Kommunalbefragung Klimaanpassung

Aktuelle Studie zeigt Fortschritte sowie weiteren Handlungsbedarf

Am 1. Juli 2024 ist das Klimaanpassungsgesetz (KAnG) in Kraft getreten. Es bildet für die Bundesländer den Rechtsrahmen, eigene Klimaanpassungsstrategien vorzulegen und dafür Sorge zu tragen, dass die Kommunen Klimaanpassungskonzepte aufstellen. „Die Folgen der Klimakrise stellen die Regionen in Deutschland vor ganz unterschiedliche Herausforderungen. Den Kommunen kommt daher eine Schlüsselrolle zu.“, betonte Bundesumweltministerin Steffi Lemke, „Sie kennen die Gegebenheiten vor Ort am besten und können so passende Maßnahmen ergreifen, um die Menschen zu schützen.“ Eine erste bundesweite, repräsentative Umfrage im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) zeigt nun, dass eine Mehrheit der befragten Kommunen bei dem Thema aktiv ist, sich aber zugleich mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert sieht. Maßnahmen zur Klimaanpassung wurden bereits von über vierzig Prozent der Kommunen umgesetzt. Weitere knapp vierzig Prozent gaben an, entsprechende Maßnahmen zu planen.

Folgende Kernaussagen können auf Grundlage der aus der Untersuchung hervorgegangen Publikation Kommunalbefragung Klimaanpassung 2023 getroffen werden:

  • Wahrnehmung des Klimawandels und Einstellung: Größere Kommunen nehmen Klimaveränderungen stärker wahr. 56 % berichten von starken Veränderungen in den letzten zehn Jahren, während nur 2 % keinerlei Veränderungen spüren. Fast 90 % bewerten zukünftige klimatische Veränderungen als überwiegend negativ.
  • Gründe für Klimaanpassung: Die Betroffenheit durch Klimaveränderungen (64 %) und Extremwetterereignisse (62 %) treibt Kommunen dazu, sich mit Klimaanpassung zu beschäftigen. Weitere Motive sind die Lebensqualität (54 %), Vorbildfunktion (49 %), und finanzielle Förderung (46 %).
  • Stellenwert der Klimaanpassung: In 22 % der Kommunen hat Klimaanpassung einen hohen Stellenwert, und fast 50 % sehen ihn als „mittel“ an. Nur 2 % messen dem Thema keinerlei Bedeutung bei.
  • Handlungsbedarf und Aktivitäten: 64 % sehen einen hohen Handlungsbedarf für die nächsten zehn Jahre, insbesondere größere Kommunen. 83 % sind bereits aktiv, doch nur 12 % haben ein umfassendes Klimaanpassungskonzept, oft integriert in andere Fachstrategien.
  • Herausforderungen und strukturelle Bedarfe: Die Klimaanpassung stellt mit 82 % eine große Herausforderung für die Verwaltung dar. 78 % fordern eine koordinierende „Kümmerer“-Person, die über Abteilungsgrenzen hinweg agieren kann. Kommunikation zwischen Fachbereichen und Planungsprozesse werden als verbesserungswürdig eingeschätzt (zu 55 % bzw. 63 %).
  • Ressourcenmangel: Der Mangel an Personal und finanziellen Mitteln ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen. Ein positiver Zusammenhang besteht zwischen der Präsenz von Klimaanpassungsmanager*innen (haben 12 % der Kommunen) und der Realisierung von Konzepten.
  • Informationsbedarf und Wissenslücken: 74 % der Kommunen wünschen sich mehr Informationen zu geeigneten Maßnahmen. Es fehlt an theoretischem und praktischem Wissen, vorwiegend zu den sozialen und ökologischen Auswirkungen des Klimawandels sowie zur Förderung von Eigenvorsorge und sozialer Akzeptanz.

Über die Studie
Die Studie Kommunalbefragung Klimaanpassung 2023 ist die erste repräsentative, bundesweite Umfrage zum kommunalen Klimaanpassungsfortschritt. Sie wurde im Herbst 2023 im Auftrag des Umweltbundesamts (⁠UBA⁠) vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), dem Institut für Sozialforschung und Kommunikation (SOKO) sowie der UP Transfer GmbH an der Universität Potsdam durchgeführt. Insgesamt 4.691 Landkreise, Städte, Gemeinden und Gemeindeverbände wurden elektronisch und postalisch zur Teilnahme an der Befragung eingeladen. 1.062 Kommunen aus allen Bundesländern haben sich an der Erhebung beteiligt. Der Rücklauf liegt damit bei über 22 %. Überdurchschnittlich häufig haben kreisfreie Städte und Landkreise den Fragebogen beantwortet (ca. 65 bzw. 45 %). Den geringsten Rücklauf gab es mit etwa 16 % bei den Gemeindeverbänden. Kleine und mittlere Kommunen machen einen Großteil der Stichprobe aus.

Die 87-seitige Studie kann auf der Website des Umweltbundesamts kostenfrei heruntergeladen werden (Link siehe Surftipps).

Quelle: Umweltbundesamt (UBA), Dessau-Roßlau und Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), Berlin

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