Kinzigbrücke: Holz-Beton-Verbundtragwerk im Schwarzwald

Überquerung der Kinzig für den Auto-, Rad- und Fußverkehr

Mitten im Schwarzwald liegt es nahe, auch für den Straßenbrückenbau möglichst viel Holz einzusetzen. Die vom Ingenieurbüro Miebach im Auftrag des Landratsamtes Ortenaukreis geplante und im Juni 2026 eingeweihte Kinzigbrücke zeigt, dass sich Holz-Beton-Verbundsysteme auch für den Schwerverkehr eignen. Zwischen Fischerbach und Haslach im mittleren Kinzigtal überspannt sie im Verlauf der Kreisstraße K 5357 die Kinzig. Als direkte Verbindung für den Straßen-, Rad- und Fußverkehr verbessert sie die Verkehrssicherheit und Erreichbarkeit zwischen beiden Orten. 

Die vom Ingenieurbüro Miebach im Auftrag des Landratsamtes Ortenaukreis geplante und im Juni 2026 eingeweihte Überquerung der Kinzig ist 148,80 Meter lang.
Die Brücke wurde als Pilotprojekt entwickelt, um die technische Machbarkeit von Holz-Beton-Verbundsystemen im Straßenbrückenbau unter Schwerverkehr nachzuweisen.
Fünf Stege aus blockverklebten Brettschichtholzträgern wirken im Verbund mit einer Fahrbahnplatte aus Stahlbeton.

Statisch ist die 148,80 Meter lange Brücke als vierfeldriges Plattenbalkensystem ausgeführt. Sie ist 12,40 Meter breit und hat eine Konstruktionshöhe von 1,60 bis 1,70 Metern. Bei dem Holz-Beton-Verbundtragwerk wirken fünf Stege aus blockverklebten Brettschichtholzträgern im Verbund mit einer Stahlbetonfahrbahnplatte. Entscheidend sind die Anschlüsse: Die Verbundwirkung erfolgt über Kerven in den Holzträgern sowie eingeklebte Bewehrungsstäbe mit Kopfankern. Besonders anspruchsvoll waren die biegesteifen Anschlüsse an Stahlbetonquerträger an Widerlagern und Pfeilern. Die Konstruktion erreicht eine Gesamtnutzungsdauer von 100 Jahren gemäß dem neuen Eurocode FprEN 1995-2.

Neben der zweispurigen Kreisstraße nimmt die Brücke einen Geh- und Radweg auf. Die Brettschichtholzträger wurden aus heimischem Fichtenholz industriell vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle montiert. Querträger, Pfeiler und Widerlager sind in Stahlbeton ausgeführt. Die seitlich auskragende Fahrbahnplatte schützt die Holzträger vor direkter Bewitterung. Die Holzquerschnitte sind getreppt ausgebildet, um Regenwasser besser abzuleiten. Damit bleibt das tragende Holz weitgehend vor Feuchtigkeit geschützt – eine wichtige Voraussetzung für die geplante hundertjährige Nutzungsdauer.

Planung: Ingenieurbüro Miebach, Lohmar (Überbau); RS Ingenieure, Achern (Unterbauten); Generalunternehmer: Rendler Bau, Offenburg; Holzbau: Grossmann Bau, Rosenheim

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