Körper.Blicke.Macht.
Eine Kulturgeschichte des Bades
Hatje Cantz Verlag, Berlin 2020
264 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen
Format 24 x 33,8 cm, Hardcover
Deutsch und Englisch
Preis: 48 EUR
ISBN 978-3-7757-4725-7
Wer dieses Buch in den Händen hält, sieht zuallererst sich selbst. Die Spiegelfolie auf dem Cover spielt auf den Titel an: Körper.Blicke.Macht. Der Ausstellungskatalog erschien 2020, anlässlich der gleichnamigen Schau in den Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Anhand von Kunstwerken und Objekten wird hier eine Kulturgeschichte des Bades erzählt, von der Antike bis zur Gegenwart, auf Deutsch und auf Englisch.
Welch ein Zufall: Rund eine Woche nach Ausstellungseröffnung traten in Folge der rasant wachsenden Zahl von Covid-19-Erkrankten (und -Toten) umfangreiche Ausgangsbeschränkungen in Kraft. Plötzlich wurde in der Öffentlichkeit heftig über Hygienevorschriften und deren Einhaltung diskutiert. Die Hände waschen – absolut politisch! Um solche Perspektiven, die die Badekultur als Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft zeigen, ging es dem siebenköpfigen Kurator*innen-Team.
Der Katalog zeigt Alltagsgegenstände, Möbel, Gemälde, Radierungen, Zeichnungen, Fotografien und Filmstills sowie Aufnahmen von Performances. Darunter sind Barbierschüsseln, Hammam-Sandalen oder Zeichnungen antiker römischer Thermen, wie sie im 19. Jahrhundert rekonstruiert wurden. In den zehn Sektionen des Buchs wird davon berichtet, wie ein Museum in den Besitz von Waschschüsseln, Wannen und Handtüchern kommt und für welche Gewohnheiten die Artefakte stehen. Man erfährt, warum Waschen im spätmittelalterlichen Frankreich als gesundheitsgefährdend galt und welche zentrale Rolle Körperkontakte und Sexualität in öffentlichen Badehäusern einnehmen.
Viele Künstler malten nackte, badende Frauen – und so dominiert bis heute der männliche Blick auf diese Körper, den der Katalog in Teilen aufzubrechen versucht. Dabei ist das Bad gewiss einer der intimsten Orte unseres Alltags, an dem man sich vor lüsternen, urteilenden Blicken geschützt wähnt. Mit der vermeintlichen Privatheit und den Ritualen der Körperreinigung beschäftigten sich insbesondere im 20. und 21. Jahrhundert zahlreiche Filmemacher*innen und Aktionskünstler*innen, deren Arbeiten Thema der hinteren Buchsektionen sind.
Das große Format gibt den Abbildungen viel Raum, um zu wirken. Doch nicht immer ist es leicht, den knappen Texten zu folgen. Beinahe atemlos verwebten die Autor*innen Werke, Epochen, Persönlichkeiten und Orte miteinander. Das Lesen erschweren auch die überwiegend großen, fett gedruckten Serifenbuchstaben. Wichtige Begriffe, Namen und Referenzen sind hingegen kursiv, in Versalien oder mit größerer Laufweite gesetzt – ein inhaltlich wie formal reicher Teppich also.
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