Kleine Häuser unter 120 m²
Prestel Verlag, München
1. Auflage, 2024
92 Seiten, 220 Farbabbildungen und 60 Grundrisse, Format 21 × 26 cm, Hardcover
Preis: 38 EUR
ISBN 978-3-7913-8998-1
Wohnen auf kleinem Raum ist gefragter denn je. Die einen begrenzen sich aus Überzeugung, die anderen, weil das Budget nicht mehr hergibt. Dass kleine Häuser nicht nur gut aussehen, sondern dank durchdachter Grundrisse und Erschließungen auch wunderbar funktionieren können, zeigt der Architekturband Kleine Häuser unter 120 m² vom Autor und Fotograf Thomas Drexel. Er versammelt eine Auswahl von 25 Wohnhäusern aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus anderen Regionen der Welt. Sie unterscheiden sich in ihrer Größe, sind aber stets in zeitgenössischer Architektursprache umgesetzt. Jedem Projekt räumt der Autor drei bis vier Doppelseiten Platz ein und präsentiert es mit großformatigen Bildern, Grundrissen, kleinen Projekttexten und Baudaten. Viel Weißraum rahmt Bilder und Text, sodass ein luftiges, sehr ästhetisches Layout entsteht. Die Objektauswahl ist auch für versierte Planende eine Freude und bietet viel Inspiration für effiziente Erschließungen und Raumorganisationen. Die ausgewählten Beispiele zeigen, wie sich mit bestimmten Prioritäten mehr nutzbarer Raum und optische Weite erzeugen lassen, wie Innenräume ins Vertikale wachsen oder sich im Außenraum fortsetzen. Soweit ein absolut gelungenes Architekturbuch.
Ein Aber muss folgen und das tut es schon beim Titel: Klein ist relativ, aber für viele Menschen sind 120 Quadratmeter nicht klein! So groß sind durchschnittliche Reihenhäuser in Deutschland und in den Niederlanden, gebaut für und bewohnt von Familien. Vor wenigen Jahrzehnten waren es sogar weniger Quadratmeter und mehr Kinder pro Haus. Sprich, 120 Quadratmeter sind gebauter Wohnalltag, und zwar nicht, wie einige der gezeigten Objekte, auf weiten Grundstücken oder in offener Landschaft, sondern im verdichteten, suburbanen Raum. Also mit Aussichten, die nicht weitergehen als zum Gartenzaun des Nachbarn oder Carport vor dem Haus. Aber beim Blick ins Buch sieht man: Hier finden sich auch städtische Nachverdichtungen sowie kleine und kleinste Häuser. Die Aufweitung der Quadratmeterobergrenze sorgt dabei für eine Auswahl von überwiegend alltagstauglichen Häusern, statt der unter ähnlichem Titel oft publizierten minimalistischen Tiny-Houses als Wochenenddomizil.
Tatsächlich veröffentlichte der Autor neben zahlreichen anderen Architekturbildbänden schon 2016 einen Band mit kleinen Wohnhäusern unter 100 Quadratmetern. Damals publizierte der Autor noch beim Sachbuchverlag Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), bevor er vor wenigen Jahren zum Bildband-Verlag Prestel der gleichen Verlagsgruppe wechselte. Eine gute Wahl für die stimmungsvollen Architekturfotografien des Autors, die in einer ganzen, aufeinander abgestimmten Reihe aus mehreren Bildbänden zu unterschiedlichen Architekturthemen veröffentlicht wurden. Wer also an diesem Buch Gefallen findet, sollte unbedingt auch nach älteren Publikationen des Autors schauen. -rg
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