Kommunales Dienstleistungsgebäude in Herrlisheim
Inszeniertes Regenwassermanagement
Selten parken Bagger so schön wie in Herrlisheim. Im Auftrag der Gemeinde entwarf das Straßburger Architekturbüro N01 architecture dort das neue Kommunale Dienstleistungsgebäude, das ästhetischen Anspruch mit durchdachtem Regenwasser- und Energiemanagement vereint. Unscheinbares, aber zentrales Element der südöstlichen Fassade ist die zylindrische Betonsäule. Sie beherbergt die Regenwasserzisterne und vereint Gestaltung und Funktion. Das gespeicherte Wasser versorgt die gemeindeeigenen Grünflächen.
Lokaler Wasserfokus
Herrlisheim, eine Gemeinde mit rund 4.700 Einwohner*innen, liegt nur einen Katzensprung hinter der deutschen Grenze in der französischen Region Elsass. Wasser spielt in der Gestaltung und Infrastrukturplanung der Gemeinde schon lange eine zentrale Rolle.
Einst querte der Fluss mit dem sprechenden Namen Zorn das Dorfzentrum, doch nach verheerenden Überschwemmungen entschloss sich die Gemeinde, diesen am Dorf vorbei umzuleiten. Stattdessen wurde der künstliche Wasserlauf Kleinbach geschaffen, der das Dorf von Norden nach Süden durchzieht. 2010 entschied sich die Gemeinde, diesen ingenieurtechnisch geplanten Flusslauf zu renaturieren, um Lebensräume für Fauna und Flora zurückzugewinnen.
Beton-Holz Hybrid
Mit dem kommunalen Dienstleistungsgebäude am nördlichen Dorfrand realisierte die Gemeinde ihr jüngstes Infrastrukturprojekt, das konsequent am Thema Wasser ausgerichtet ist. 2024 öffnete das Gebäude seine Rolltore. Genauso wie die Regenwasserzisterne in der Fassade ist auch die Primärkonstruktion aus Beton, der sich laut N01 architecture durch seine hohe Widerstandsfähigkeit auszeichnet. Ergänzt wird das Tragwerkssystem durch eine leichtere Holzstützkonstruktion aus Holz aus den Vogesen, einem Gebirge weiter südlich in der Region.
In Zusammenarbeit mit dem Bauingenieurbüro CAPEM entwickelte das Architekturbüro ein System aus Betonbögen und hölzernen Strebepfeilern, um die Haupträume zu unterteilen. So finden sich auf den 1.250 Quadratmetern Gesamtfläche Stellplätze für Bagger und die Fahrzeugflotte der Gemeinde, Lagerräume, sowie beheizte Büro- und Sanitärräume, die von den funktionalen Bereichen thermisch umhüllt werden.
Funktionalität ästhetisch inszeniert
Der Entwurf von N01 architecture übersetzt den funktionalen Charakter des Gebäudes in eine prägnante architektonische Haltung, die die produktiven Eigenschaften des Bauwerks sichtbar macht. Nahezu die gesamte, 1.200 Quadratmeter große Fläche des ins Auge fallenden Schrägdachs ist mit Solarpaneelen ausgelegt, die im Jahr rund 230.000 Kilowattstunden Strom produzieren – deutlich mehr, als das Gebäude verbraucht.
Regenwasser im Fokus
Gesammelt wird das anfallende Regenwasser von der subtil in die Fassade eingebundenen 60-Kubikmeter-Zisterne. Es gelangt zwischen die Fugen der Solarpaneele auf die geneigte Dachfläche und wird über eine lineare Metallrinne zur Zisterne geführt. Ostseitig erfolgt die Sammlung über eine einbetonierte Rinne.
Über einen Wasserhahn im Gebäudeinneren lässt sich das Regenwasser in Tankwägen füllen. Das System kann jährlich bis zu 700 Kubikmeter Regenwasser speichern und deckt damit den Bewässerungsbedarf aller Blumen, Pflanzen und Fußballplätze der 15 Quadratkilometer großen Gemeinde.
Auch in Hinblick auf die Nutzung ist das Gebäude nachhaltig konzipiert: durch die geschickt gesetzte natürliche Belichtung – Nordlicht wie in Ateliergebäuden – ließen sich künftig auch andere Verwendungszwecke dieses technisch ausgerichteten Gebäudes realisieren, wie das Team von N01 architecture in Collagen andeutet. -hs
Bautafel
Architektur: N01 architecture, Straßburg
Projektbeteiligte: Capem (Tragwerksplanung); Jost.G (Maschinenbau- und Elektroingenieurwesen); DB silence (Akustik); Economie 2 (Baukostenberatung); Auftragnehmer: Colas, Leon BTP, Girold, Soprema, Herve Gremmel, Geistel, Decopeint, B&B, TP aménagement, Catarino, Borsenberger, G2A, EIE, AMS, Remy Meder, Saines euro clean
Bauherrschaft: Gemeinde Herrlisheim
Fertigstellung: 2024
Standort: 67850 Herrlisheim, Frankreich
Bildnachweis: Marc Hess (Fotos); N01 architecture (Fotos, Pläne)
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