Lehrstück der Wiederverwendung
Über das Studierendenprojekt rebuiLT
17 Millionen Tonnen Baumaterial werden in der Schweiz jährlich weggeworfen. Der Verschwendung begegnet die École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) mit einer Reihe von Forschungsprojekten. Im Rahmen des Studierendenprojekts rebuiLT eröffnete Anfang 2025 ein Pavillon, der das Bauen mit gebrauchten Betonbauteilen veranschaulicht.
Die Herstellung von tragenden Bauteilen ist besonders umweltschädlich. Am Structural Xploration Laboratory (SXL) der EPFL begann man deshalb bereits 2016 damit, die Wiederverwendung von Betonteilen zu erkunden. Das zur Fakultät für Architektur, Bau- und Umweltingenieurwesen gehörende Institut sitzt am Smart Living Lab in Freiburg. Seit Frühling 2024 leitet Corentin Fivet die gemeinsame Forschungsstätte der EPFL, der lokalen Hochschule für Technik und Architektur und der Universität Freiburg. 2021 entstand hier zunächst eine Fußgängerbrücke aus zersägten Betonwänden (siehe Tipps zum Thema). Wenige Jahre später folgte ein ganzer Pavillon – ein Resultat der studentischen Initiative rebuiLT. Das Projekt wurde von Fivet betreut und erhielt weitere Unterstützung durch die EPFL und den Verein Unipoly.
Zunächst suchten die Studierenden ein Spendergebäude und einen Standort für den Pavillon. Die Firma Steiner Construction (heute Alpenda) schlug ihnen das Büro- und Lagergebäude eines Bild- und Tontechnikvertriebs vor, das nach rund 50 Jahren Nutzungsdauer abgerissen werden sollte. Derweil bot die Stadtverwaltung von Ecublens einen Bauplatz bei einer Schule an. Planung und Bau waren über die Semester hinweg in Teilprojekte gegliedert, beginnend mit der Analyse des Bestandstragwerks und der Erfassung wiederverwendbarer Bauteile. Aufgeteilt auf verschiedene Teams, befassten sich die Studierenden anschließend mit Planung und Ausführung von Hochbau, Tiefbau und Gebäudetechnik. Schließlich packten sie auch auf der Baustelle mit an.
Im Sommer 2023 demontierte ein Fachbetrieb sechs Stützen mitsamt einem Stück der anschließenden Boden- und Deckenplatte. Die untere Platte wurde etwas großzügiger ausgeschnitten, damit später die Außenwände auf ihr stehen konnten. Per Kran wurden die H-förmigen Elemente auf einen Sattelschlepper gehoben und dann in das drei Kilometer entfernte Ecublens transportiert. Dort positionierte sie ein weiterer Kran auf den vorbereiteten Fundamenten. Zwischen den drei Stützenpaaren wurden Bodenplatten verlegt, die ebenfalls vom Spendergebäude stammen.
Die Betonelemente bilden die Basis des Pavillons. Da sie jedoch nicht ausreichten, um ihn zu vollenden, bauten die Studierenden mit nachwachsenden Materialien weiter. Für das Tragwerk des Satteldachs verwendeten sie Holzbalken von zurückgebauten Bauernhöfen im Umland oder von den Statik-Prüflaboren der EPFL. Gedämmt ist das Dach mit Gras, eingedeckt mit geretteten Ziegeln. Die Außenwände sind als zweischaliges Mauerwerk ausgeführt, mit einer Kerndämmung aus Stroh, wiederverwendeten Fenstern und einem schneeweißen Kalkputz.
Am 27. Februar 2025, nach zwei Jahren Bauzeit, wurde der Pavillon offiziell eingeweiht. Seitdem steht er Vereinen, Schulen und anderen Initiativen für Veranstaltungen offen. Auf einer eigenen Webseite dokumentieren die Studierenden das Projekt und kündigen kommende Termine an (siehe Surftipps).
Fachwissen zum Thema
Tipps zum Thema
Surftipps
Deutsche Zement- und Betonindustrie vertreten durch das
InformationsZentrum Beton | Kontakt 0211 / 28048–1 | www.beton.org