erste beinhaltet unter anderem die Themen Kreislaufwirtschaft, Materialeffizienz, Reversibilität und Gebäude-Fußabdruck, die zweite umfasst die Themen „Lehr- und Lernhaus” sowie den Prozess der Entstehung.

Bautafel

Architektur: Jun.-Prof. Max Otto Zitzelsberger, Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau
Projektbeteiligte: Eugen Happacher, Jonas Maczioschek (Mitarbeit); Merz Kley Partner, Dornbirn (Tragwerksplanung)
Bauherr/in: Freilandmuseum des Bezirks Oberpfalz in Neusath und Perschen
Fertigstellung: Als Lernhaus im Bauprozess
Standort: Nabburg-Neusath
Bildnachweis: Sebastian Schels

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Der konstruktive Holzschutz greift auf den Erfahrungsschatz einer Jahrtausende alten Bautradition zurück. Für Holzhäuser in alpiner Region typisch sind weite Dachüberstände.

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Holzschutz

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Die Holzkonstruktion dieses Wohnhauses ist ein kombinierter Skelett- und Holztafelbau (Baugruppenprojekt 3XGrün in Berlin, 2011; Architektur: IfuH - Institut für urbanen Holzbau, Atelier PK, Roedig Schop Architekten, Rozynski Sturm Architekten).

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