Landhaus in Cairnconon

Re-Use von Feldsteinen und bodenbündige Fenster

Alles begann mit ausgedehnten Wanderungen über die schottischen Highlands. Die Bauherrin erzählt: „Wir wurden von den alten Hütten inspiriert, denen wir auf unseren Wanderungen begegneten, insbesondere von ihrer heimeligen Atmosphäre und ihrer Verbindung mit der Landschaft. Es war uns wichtig, dass unser neues Zuhause das gleiche Gefühl von Geschichte und Zugehörigkeit widerspiegelt.“

Der Bauherrin war wichtig, dass ihr Zuhause das Gefühl von Geschichte und Zugehörigkeit widerspiegelt.
Der Eingang befindet sich im äußeren Knick des Winkels.
Als Re-Use wurden die Feldsteine der Ruine für die Wände an den Außenseiten des L-Winkels wiederverwendet.

„Haus vom Nikolaus“ in Angus

Als die beiden künftigen Bauherren in der dünn besiedelten Grafschaft Angus im Osten Schottlands die Ruine eines Byre bei Cairnconon entdeckten, beschlossen sie diese kurzerhand zu kaufen. Ein Byre ist in Schottland ein meist trutziges, aus Feldstein gemauertes eingeschossiges Häuschen mit Satteldach, das als Schutzhütte, Wohnhaus, Stall und Scheune dient. Die Typologie ist ebenso schlicht wie archaisch – die Stirnseite erinnert stark an das „Haus vom Nikolaus“.

Auf der Suche nach einem Architekten entdeckten sie ganz in der Nähe eine ähnliche Hütte, die nicht nur umfassend saniert, sondern zurückhaltend-elegant um das doppelte Volumen erweitert worden war. Das verantwortliche Architektenteam Loader & Monteith wurde umgehend beauftragt – allerdings unter der Bedingung, dass die aus der Handwerks- und Materialbranche stammenden Bauherren einen Großteil der Arbeiten selbst erbringen wollten und auch tatsächlich übernahmen.

Organisation und Orientierung

Loader & Monteith orientierten sich beim Bau des Landhauses an der traditionellen Kubatur eines Byre, verdoppelte diese aber zu einem L-förmigen Zwillingsbau mit einer Wohnfläche von 112 Quadratmetern. Der überdachte Eingang befindet sich im äußeren Knick des Winkels. Er wirkt wie ein transparentes Gelenk zwischen den beiden Flügeln, die als zwei eigenständige Häuschen in Erscheinung treten. Im Haus mit Ost-West-Ausrichtung befinden sich die Küche, ein Essplatz und ein Wohnbereich. Sie sind über einen offenen Durchgang miteinander verbunden. Das Haus mit Nord-Süd-Ausrichtung dient als Rückzugsbereich und beherbergt zwei Bäder und drei Einzelräume, die als Schlaf-, Arbeits-, Kinder- oder Gästezimmer genutzt werden können.

Kontrast, Re-Use und Selbstbau

Das konstruktive wie gestalterische Konzept basiert auf dem Kontrast zwischen innen und außen. Für die Außenwände des L-Winkels wurden die Feldsteine der Ruine, ein hellgrauer Sandstein, als ressourcensparender Re-Use wiederverwendet. Die wind- und witterungsgeschützteren Wände auf der Innenseite des Winkels sind als Holzkonstruktion mit dunkel gebeizter Holzverkleidung ausgeführt. Das Dach ist mit rotem Metallwellblech gedeckt, einem preisgünstigen Material, das als augenzwinkernder Verweis auf landwirtschaftliche Zweckbauten wie Scheunen und Ställe gewählt wurde. Der Bauherr war als erfahrener Zimmermann in den Planungs- und Ausführungsprozess sowie bei der Materialwahl und Detailerarbeitung eng eingebunden.

Bodentiefe Fenster und Oberlichter

Die Fenster spielen eine zentrale Rolle in der schützenden Gebäudehülle gegen das raue schottische Klima. Sie rahmen Ausblicke auf die umgebenden Felder, Weiden und Hügel und sind als bodenbündig stehende oder quadratische Felder gestaltet. Die Sturzhöhe ergab sich aus dem Auflagerpunkt der Dachsparren, was eine umlaufend einheitliche Kante schafft. Durch die Fenstertüren zur Terrasse im L-Winkel lässt sich selbst bei eisigem Sturm im Sitzen oder Liegen entspannt die Natur betrachten.


Nach Westen, zur Regenseite Schottlands, an der sich die atlantischen Tiefausläufer abregnen, ist das Gebäude komplett mit Stein geschlossen. Für die Belichtung und Belüftung von Küche und Essplatz sorgen zwei quadratische Oberlichter mit Westausrichtung. Sie zeigen besonders in der Abenddämmerung mit der untergehenden Sonne geradezu spektakuläre Licht- und Farbszenarien.

Alle Wandoberflächen der Innenräume, einschließlich der bis zum First sichtbaren Dachschrägen, sind mit einer hellen tonig-erdigen Farbe gespachtelt, die die fruchtbare Erde der ländlichen Umgebung zitiert. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung trägt energetisch zum nachhaltigen Gebäudekonzept bei. Ein Holzofen sorgt für Behaglichkeit im Wohn-Byre. -sj

Bautafel

Architektur: Loader & Monteith Architects, Glasgow
Projektbeteiligte: McKinney Nicolson, Dundee (Tragwerk)
Bauherren und Eigenleistungen: Colin und Angela Leslie, Angus
Fertigstellung: 2024
Standort: Angus, Schottland
Bildnachweis: Jim Stephenson Architectural Photography & Films – über Salt, London

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Fenstertüren werden oft als Balkon- oder Terrassentüren eingesetzt. Im Bild das Beispiel einer Glas-Faltwand mit Holzrahmen (Serie Woodline von Solarlux).

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Schiebetüren werden häufig für Baubreiten ab 1,30 m verwendet.  Im Pavillon vor dem Hyatt Regency Hotel in Köln besteht die Glasfront aus Schiebefenstern der Serie cero von Solarlux.

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Konstruktion/​Funktion

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Sonnenlicht ist eine unverzichtbare Grundlage für das Wohlbefinden von Menschen. Balkone und Fensterflächen sorgen für Lichteinfall (Lokdepot, Berlin).

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