Klimatisierung über die Decke
Deckenpaneel zum Heizen, Kühlen und als Feuchtigkeitspuffer
Die Beheizung über die Decke ist heute kein Problem mehr – das Kühlen dagegen schon, schlicht aufgrund der Physik: Kühlere Luft kann weniger Feuchtigkeit aufnehmen, es kommt zu Kondensation und damit zu Schimmelgefahr. Daher ist meist eine Luftentfeuchtung über die Lüftungsanlage nötig, was wiederum einen erhöhten Energieeinsatz bedeutet. Der Wiener Hersteller Abaton hat deshalb gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie - KIT, der Universität Wien sowie der TU Wien ein System entwickelt, das zusätzlich zur Kühlung auch die Luftfeuchtigkeit reguliert und dabei 10 bis 30 Prozent effizienter ist als die Kombination aus Flächenkühlung und Lüftung. Besonders vorteilhaft ist das auch bei der Sanierung von Bestandsgebäuden, in denen keine mechanischen Lüftungsanlagen eingebaut werden können.
Pufferung der Feuchtigkeit
Herzstück des Systems ist eine zweischichtige Platte: ein 2 cm starker offenporiger Mineralschaum, der bis zu 500 g Wasser pro Quadratmeter puffern kann, verbunden mit einem Polypropylen-Rohrregister zur Heiz- und Kühlwasserführung. Die Platte wird unterhalb des Taupunkts gekühlt, bleibt selbst trocken und benötigt keinen Taupunktwächter. Die gespeicherte Feuchtigkeit wird nachts, wenn das System über dem Taupunkt betrieben wird, wieder an die Raumluft abgegeben und kann durch Fensterlüftung entweichen. Durch diesen zyklischen Betrieb bleibt das System hygienisch unbedenklich; Schimmelbildung wird durch die regelmäßige Trocknung sowie das alkalische Milieu des Materials verhindert. Die hygienische Unbedenklichkeit wurde von der TU Wien bei Schimmelprüfungen bestätigt. Somit erhält man eine Lowtech-Lösung ohne störanfällige Elektronik.
Für jedes Projekt wird ein Ingenieurmodell verwendet, das auf Basis klimatischer Daten und Nutzungsprofilen ermittelt, wie viel Feuchtigkeit innerhalb von 24 Stunden aufgenommen und wieder abgegeben werden kann. Durch die offenporige Struktur wird zusätzlich eine akustisch wirksame Wirkung erzielt, vor allem im tieffrequenten Bereich. Das Material ist sortenrein trennbar und verursacht rund 50 Prozent weniger CO₂-Emissionen in der Produktion als konventionelle Kühldecken.
Flexible Montagevarianten
Standardmäßig wird das Paneel als Deckensegel (100 × 75 × 3 cm) montiert, ist aber auch direkt auf Rohdecken oder Holzdecken (mit XPS- oder Korkdämmung) installierbar. Die integrierte Rohrverbindung mit Stecksystem erleichtert die Montage. Die notwendige Aufbauhöhe beträgt etwa 90 mm inklusive Rohdecke. Eine Variante mit geringer Aufbauhöhe ermöglicht auch den Einsatz in Sanierungsprojekten mit niedrigen Raumhöhen.
Fachwissen zum Thema
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